Leichenzug - Meisterwerk

Leichenzug – Meisterwerk (Review und Kritik)

Leichenzug - Meisterwerk
Leichenzug - Meisterwerk

Leichenzug – Meisterwerk (Review und Kritik)

Selten gibt es Alben, die einen so maßgeblich im eigenen Musikgeschmack beeinflussen, dass man nahezu nichts anderes mehr hören möchte. Nach und nach versucht man sich alles an Nebenprojekten oder einem evtl. vorhandenen Backkatalog zu besorgen und kann nicht genug davon bekommen. Eines dieser grandiosen Werke ist das 2004 erschienene Debüt Album „Meisterwerk“ des Solo-Projektes Leichenzug von Halgadom Sänger Paul. Selten habe ich ein Black Metal Album hören dürfen, dass gehässiger, wütender und aggressiver als das des sächsischen Ein-Mann-Todesschwadrones klingt.

So ist Paul einer der wenigen Sänger die es schaffen das ich bei beinahe jedem Song zum mitkeifen verführt werde. Der Mann hat die pure Wut in seiner Stimme und schafft es trotz allem melodische und eingängige Hymnen zu schreiben. Trotz der räudigen Soundqualität des Albums schaffen es Stücke wie „Sklave des Kreuzes“, „Meisterwerk“ oder „Kaltes Königreich“ einen in einen ganz eigenen Bann zu ziehen und nicht wieder los zu lassen. Den Nacken der den Kopf bei einem solchen Hassbolzen ruhig auf den Schultern halten kann möchte ich sehen. Man ist beinahe unwillkürlich dazu geneigt mit jedem Lied auf´s neue mit zu bangen. Langweilig wird, auch nach mehrmaligem hören keines von ihnen, denn Paul ist nicht nur ein großartiger Sänger und Texter, sondern weiß auch nahezu perfekt mit jedem seiner Instrumente um zu gehen.

Leichenzug Logo
Leichenzug Logo

Viele die dieses Review Lesen und die Band bisher nicht kannten, werden aufgrund der im Internet rar vertretenen Informationen jetzt sicher erst mal nach Halgadom gesehen und Antifa geschreibsel von „Schulhof CD´s“ oder ähnlichem gefunden haben. Und ja – es handelt sich hier tatsächlich um den aktuellen Sänger dieser so kontroversen Band. Wo Black Metal aufhört und NSBM anfängt ist ja nicht selten ein Streitthema. Ich habe nicht vor rechte Bands in irgendeiner Weise zu verherrlichen oder herunter zu spielen, jedoch finde ich das ein solches „Meisterwerk“ an seiner musikalischen Größe bemessen werden sollte und nicht nach den privaten Einstellungen seiner Musiker (besonders wenn diese in keiner Weise in die Texte einfließen). Und unpolitische Musik kann schlichtweg nicht aus scheinheiligen Gründen ignoriert werden. Textleich bewegt sich Leichenzug zwischen antichstlichen und an die mächtigen Eisregen erinnernden Splatterlyriken.

Paul
Paul

Ich schreibe das, weil das Album nicht ausschließlich mit Eigenkompositionen sondern auch mit zwei Covern der so gern gehassten bösen Band aus Sondershausen aufwartet. Wer Absurd covert muss in den Augen so mancher Menschen schließlich eine verabscheuungswürdige Meinung vertreten. Letztendlich sind auch hier zwei gänzlich unpolitische Lieder der Thüringer gewählt worden und ich muss sagen, dass Paul´s Interpretationen der Stücke „Asgardsrei“ und „Farben des Herbstes“ in meinen Ohren um Längen besser klingen als die Originale. Letzteres ist eine deutschsprachige Version des Liedes „Colours of Autumn“ und leider nur als Bonus Track zu finden.

Alles in allem ist „Meisterwerk“ eine der in meinen Augen empfehlenswertesten deutschen Schwarzmetallalben der letzten Jahre und über jeden Zweifel erhaben. Großartige Texte und Melodien machen auch die mieseste Produktion wieder wett, und halten dem hochglanz Black Metal der heutigen Zeit entschieden den ausgestreckten Mittelfinger ins Gesicht. Was gibt es da noch groß zu sagen, außer das der Titel des Werkes perfekt gewählt wurde? Bei dieser Scheibe handelt es sich wirklich um ein „Meisterwerk.“

Tobias "Zigeunerjunge" Geers
Tobias "Zigeunerjunge" Geers

Fazit: Ich könnte jetzt weiter mit Lobhudeleien um mich werfen, aber letztendlich habe ich alles gesagt was gesagt werden musste. Bei dieser CD handelt es sich um eins meiner Alltime-Faves, die ich immer wieder auf´s neue hören könnte, und bei der ich es mir nicht verkneifen konnte sie mir zusätzlich auf Vinyl zu besorgen. Wer gefallen an seiner Musik gefunden hat sollte unbedingt auch in den Split mit der Death Metal Band Eviscerated rein gehört haben. Auch „Feuertod“ strotzt vor Hass gepaart mit einer gehörigen Portion Melodie und führt mit „Heldentat (Meisterwerk II)“ sogar die Geschichte dieses Debüts fort. Doch nun genug der vielen Worte – Höchstpunktzahl. Und Kritik an mich (solltet ihr nur den Namen „Absurd“ gelesen haben und ab da nicht weiter) bitte hier in die Comments – danke.





Tracklist von „Meisterwerk“

  1. Einklang
  2. Sklave des Kreuzes
  3. Die Unheilligen
  4. Winterschlacht
  5. Asgardsrei (Absurd Cover)
  6. Kaltes Königreich
  7. Meisterwerk
  8. Seht das Kreuz
  9. Heiliges Trugbild
  10. Tag der Vergeltung
  11. Ausklang
  12. Farben des Herbstes (Absurd Cover / Bonus)

(10/10)
(10/10)

Anspieltips:
> Sklave des Kreuzes
> Kaltes Königreich
> Meisterwerk
> Farben des Herbstes

Erscheinungstermin:
Bereits erschienen

www.myspace.com/leichenzugtodesschwadron

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