Lifelover – Konkurs (Review und Kritik)

Lifelover - Konkurs

Lifelover – Konkurs (Review und Kritik)

Kaum eine Band hat sich in den letzten Jahren innerhalb kürzester Zeit so überragend hervorgespielt, wie Lifelover. Dementsprechend groß ist die Fanbasis mittlerweile auch geworden. Nach den Ausnahmewerken „Pulver“ und „Erotik“ folgt mit „Konkurs“ das dritte Album und wer gedacht hätte, Lifelover stagnieren jetzt, dem belehrt die Band wahrlich eines besseren.

„Is it cold in here, or is it just me?“

Die ersten Töne sind vertraut, zu vertraut. Sie klingen nach Verzweiflung, Wut und Trauer. Nach der großen Leere in uns, nach Einsamkeit und bitterer Melancholie. Aber gerade, weil sie so vertraut sind, geben sie Geborgenheit und sichern uns davor ab im Alltag als einer von Vielen zu zerfließen und zu vergehen. Liegt es wirklich an uns, dass wir so denken? Kommt die Kälte tatsächlich von uns, oder doch eher von Außen, von unserer tristen, uninteressierten Gesellschaft?

Wieder unheimlich fesselnd, teils verstörend, aber dennoch vollkommen einnehmend ist „Konkurs“ geworden. Irgendwo zwischen katatonen Klangkaskaden und depressivem Schwarzmetall ziehen Lifelover den Hörer tiefer in ihre Welt, in der es keine Freude, sondern nur Einsamkeit gibt. Die wenigen Stellen an denen so etwas wie Gemeinschaftlichkeit durch beispielsweise Volksmusik Samples durchscheint wirken unwirklich und machen den Eindruck hier in den wahren Spiegel der sogenannten Gesellschaft zu blicken.

Lifelover
Lifelover

Konsequenter als zuvor gehen Lifelover zu Werke und zelebrieren eine Stunde lang bedrückende und tiefschwarze Musik. Die neuen Songs sind wesentlich eingängiger geworden, jeder zündet sofort beim ersten Hören. Wesentlich differenzierter produziert wurde das Album, der kalte, abweisende Drumcomputer wurde wieder eingesetzt, passt aber bei Lifelover wie die Rasierklinge ans Handgelenk, da er genau das unterstützt, wofür die Band steht. Sicherlich könnte man einzelne Lieder herausgreifen, wie das todtraurige „Mental central dialog„, das mit vollkommen abgefuckten cleanen Gesang ausgestattete „Cancertid“ oder das jazzige „Stangt p.g.a semester„, was einem schon fast Lounge-Feeling vorspielt. Das Album funktioniert aber am besten an einem Stück gehört.

„Save yourself, remember to look away again“

Sich Lifelover zu entziehen fällt alles andere als leicht. Man möchte die Wege, so abstoßend und schön sie dennoch auch sein mögen, der Musik immer weiter gehen, bis zum bitteren Ende. „Konkurs“ ist nicht dazu da, es einem besser gehen zu lassen. Es ist dem Album gleichgültig, was mit dir passiert. Es steht als Kunstwerk für sich und es liegt am Hörer, wie weit man in seiner Melancholie gehen wird. Verantwortlich bist nur du für dich selbst und niemand anders.


Iskharian
Iskharian

Fazit:

Nicht viele Worte sollen mehr verloren, sondern eine absolute Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Depressive Musik in Perfektion!





Trackliste:

  1. Shallow
  2. Mental central dialog
  3. Brand
  4. Cancertid
  5. Konvulsion
  6. Twitch
  7. Narcotic devotion
  8. Alltid – Aldrig
  9. Stangt p.g.a semester
  10. Original
  11. Bitter reflektion
  12. Mitt annexia
  13. Spiken i kistan
  14. En tyst minut


( 9 / 10)
( 9 / 10)

Anspieltipps:

– Mental central dialog

– Cancertid

– Stangt p.g.a semester

Erscheinungstermin:

10.10.2008

www.lifelover.se

www.myspace.com/lifeloverband


About Iskharian

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  • Zigeunerle

    xD unfassbar – du haust ja ein großartiges Review nach dem anderen raus… klingt sehr interessant 🙂 da muss ich mal reinhören.

  • Ma

    Ein exzellentes Review hast du da geschrieben. Nach diesem Text kann man sich vorstellen, was das Album für Gefühle hinterlässt, was bei all diesen „technischen“ Rezensionen (Gitarren zu leise,…) nicht wirklich der Fall ist.