Nargaroth - Spectral Visions Of Mental Warfare
Nargaroth - Spectral Visions Of Mental Warfare

Nargaroth – Spectral Visions of Mental Warfare (Review und Kritik)

Nargaroth - Spectral Visions Of Mental Warfare
Nargaroth - Spectral Visions Of Mental Warfare

„Spectral Visions of Mental Warfare“ – endlich wieder mal ein Album dessen Titel scheinbar durch einen „Black Metal Song-Generator“ entstanden ist und der auf dem ersten Blick keinen nachvollziehbaren Sinn macht. Der früher unter dem Pseudonym „Kanwulf“ bekannte René Wagner von Nargaroth nennt sich heute Ash, aber trainiert keine Pokémon sondern nimmt neuerdings Burzum-Tribute Platten auf. Sollte man zumindest denken wenn man das neueste Werk des Sachsen mit dem obskuren Titel zu hören bekommt. Wer also eigenständige Meisterwerke des deutschen Schwarzmetalls, wie sein letztes Album „Jahreszeiten“ erwartet spart sich das Lesen der folgenden Rezension evtl. lieber und widmet sich wieder seinen alten Werken, die noch nicht (fast ausschließlich) auf Ambient-Klänge aufgebaut waren.

Wir alle erinnern uns an Ash? Der Mann der entweder als Inbegriff des deutschen Black Metal oder als Varg Vikernes kopierende Lachnummer gilt? Mit „Spectral Visions of Mental Warfare“ dürfte er endlich den Vogel diesbezüglich abgeschlossen haben. Der Count ist frei und haut ein 90er Jahre TNBM-Überbleibsel nach dem anderen raus, da scheint sich Ash zu denken es ist Zeit der „Szene“ den Rücken zu kehren. Sein großes Vorbild hatte es nach seiner Inhaftierung vorgemacht.

Ash
Ash

Und so veröffentlicht auch das sächsische Pendant mit seinem siebten Streich ein Album mit dem wohl niemand so recht gerechnet hätte. Besonders nicht nachdem nur zwei Jahre zuvor mit „Jahreszeiten“ ein neuer Meilenstein der Bandgeschichte abgeliefert wurde. Bei Nargaroth konnte ich mir seit „Herbstleyd“ trotz aller Skandale um den Musiker sicher sein erstklassigen Black Metal abgeliefert zu bekommen. Sei es bodenständig und brutal oder melodiös und leicht depressiv wie auf der Rasluka II.

So war die Erwartungshaltung an sein neuestes Werk natürlich groß – und das tatsächliche Ergebnis mehr als ernüchternd. Auf der kompletten Scheibe finden sich ganze drei Stücke die man überhaupt weitestgehend Black Metal nennen kann, und die auch die einzigen sind die über Gesang und Texte verfügen. Der Rest ist eine einzige Orgie aus ruhigem, melancholischen Synthieklängen, die wie im Opener „Odin’s Weeping for Jördh“ gelgentlich von Samples „gewürzt“ werden. Beim ersten Anspielen der Platte hielt ich eben jenes Stück noch für ein recht stimmungsvolles Intro. Man wartet also, und wartet… und wartet. Und kann selbst nach knapp 7 Minuten Spielzeit noch nicht so recht begreifen dass dieser Mix aus elektronischen Klängen und Rabengekrächze tatsächlich schon ein kompletter Song war. Es folgt ein kurzer Hoffnungsschimmer mit dem ruhigen „An Indifferent Cold in the Womb of Eve“ dass sowohl über typischen Gesang als auch über rauschenden Gitarrenklang verfügt. Nichtsdestotrotz ist auch dieses Stück sehr Keyboard-dominiert, und der Eindruck dass hier Songs wie Burzum´s „Dunkelheit“ als erkennbar großer Einfluss herhalten mussten, drängt sich ebenfalls auf.

So weit so schlecht – doch ab jetzt ist ganz Schicht im Schacht. Bis zum nächsten Metal-Stück „A Whisper Underneath the Bark of Old Trees“ bekommt man erst einmal 17:30 Minuten lang die volle Synthieladung. Bei der längsten Tortur „Journey Through my Cosmic Cells (The Negation of God)“ bekommt man dabei zwischenzeitlich das Gefühl in einer Techno-Disco zu stehen und ich erwische mich mehr als einmal die Skip-Taste beinahe zu drücken. Den Impuls unterdrückt und weiter gelauscht ist es endlich soweit – das was man von René „Ash“ Wagner hören möchte und das was er beherrscht – neben dem schon erwähnten Song finden sich mit dem Titelsong „Spectral Visions of Mental Warfare“ ganze zwei Stücke makellosen Black Metals. So wie man ihn von ihm gewohnt ist ist – emotional, mit wunderbaren Riffs und so gar nicht von Varg abgekupfert. Warum ging das nicht über die komplette Albenlänge? Wenn ein Ambient-Album, warum unter dem Banner einer neuen Nargaroth-Scheibe? Die Synthie-Stücke mögen (teilweise) zum entspannen bei der richtigen Atmosphäre und der nötigen Grundstimmung ganz brauchbar sein, aber ein wirklich gutes Gefühl hier Nargaroth zu hören will sich erst bei den zwei hinteren Metal-Stücken einstellen. Eigentlich hätte Ash sich denken können, dass der Kram nicht gut ankommt – bei Burzum mochte das auch niemand.

Fazit: Klingt dieses Review jetzt sehr negativ? Sollte es nämlich nicht einmal – nur maßlos enttäuscht. Vom großen Namen Nargaroth erwarte ich etwas. Ich erwarte Black Metal – und zwar so großartigen wie man ihn hier in ganzen zwei Stücken geboten bekommt. Dass zumindest auch die „Odins weeping…“ Stücke überzeugen können, steht an dieser Stelle nicht zur Debatte. Sie hätten als In- und Outro super funktioniert – aber wie gesagt: Hier bin ich engstirnig. Ich bin sicher nicht der einzige der sehnsüchtig auf etwas neues von Ash gewartet hat und nun nach Abzug all der elektronischen Klänge auf der neuen Scheibe gerade noch eine EP-länge an guter Musik bekommt. Die Bonustracks, die sich noch auf den ganzen fünf (!) Sonder-Editionen des Albums finden, habe ich jetzt einfach mal außen vor gelassen – dabei dürfte es sich um ähnliche Töne handeln.

Dennis "Bieberpelz" KnollSpeck-Taler im Durchfall: War die Euphorie über ein neues Nargaroth Werk groß – so war die Enttäuschung danach größer. Wo man auf anderen Werken Black Metal in vielen Facetten erlebt hat, erlebt man hier große Ernüchterung und der Funke blieb lange versteckt. Wissen die Melodie-Strukturen im allgemeinen ganz gut zu harmonieren – der Song „A Whisper Underneath the Bark of Old Trees“ sogar gänzlich zu überzeugen – plätschert der Rest leider nur nebenher und die Aufmerksamkeit des Hörers verschwindet schnell. Ich selber habe mich dann näher mit dem Booklet befasst, mir die Stelle aus dem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von 1931 angeschaut, und das ganze noch etwas wirken lassen. Mit der Zeit gewinnt auch dieses Werk seine positiven Seiten, hat gewissen Charme … aber auf ganzer Länge weiß es nicht zu überzeugen. Wenn man aber etwas zum nebenbei hören haben möchte – dafür ist dieses Album wirklich gut geeignet. Hat mich das ganze Werk auch nicht überzeugt – so bin ich doch froh mit „A Whisper Underneath the Bark of Old Trees“ ein sehr ergreifendes Stück Musik erleben zu dürfen. Bei mir wären es gerade noch 7 von 10 möglichen Punkten. Die Songs die lediglich auf der LP Version zu finden sind sind aber absolut unnötig.

Titelliste von „Spectral Visions of Mental Warfare“

  1. Odin’s Weeping for Jördh
  2. An Indifferent Cold in the Womb of Eve
  3. Diving Among the Daughters of the Sea
  4. Odin’s Weeping for Jördh – Part II
  5. Journey Through my Cosmic Cells (The Negation of God)
  6. A Whisper Underneath the Bark of Old Trees
  7. Spectral Visions of Mental Warfare
  8. March of the Tyrants

(5,5/10)
(5,5/10)

Anspieltips:
> Odin’s Weeping for Jördh (Ambient)
> A Whisper Underneath the Bark of Old Trees (Black Metal)

Erscheinungstermin:
26.03.2011

http://www.nargaroth.de/

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