Mergel Kratzer - Isotop

Mergel Kratzer – Isotop (Review und Kritik)

Mergel Kratzer - Isotop
Mergel Kratzer - Isotop

Nicht erst seit gestern weiß man: Der Cyber-Electro-Hellectro-Trendzug fährt mit Vollgas auf die Wand zu, gesteuert von Menschen, die vor lauter Kunstblut auf der Schweißerbrille die Wand, auf die sie zusteuern, nicht sehen, was auf dieser Wand draufsteht: Lächerlichkeit. Lächerlich ist es tatsächlich, was viele Bands tun: Agonoize reduzieren ihren musikalischen wie textlichen Gehalt auf „Blut, Sex und Tod“, wie sie es im gleichnamigen Track sogar für die ganz tumben, denen „Koprolalie“ noch zu kompliziert war, formulieren. Achja, wie sich Mergel Kratzer davon abzuheben gedenken? Durch einen größeren EBM-Einfluss. Dass dabei nicht viel mehr herauskommt als normaler Harsh EBM, allerdings nicht wegzudiskutieren. Dabei sind die Ideen gar nicht schlecht: Vom Optischen her nicht – Ich ziehe Mädels in Lack jedem EBM-Proleten vor – und vom musikalischen kann man mit Tyske Ludder und Signal Aout 42 als grobe Orientierung nicht viel falsch machen. Allerdings: Um vollends zu überzeugen, brauchen Mergel Kratzer meiner Meinung nach vor allem eines: Zeit. Gute Ansätze sind vorhanden, die Jungs und Mädels wissen, wie man Synthesizer bedient, die Songs sind für den Clubeinsatz durchaus brauchbar – Nur an dem, was eine Band, die nicht im Einheitsbrei verschwinden will, wirklich braucht, und zwar Individualität, daran mangelt es. Noch.

„The Prisoner“ ist ein superguter Song. Doch an diesem wird das ganze Dilemma, das ich mit dieser Scheibe habe, deutlich: Da ich kein Über-Electrofreak bin, der sich 24/7 EBM gibt, lege ich Wert auf Charakter. Der ist zwar ansatzweise vorhanden, gerade durch den etwas stärkeren EBM-Einfluss, aber die Electro-Dauerkrankheit „Einheitsbrei“ wird leider nicht konsequent umgangen. Hier liegt der Fokus ganz klar auf der Tanzbarkeit, was zwar hübsch gelingt, aber die Details, das Interessante an der Band, kommen etwas zu kurz.

Fenriz

Und so bleibt eigentlich nur das zu sagen, das ich zu vielen Electro-Bands zu sagen habe. Nett, aber nicht herausragend. Im EBM-Sektor sind andere neue Namen, z.B. Autodafeh, weiter vorne, Hellectro ist so gut wie tot, erstickt unter den tausenden Nichtskönnern, die mit Schweißerbrille und Bassdrum auf die 4 Clubhits landen wollen, und das Feld dazwischen ist mit zu großen Namen – eben Tyske Ludder, Signal Aout oder auch die jüngst reformierten X Marks the Pedwalk – besetzt, um wirklich eine langfristige Perspektive zum Überleben zu bieten. Hätte man etwas mehr Fokus auf Individualität gelegt, wäre das Album aber durchaus gelungen, gelungener als es ohnehin schon ist.

Tracklist:

  1. Iso
  2. Get A Taste
  3. Prisoner
  4. Serve the World
  5. Fuglesang
  6. Satisfy
  7. Xina
  8. Abducted
  9. Iso (Syndrome X/209 Remix)
6,5

Anspieltipps:

– Get A Taste
– Prisoner

http://www.mergelkratzer.de/

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