MacBeth - Gotteskrieger

MacBeth – Gotteskrieger (Review und Kritik)

MacBeth - Gotteskrieger
MacBeth - Gotteskrieger

Heavy Metal hatte es in der ehemaligen DDR nicht leicht. Die 1985 gegründeten Erfurter MacBeth mussten sich ob des Druckes der zuständigen Behörden auflösen und durften erst 1987 unter dem neuen Namen Caiman weiter machen. Doch kurze Zeit später vollzog der Sänger der Band Selbstmord und die Band lag bis 1993 auf Eis. Als MacBeth wieder reuniert, endete schließlich auch diese Zeit mit dem Tod des Drummers. Erst 2002 sollte MacBeth das Licht der Welt erneut erblicken und mit Gotteskrieger wird dieser Tage das zweite Album der Band über Massacre Records veröffentlicht.

Ist denn nun die Musik MacBeths so spannend und tragisch, wie man auf Grund der Bandgeschichte vermuten mag? Zum Teil ja, denn was die Erfurter textlich aus dem Hut zaubern ist alles andere als alltäglich. Gotteskrieger vereint Texte rundum der Geschichte der tragischen deutschen Kriege, beispielsweise „Maikäfer flieg“ (aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges), oder „Hunde, wollt ihr ewig leben“ (aus dem gleichnamigen Film, als Anspielung auf ein Zitat Friedrichs des Großen bei der Niederlage Preußens gegen Österreich in der Schlacht bei Kolin). Toll ist es, dass die Texte vollständig auf Deutsch gesungen werden, was mir persönlich sehr gefällt. So sind die Texte intelligent und doch leicht zu verstehen und liefern auch die bittere Ironie, welche schon in den historischen Texten belegt ist. Die Darbietung dieser von Oliver Hippauf erinnert mich dabei etwas an einen heiseren Chris Bolthendahl, wirkt aber angenehm eigenständig und passend zu den martialischen Antikriegstexten.

MacBeth
MacBeth

Auch in Sachen Musik kann MacBeth überzeugen. Der Hauptaugenmerk liegt auf traditionellem Heavy Metal, ohne großen Firlefanz wie Keyboards oder Seitengefrickel, versehen mit griffigen Thrash und stellenweise sägenden Death Metal Riffs. So könnte ein Stück wie „Am Grab“ auch aus der Feder Amon Amarths stammen, wäre da nicht die etwas softere Ausrichtung und der prägende Gesang. Was aber das wichtigste ist, ist, dass MacBeth es schaffen einfach geile Songs zu schreiben, so gefällt „Am Grab“ durch seine groovige Langsamkeit und sein mit Streichern besetztes Ende, „Hunde wollt ihr ewig Leben“ ist treibend und in Verbindung mit dem Text verdammt eingängig. Und das bereits erwähnte „Maikäfer flieg“ stellt quasi einen absoluten Höhepunkt durch den unschuldigen Kindergesang des Refrains dar. Am stärksten ist aber wohl die Adaption der „Das Boot“ Melodie von Klaus Doldinger an der man merkt, dass eine metallisierte Version des Hauptthemas exzellent zusammen passt. Verpackt wurde Gotteskrieger in eine sehr fette Produktion, was dem ganzen die Krone noch aufsetzt.


iskharian3Fazit:

Wiedereinmal bin ich sehr überrascht, hätte ich doch nie gedacht, dass mir Gotteskrieger so zusagen würde. Wenn man mit dem Gesang klar kommt, dürfte es für jeden Fan traditioneller Metal Klänge keinen Grund geben nicht in MacBeth rein zuhören. Tolle Texte, eingängige, ehrliche Musik und eine starke Produktion, was will man mehr?


 

Trackliste:

  1. Unter dem Beil
  2. Hunde, wollt ihr ewig leben?
  3. Das Boot
  4. Golgatha
  5. Vater
  6. Gotteskrieger
  7. Maikäfer flieg
  8. Mein kleiner Soldat
  9. Totentanz
  10. Am Grab

 

( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:


Hunde, wollt ihr ewig leben?, Das Boot, Maikäfer flieg, Am Grab

Erscheinungstermin:

24. Juli 2009

MacBeth Myspace

MacBeth Hoempage

Schaut euch unbedingt die Homepage der Erfurter an, denn dort könnt ihr Einblick in sämtliche Stasiakten erhalten, welche zeigen wie sehr der Heavy Metal der Staatssicherheit ein Dorn im Auge war.

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