Mono Inc.

Michael Bohnes ruft, das Volk folgt- Castle Rock 17

Das Jahr 2016 hatte bislang keinen guten Verlauf für Musikfans genommen: Großartige Musiker verabschiedeten sich vom Leben und Festivals mussten wetterbedingt abgesagt werden. Auch in NRW tobten in den letzten Wochen Unwetter, die jedes Open- Air- Festival in die Knie gezwungen hätte. Ein wenig Glück wurde benötigt, gutes Wetter beim Wettergott beantragt und… Es wurde genehmigt!

Am Freitag, den 01. Juli 2016 konnte der Burgherr Michael Bohnes die Tore zum Schloß Broich in Mülheim an der Ruhr zum diesjährigen 17. Castle Rock öffnen.

Pünktlich zur ersten Band Schöngeist ließ sich sogar die Sonne mal blicken, was die gute Laune, die Schöngeist verströhmte noch zu verstärken schien. So etwas wie eine typische „Opener- Band“ scheint es im Schloßhof nicht zu geben.

Voodoma
Voodoma

Direkt von Anfang an betraten namenhafte Bands die Bühne und jemanden, der ein wenig spielt um das Publikum anzuheizen und auf die anderen Bands vor zu bereiten benötigt das jährlich einkehrende Volk auch nicht. Die Besucher waren vom ersten Akkord voll dabei und feierten mit. Recht ruhig löste Voodoma Schöngeist ab.

 

Erst ab der Mitte ihrer Spielzeit haben sie das Gaspedal gefunden und dann richtig durch getreten. Anfängliche Zurückhaltung wurde abgelöst von einer raumfüllenden Bühnenshow, bei der es sogar eine kleine Stärkung für die feiernde Menge gab. Als Mönch verkleidet entleerte ein Bandmitglied seinen großen Leinensack nach und nach, in dem er den Inhalt ins Publikum warf. Dabei ließ sich der Mönch nicht lumpen, neben Gummibärchen gab es allerlei Weingummi und sogar ein paar Tüten Chips. Frisch gestärkt war man bereit für die nächste Band. Mit Symphonic Metal von Xandria ging es auch ohne nur einen Moment auf die Bremse zu treten weiter. Leider konnte Schlagzeuger Gerit Lamm nicht am Auftritt teilnehmen. Sein Ersatz machte seinen Job aber sehr gut und sorgen muss man sich auch nicht, da Gerit Lamm seinen Platz demnächst wieder einnehmen wird. Ein Blick auf das Line Up sorgte für Verwirrung, wenn man nicht genau las, sondern nach den ersten zwei Wörtern schon auf die Band schloss. Lord of… Alles klar, Lord of the Lost steht da. Moment mal… Warum standen, oder besser gesagt saßen, da 12(!) Personen auf der Bühne und dann auch noch mit klassischen Instrumenten?

Lord of the Lost Ensemble
Lord of the Lost Ensemble

Ein genauer Blick ins Line Up gab die Antwort. Es war nicht direkt Lord of the Lost auf der Bühne. Die waren erst für den darauf folgenden Tag geplant. Es handelte sich um das Lord of the Lost Ensemble. Akkustisch, klassisch, fast ungeschminkt und im Anzug zeigte sich der Headliner von seiner sanften Seite. Wunderbar emotional überzeugte Sänger Chris Harms mit seinem Ensemble auf ganzer Linie. Es war eine Zeit zum Träumen, Mitsingen und Schmunzeln als Chris Harms uns sagte, dass der aufgekommene Wind ihn lehrte, wozu die farblich angepassten (grünen) Wäscheklammern denn seien und sie demonstrativ an die Notenblätter steckte.

 

Mit etwas Wehmut und Herzschmerz entließ das Lord of the Lost Ensemble das Publikum zur After Show Party oder in voller Vorfreude auf den nächsten Tag nach Hause.

Ein Blick aus dem Fenster und es sah nicht so gut aus. Dicke Wolken hingen am Himmel. Lieber den Regenschirm mit eingepackt und gehofft, dass man ihn nicht benötigen würde. Doch leider fielen die ersten Regentropfen fast zeitgleich mit dem Beginn der ersten Band des Tages: Eigensinn. Wirklich wahrgenommen hatte man den Regen allerdings nicht. Die nicht ganz jugendfreie Bühnenshow von Eigensinn lenkte da ganz gut ab. Ein angedeuteter Blowjob und eine wild geschwungene Peitsche fesselten das Interesse des Publikums. Zum Glück waren noch nicht so viele Kinder eingetroffen, so kamen die Eltern wenigstens nicht in Bedrängnis erklären zu müssen, was denn eine „Lustdame“ sei, die leider an dem Tag abgesprungen war.

Eigensinn
Eigensinn

Die Band suchte Ersatz unter den Zuschauern. Züchtigen lassen wollte sich das Publikum nicht, dessen Interesse doch stärker dem Tanzen zu sprach. Die dazu passenden Beats lieferte Still Patient?, die anfangs mit starken Regen konkurieren mussten und diesen Wettstreik eindeutig gewannen. Der Regen gab auf und zog sich gegen Mitte des Auftrittes zurück, so dass die Stimmung noch mals anstieg. Mit dem Sound eines landenden Hubschraubers kündigte sich Stoneman an. Sänger Mikki Chixx wollte die Besucher mit einigen Sätzen begrüßen, aber leider war sein Mikro nicht eingeschaltet. Auch hatte man das Gefühl, dass während des ersten Liedes „Liebeslied“, immer wenn die weibliche Stimme zu hören war, auf der Bühne ein imaginärer Pausebutton gedrückt wurde, denn in allen restlichen Passagen des Songs war die Bühnenshow perfekt abgestimmt. Nichts desto Trotz machten sie ihren Job gut, das Publikum hatte Spaß. Die gute Stimmung, die bisher herrschte, war aber noch zu toppen. Das bewies uns Darkhaus, denn sie rocken den Burghof vom ersten bis zum letzten Akkord. Eine dunkle Wolke sorgte dafür, dass bei Darkhaus zum ersten Mal die Lichtshow wirklich zur Geltung kam. Von der Ferne hätte man denken können, man sehe doppelt. Sänger Ken Hanlon und Gitarrist Rupert Keplinger sahen sich zum verwechseln ähnlich. Abgelöst wurde Darkhaus von Janus. Während der Soundcheck noch zum Mitsingen alter Klassiker wie „Biene Maja“ und „We will rock you“ anregte und die ausgelassene Stimmung förderte, wurden die Gefühle während des Auftrittes doch tiefsinniger, melancholischer. Die Band lieferte einen soliden Auftritt vor etwa zwei drittel der eigentlichen Besucherzahl ab. Für einen guten Teil des Publikums war es leider einfach die falsche Musik für deren momentane Stimmung. So wurde kurzerhand die Gelegenheit genutzt und im Schloßgarten entspannt. Schließlich musste Kraft gesammelt werden für (dieses mal wirklich) Lord of the Lost (ohne Ensemble). „Was gestern war… Blümchensex ist nett, aber heute wird´s wieder hart!“

Lord of the Lost
Lord of the Lost

sagte Chris Harms zur Begrüßung. Mit mächtig Wums im Gepäck und Schuhcreme im Gesicht katapultierten sie die (wieder vollzähligen) Besucher zurück in die ausgelassene Partystimmung, die man schon von Darkhaus kannte. Zwei aufeinander folgende Tage, bis auf ein Wort im Namen identische Band und doch zwei vollkommen verschiedene Auftritte. Am Freitag Herzschmerz, am Samstag „Backstreets Back“. Mit dem Volke zu Schloß Broich kann man es ja machen, sie feiern auch zu einer härteren Neuauflage eines alten Boybandhits. Als ob jetzt nicht schon der Muskelkater vorprogrammiert gewesen wäre, folgte auch noch Mono Inc. und machte das Festival endgültig unvergesslich. Besonders schön war der Ausflug von Sänger Martin Engler ins Publikum. Er stattete während des Songs „Gothic Queen“ der erhöhten Tribüne für Rollstuhlfahrer einen Besuch ab und machte Selfies mit ihnen und den Kindern, die dort standen um einen guten Ausblick auf die Bühne zu haben. Solche Momente machen die Festivals im Schloß Broich immer zu etwas ganz Besonderen. Wo sonst haben Bands die Möglichkeit so nah am Publikum zu sein und können dennoch den Song einfach weiter performen?

Viel zu schnell nahm auch dieser Auftritt sein Ende und es war Feierabend. Zurück bleiben einige wunderschöne Erinnerungen und die Vorfreude auf nächstes Jahr. Haltet euch schon mal den 30.06. und 01.07.2017 frei, denn da geht es in eine neue Runde.

Es bleibt nur noch eins zu sagen: Vielen Dank an Michael Bohnes und alle Beteiligten, die das Jahr um Jahr ermöglichen. Es war eine Freude daran teilnehmen zu dürfen!

Mono Inc.
Mono Inc.

About Ophelya

Mich kurz zu beschreiben ist nicht möglich, obwohl... vielleicht doch. Vielfältig wäre ein guter Anfang. So breit gefächert wie mein Musikgeschmack ist, so umfangreich sind auch die Stile, die sich in meinem Kleiderschrank befinden. Dies spiegelt sich ebenfalls in meinen Hobbies wieder: vom Sport zum Schreiben, über das Spiel mit dem Feuer bis hin zum Stricken ist alles dabei. Aber Allem vorweg steht mein größtes Heiligtum: Die Welt der Bücher!

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