Letzte Instanz - Schuldig

Letzte Instanz – Schuldig (Review und Kritik)

Letzte Instanz - Schuldig
Letzte Instanz - Schuldig

Die Letzte Instanz bekennt sich „Schuldig“ (VÖ: 27.02.09) – ein klares Statement und ein Versprechen, zur Rockmusik zurückzukehren. Ob sie ihre Schuld im vorangegangenen Akustikalbum „Das weisse Lied“ sehen, welches balladenbelastet einen eher ruhigeren Stil verkörperte und auch schlechter als die Vorgängeralben bei den Fans ankam, bleibt Spekulation. Fakt ist jedoch, dass Letzte Instanz zu ihrer Schuld stehen und sich mit dem neuen Album revanchieren wollen.

Amazon - Schattenschleier Das am 27. Februar 2009 im Handel erscheinende, achte Studioalbum der 1996 gegründeten Folk-Rock-Musiker umfasst 13 neue Songs, von denen 3 bereits in der Single-Auskopplung „Flucht ins Glück“ (exklusiv im Letzte Instanz-Shop) veröffentlicht wurden. Thematisch passend beginnt die Scheibe mit einem kurzen, instrumentellen Intro „Mea Culpa“, was zu deutsch „Meine Schuld“ bedeutet und sanft den ersten Song „Mein Engel“ fadet. Bereits hier definiert die Band die neue musikalische Richtung des neuen Albums: lang ersehnte E-Gitarrenriffs und energiegelandener Gesang, aber dennoch sanfte Geigenklänge im Hintergrund unterstreichen passend den Text des Stücks, welcher vom gefallenen Engel berichtet.

Daran anschließend folgt die „Flucht ins Glück“, die bereits von der Single bekannt ist und eine harmonische Mischung aus Rockmusik und melodisch-klassischen Streichern darstellt. Auch der Gesang ist, verglichen mit dem vorherigen Song weniger rockig, aber selbstbewusst und vorfreudig. „Heut ist ein großer Tag, wir sind auf der Flucht ins Glück“ – die folgenden zwei Songs „Eisherz“ und „Traumlos“ zeugen weniger vom Hit-Glück, stellen nichtsdestrotrotz zwei grundsolide Werke dar, das erste rockig, das zweite ruhiger. Auffälliger gestaltet ist der Song „Dein Licht“, musikalisch üppig mit Klavier und Streichern untermalt kommt der romantisch-sehnsüchtige Gesang erst voll zur Geltung. „Kein Leben währt ewig, doch dreht sich alles kreisend“ – sowohl textlich als auch musikalisch lassen hier sich Assoziationen zu „Der ewige Kreis“ von „Wir sind Gold“ ziehen.

Echten Ohrwurmcharakter hat „Vollmond“, was warscheinlich an den textlichen Defiziten liegt, insbesondere im Refrain. „Der Mond hat bestimmt, das alles zerrinnt“ – soll diese Personifikation auf vorbestimmtes Schicksal oder auf die Macht der Gezeiten anspielen? – Auch hier wird der Hörer im Unklaren gelassen. Ansonsten ist dieser Song ein vom Rhythmus und musikalischen Umsetzung durchaus gelungen. Der darauffolgende Song, „Feuer“, thematisiert die Überreste einer in der Liebesglut gescheiterten Beziehung. Unterstützt wird dies exzellent durch tiefen, stakkatohaften Gesang und harten Drumms gemischt mit E-Gitarrenklängen. Auch der instrumentale Abschluss des Stückes, welches aus etwa 30 Sekunden Geknüppel mit hoher Streichermelodie besteht, fügt sich wunderbar in das Songkonzept ein – durchaus ein Highlight des Albums.

Im ähnlichen Stil ruft die Letzte Instanz mit „Komm!“ (ebenfalls auf der Single veröffentlicht) zum Feuertanz auf – ein zumindest inhaltlich analoges Stück zum „Veitstanz“ von Subway to Sally. Der wiederum tiefe Gesang weiß zu gefallen, der mitreißende Rhytmus und der knappe, eindringliche Text versprechen eine spannende Live-Umsetzung. Abgerundet wird der Song durch den im Kontrast zum übrigen Song mit ruhigen Streichern und erwartungsvollen, sanften Getrommel unterlegten Einschub in der Mitte des Songs. Ein weiterer, überaus gelungener Hit ist der folgende Song „Finsternis“: Dem Hörer wird eine apokalyptische Stimmung durch den reimbehafteten Gesang sowie der rockigen Gestaltung mit Drumms und schnellen E-Gitarrenriffs vermittelt, jedoch ist das klare Statement des Songs „Seid ihr bereit für ein Leben in der Dunkelheit?“ Die Letzte Instanz meldet sich zurück, überlebt die Apokalypse und klingt rockiger und lebendiger als je zuvor. Das ist der Stil der zum Erfolg führen wird – die Fans auf der Unschulds-Tour werden es bestätigen.

Als krönender Abschluss muss jedoch „Mein Garten“ genannt werden – aufgenommen mit der türkischen Sängerin Aylin Asl?m und daher auch halb in deutscher, halb in türkischer Sprache gesungen. Auch wenn dieser Song als dritter Song des Albums auf der Single bereits erschienen ist, ist er auch musikalisch-textliches Highlight des Albums. Inhaltlich lehnt der Song an den biblischen Sündenfall und Verweis aus dem Garten Eden an, musikalisch wird dies ganz im Letzte Instanz – typischen ruhigen Stil durch Streicher und Drumms untermalt. Der besondere Charme des Songs liegt aber ganz sicher im Gesang, Aylin Asl?ms Stimme mit dem leichten Akzent fügt sich einfach wunderbar ein, auch der türkischsprachige Text klingt herrlich melodisch. Insgesamt entsteht hierdurch eine verträumte, der Wirklichkeit entrückte Stimmung, die den Hörer in ihren Bann zieht und mitreißt. Der Begriff Musik-Orgasmus liegt da nicht fern.


gussi

Fazit: Letzte Instanz haben sich weiterentwickelt und begleichen ihre zweifelhafte Schuld mit diesem Album allemal. Die Rückkehr auf die Rockmusik-Schiene mit neuer Energie klingt sehr überzeugend, aber auch im altbewährten, ruhigeren Stil gestaltete Stücke finden sich auf der Platte wieder. Eine würdige, wenn auch lange nicht ebenbürtige Fortsetzung von „Wir sind Gold“ und durchaus nicht nur Fans zu empfehlen.




Tracklist:

  1. Mea Culpa
  2. Mein Engel
  3. Flucht ins Glück
  4. Eisherz
  5. Traumlos
  6. Dein Licht
  7. Die Eine
  8. Vollmond
  9. Feuer
  10. Mein Leben
  11. Der Garten (feat. Aylin Aslim)
  12. Komm!
  13. Finsternis
  14. Wann

( 7,5 / 10 )
( 7,5 / 10 )

Release:

27.02.2009

Anspieltipps:

Feuer
Der Garten
Finsternis

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