Nargaroth - Jahreszeiten

Nargaroth – Jahreszeiten (Review und Kritik)

Nargaroth - Jahreszeiten
Nargaroth - Jahreszeiten

Was wären wir für ein Szene- und Lifestyle Magazin, wenn wir uns nicht auch einmal mit einer „Band“ auseinandersetzen würden, die von vielen verhasst oder eben auch vergöttert wird. Rene (mittlerweile) „AshWagner hat sich nicht nur mit Musik, sondern eben auch mit diversen Geschichten und Unwahrheiten einen Namen gemacht, was ihm von vielen Szenewächtern bis heute angekreidet wird. So wird wohl kein Review völlig objektiv an Nargaroth herangehen können, doch, dass Nargaroth viele Fans besitzt, ist wohl der Verdienst seiner Musik, die sich auf Alben wie „Herbstleyd“ (unerreicht!) und „Geliebte des Regens“ eher episch ausbreitet oder eben auf dem Klassiker „Black Metal ist Krieg“ oder „Semper fidelis“ in derben Hasstiraden manifestiert. Nun darf man Nargaroths sechste offizielle Full-Length Platte begutachten und wird viele Aha-Momente erleben, aber auch bei offenem Mund ins Staunen geraten…

…denn Jahreszeiten ist anders. Klar, es verbindet die vielen Trademarks, die die Musik Nargaroths schon immer ausmachten, doch wird man viel ungewöhnliches vorfinden, was einem als Black Metal Fan erstmal fragen lässt, ob man da auch tatsächlich noch Black (!) Metal hört. Was einem gleich als erstes auffällt ist der richtig starke Sound, das Drumming war noch nie so krachend, Riffs und Soli (!) sind technisch gut, werden nicht so oft wiederholt, wie man es bei manchen Stücken gewohnt ist, vor allem hat man das Gefühl aus den vier Stücken (plus gesprochenen Prolog) wahre Lebensfreude herauszuhören, was zunächst etwas irritiert, doch mit jedem Hören immer schlüssiger wird. Verdammt, ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich „Frühling“ das erste Mal hörte. Diese Melodie ist ja sowas von wahnwitzig, klingt nach Oktoberfest, ist irgendwie so rein gar nicht finster und fies, wie man es erwartet hätte. Nein, Ash möchte wohl beweisen, dass er mit dem Begriff Black Metal endgültig abgeschlossen hat und seinen eigenen Stil, den er eh schon immer hatte, nun noch weiter ausgebaut hat. Trommeltechnisch setzen Nargaroth zwischendurch auf Melechesh-Beats, was den überlangen Stücken massiv Abwechslung gibt. Auch so hat es Ash endlich geschafft, mal wirklich mehrfache Riffs in seine Stücke nterzubringen, er schreibt endlich wieder Musik und keine Mammut-Einriff-bis-zur-Vergasung-breit-tret-Stücke.

Nargaroth
Nargaroth

Der „Sommer“ steht dem in nichts nach, fuck, wann hat man Nargaroth so entfesselt aufspielen hören, als im schnellen Doublebass Teil? Ash wirft mit Gänsehaut-Riffs um sich, dass es nur eine wahre Freude ist. Vor allem das Ende von „Sommer“ lässt einem die Tränen in die Augen steigen und man fragt sich immer wieder, was denn mit ihm nur los ist? Depressiv wird es dann im Herbst, hier kehrt der Regen, die Wölfe, der Sturm und die Raben aus „Herbstleyd“ zurück. Nach 11 Minuten trister Langsamkeit, welche in höchster atmosphärischer Präzision auf den Punkt gebracht wird, nimmt das Stück Fahrt auf und führt einem wieder einmal vor, dass Nargaroth es einfach drauf haben grandiose, wehmütige Riffs zu zaubern. Ein weiterer Fall vom Stuhl für mich war der Zeitpunkt, als Ash anfing clean zu singen, völlig unerwartet und das sogar richtig gut. Diese „Einsame Wolf“-Atmosphäre des Albums wird durch seine Stimme nur noch verstärkt, dazu ein typisches Nargaroth-Riff aus „Amarok – Zorn des Lammes III„-Zeiten und der 22 minütige Herbst erfährt ein folkloristisch anmutendes Ende.

Das letzte Kapitel „Winter“ fegt schließlich wie ein Schneesturm über einen hinweg, ist vielleicht bisher vom Gitarrenspiel das einfallsloseste, da man das Anfangsriff schon lang und breit bei anderen Bands hören durfte. Die Knüppelpassagen machen leider nicht so viele Punkte, wie die epischen Stück zuvor, doch kaum wird Double-Bass und ein bisschen eigene Band-Vergangenheit wieder ausgepackt, macht auch der Winter wieder Spaß. Ungewöhnlich hier das Heavy Metal-Gitarrensolo, aber insgesamt kann der Winter (von dem ich mir am meisten versprochen habe) nicht ganz an das vorherige Material anknüpfen.

Ob Ash es denn nun geschafft hat die vier Jahreszeiten passend zu vertonen bleibt nun die Frage. Es ist sicherlich musikalisch nachzuvollziehen, textlich auf sehr persönlichen Bahnen, die sich wohl zum Großteil mit der Autobiographie seiner selbst befassen. Ob man Ash nun sympathischer finden soll, wird sich nicht wirklich klären lassen, denn so gerne er auch aneckt, mit „Jahreszeiten“ schafft er es auch ein weiteres mal vielen vor den Kopf zu stoßen.


iskharian3Fazit:

Was bleibt ist ein Stunde Nargaroth, zum einen wie man es kennt, zum anderen mit teilweise krassen Ideen, die dem gemeinen Black Metaller sicher sauer aufstoßen werden, aber Gott, Ash hat eh nichts mehr zu verlieren und man hat das Gefühl er befreit sich mit dieser Platte selbst vom Druck ein Black Metal Album machen zu müssen. Wer ihn hasst, wird ihn noch mehr hassen, wer Nargaroth liebt, wird mit „Jahreszeiten“ ein starkes Album vorfinden, welches endlich wieder solche Momente besitzt, die man so sehnsüchtig erwartet hat. Zweifler sollten aber vorher doch einmal reinhören, denn gerade der „Frühling“ spaltet die Meinungen nicht nur der Redaktion.


Trackliste:

  1. Prolog
  2. Frühling
  3. Sommer
  4. Herbst
  5. Winter

 

( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:


Sommer, Herbst

Erscheinungstermin:

12. September 2009

Nargaroth Homepage

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