Liturgy - Aesthetica

Liturgy – Aesthethica (Review und Kritik)

Liturgy - Aesthetica

Nachdem Renihilation wie ein irrer Donnerschlag in das Herz der sogenannten Szene einschlug, scheinen sich die Mannen um Hunter Hunt-Hendrix auf Album Nummer Zwei etwas gemäßigter geben zu wollen. Unter Umständen war das Debut in vielerlei Hinsicht zu krass und man versuchte bei Aesthethica den Gang eher etwas zurückzuschalten, so ließe es sich auch erklären, warum plötzlich schon fast eingängige Songstrukturen zu finden sind. Eingängig natürlich nur im Rahmen des üblichen liturgischen Wahnsinns der New Yorker Krawallmacher.

Die Ambivalenz jedenfalls aus chaotischem Wahnsinn und elegischer Schönheit prägt das Schaffen der Amerikaner nachwievor, diese scheint auch in deren Ideologie fest verankert zu sein, so zieren das minimalistische Cover der Platte zwei punktgespiegelte Kreuze eingerahmt von den goldenen Buchstaben des Platten- und Bandnahmen, einfacher geht es fast nicht. Der Ästhetik der Kreuzform sind ja nicht wenige erlegen, sei es aus religiösen oder politischen Gründen, ich vermute daher, dass Liturgy, denen man durchaus eine gewisse Nähe zu christlichen Werten anmerkt, aus gutem Grund mit diesen Symbolen kokettieren. Musikalisch spiegelt sich dies in allerlei Farben und Materialien nieder, so stellen sich die Songnamen aus Begriffen von Gold über Bronze und Rot über Dinge wie Erde, Glas oder Licht zusammen. So farbenprächtig, so abwechslungsreich zerstört Aesthethica Boxen und Gehör.

Es rumpelt wiederum an allen Ecken und Enden, diesmal jedoch merklich differenzierter, da sich die Band rhythmisch es gemäßigt hat. Wenige arhythmische Blasts, sondern meist zur Musik passendes Geknüppel zermartern das Gehirn, untermalt von tollen Flirre-Riffs wie man sie in der Form bisher kaum zu Gehör bekam. Was auffällt ist, dass Liturgy diesesmal noch eindeutiger Bezug zum Mathcore nehmen, abgehackte Abschnitte basierend auf Schlagzeug und Riffing wie beim sieben minütigen Generation besitzen einen eigenen fast hypnotischen Charme. Das ganze ist weiter davon entfernt als beim Vorgänger wirklich kompliziert zu werden, stets nachvollziehbar bleiben die Amerikaner diesmal. Das zumeist pfeilschnelle Material wird tatsächlich von doomigen Posthardcore-Zitaten unterbrochen, was in Veins of god seinen Höhepunkt findet. So geordnet und nachvollziehbar sind Liturgy nur selten und so tönt der Song im Stonergroove fett produziert aus den Boxen.

Fazit:

Auch Aesthethica benötigt viel Zeit um voll zu zünden, bei den meisten wird die Platte kaum etwas bewirken, doch es wurde einem merklich einfacher gemacht und mit Songs wie Returner und Harmonia haben sich tatsächliche echte Hits eingeschlichen. Gerade Harmonia ist dank genialem Riffing und cleverer Geschwindigkeitsverlagerung ein echter Kracher geworden und vielleicht stellt der Song ja einen Ausblick auf zukünftige Taten dar. Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie sich die Band entwickelt, sie selbst kümmern sich scheinbar einen Dreck darum, was andere von ihnen denken und so bin ich froh, dass es Bands gibt, die den Geist der Musik auch ohne das passende Gehabe repräsentieren können. Auch hier erspare ich mir die Wertung, sie müsste subjektiv gesehen aber sicherlich höher liegen als bei Renihilation.

Trackliste:

  1. High gold
  2. True will
  3. Returner
  4. Generation
  5. Tragic laurel
  6. Sun of light
  7. Helix skull
  8. Glory bronce
  9. Veins of god
  10. Red crown
  11. Glass earth
  12. Harmonia

Erscheinungstermin:

10. Mai 2011

Liturgy Myspace

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