Funeral For The Sane

Necrovorous – Funeral For The Sane (Review & Kritik)

Funeral For The Sane

Als ich auf der Bandpage von Necrovorous die Pseudonyme  der Bandmitglieder (A. Devilpig, Grave Defiler, Soul Extractor, Shiteater) las, musste ich einerseits über die schrecklich klischeehafte Namenswahl der Herren schmunzeln und andererseits hatte ich Angst, dass „Funeral For The Sane“ eins dieser ekligen Trash-Death-billig-klischeeflut Alben ist. Dass meine Ängste unbegründet waren, kann ich schon einmal vorweg nehmen.

10 Tracks zählt das Debütalbum der Griechen, das Intro, gruselfilmhaft, mit Orchester, Orgel des Grauens à la Davy Jones und Geisterchor, erzeugt eben jenes „gleich-passiert-etwas“-Gefühl, das die Spannung auf das kommende, das Album, steigern soll.

Track Nummer zwei, „Succubus Dormitory“, fällt vor allem durch die starke Präsenz des Schlagzeugs auf, auf welchem meist die gleichen Beats gespielt werden. Der Gesang ist düster, ein wenig zu sehr in den Hintergrund gedrängt, erinnert stimmlich teilweise vielleicht ein wenig an Johann Hegg in jungen Jahren, aber auch irgendwie an die Anfänge des amerikanischen Death-Metal in den achtzigern.„Flesh That Smiles“ überzeugt nun das Album komplett zu hören. Der Gesang tritt deutlicher hervor, die Gitarren sind präsenter und drängen das Schlagzeug in den Hintergrund, ohne das es gänzlich verschwindet und so immer noch seinen eigenen Part zum Track beiträgt. Was auffällt ist, dass das Tempo mehrmals gewechselt wird, was dazu führt das dem Track die drohende Eintönigkeit genommen wird.
Auch „The Vilest of Dreams“ walzt ähnlich wie die anderen Tracks, gleich schwerer Maschinerie, los und stößt dabei reichlich düsteren, bedrückend schweren Dampf aus, passend zur eher melancholischen Grundstimmung des Songs. Zumindest bis das Tempo erneut stark erhöht wird, der Track endlich etwas aggressiver klingt und schließlich durch Keyboardparts an Düsternis gewinnt.
„Deathknells“
fällt vor allem durch die zahlreichen Wechsel in der Spielgeschwindigkeit auf. Aber auch das Schlagzeug klingt endlich mal anders, ja es gibt sogar ein Gitarrensoli, auch wenn dieses eher flach ist. Der Gesang ist deutlich zu schwach, unter anderem deshalb ist „Deathknells“ einer der schlechtesten Songs der Platte.
Der inzwischen sechste Track „Mind Lacerations“ ist als langsam kriechende Klangkreatur zu beschreiben. Der Gesang ist tiefer als in den anderen Tracks, erzeugt ein Gefühl der Beklommenheit. Doch dann wird erneut plötzlich die Geschwindigkeit von null auf hundert gesteigert, ein kompletter Kontrast zum Anfang des Tracks. Doch dieser Geschwindigkeitshöhepunkt ist eher kurzlebig und schnell wird eben jener Highspeed durch eine hoch kreischende Gitarre ersetzt.
Mit „Malignant Entrapment“ folgt nun ein absoluter Anspieltipp. Hinter dem Track steht endlich wieder mehr Druck, es ist keine melancholisch düster-depressive Klangfarbe mehr vorhanden, sondern nur noch brutale Aggression, so wie man es von einer Band erwartet, die sich dem Stile des US-Death Metal verschrieben hat. Auch die Drums zeigen sich endlich von ihrer Schokoladenseite, klingen völlig untypisch, schneller, aggressiver, positiv präsent. Der Song ist allgemein abwechslungsreich und fällt völlig aus dem bisherigen Schemata der CD. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass sich „Malignant Entrapment“ Live gut zur Publikumsbegeisterung eignet.

Necrovorous

„Spawn of Self Abhorrence“ wird sich aufgrund des erhöhten Tempos ebenfalls gut für Performances eignen. Hinzu kommt, dass Drums und Gitarre nicht typisch nach Necrovorous klingen, in ihren Klangfarben etwas variieren. Der Gesang ist stärker, dennoch gibt es kaum musikalische Kontrast. „Spawn of Self Abhorrence“ ist daher eher easy listening, aber sicher gut zum bängen geeignet.
„Funeral For The Sane“
fängt nun vor allem mit dem Anfang den Zuhörer ein, zeigt sich zunächst positiv, da der Gesang im Vordergrund steht und in der Instrumentalbegleitung nicht untergeht. Nur leider sind da wieder diese nervigen, immer gleich klingenden Drums und der sporadische unvermittelte Tempowechsel, der beim inzwischen neunten Track doch geringfügig nervt. Aber nur geringfügig…
Beim letzten Track, „Dwellers Of My Flesh“, geben die Gitarren dann endlich mal her, was sie zu geben haben. Ein ordentliches Soli. Ansonsten zeigen sie sich auch einmal mit den Riffs abwechslungsreicher. Auch die kurze Zwischenfrequenz, die wie ein Rückgriff auf „Sanity‘s Fall“ wirkt, trägt zur Erhebung des Songs zum Anspieltipp bei.

Fazit:

Nachtfalter

Zunächst kann ich wiederholen, dass meine Ängste vor trashigem billig Death-Gekloppe nicht bestätigt wurden. Necrovorous klingen eher old school, klingen nach der ursprünglichen Art des Death-Metal, der sich in den achtzigern im Süden der Staaten entwickelte. Dabei klingen sie jedoch nicht veraltet oder gar antik, aber eben auch nicht so wie Death Metal heute klingen kann (z.B. Kataklysm). Necrovorous sind eine Hybriderscheinung aus alt und neu. Was jedoch stark zu bemängeln ist, ist die Tatsache, dass „Funeral For The Sane“ musikalische nur wenig Abwechslung bietet. Denn für eine Band, die mit zwei Gitarren gesegnet ist, kommt von deren Seite zu wenig, denn gibt es doch mal ein Gitarrensoli, wird auf beiden Instrumenten das gleiche gespielt. Auch das Schlagzeug bricht nur selten aus dem eigenen Klangmuster heraus.
Gesamt gesehen kann man durchaus sagen, dass das Album zu hören ist, jedoch nicht zu oft hintereinander, da man sonst Gefahr läuft sich zu langweilen.
Es ist wirklich schade, dass das Debütalbum der Band derartig eintönig klingt. Natürlich ist es möglich, dass die Band vielleicht erst keine Klangexperimente wagen möchte und einen eigenen Sound etablieren möchte. Zu hoffen ist dann aber, dass dieser Sound im Stile von „Malignant Entrapment“ oder „Dwellers Of My Flesh“ ist.

Tracklist:

  1. Sanity’s Fall
  2. Succubus Dormitory
  3. The Flesh That Smilies
  4. The Vilest Of All Dreams
  5. Deathknells
  6. Mind Lacerations
  7. Malignant Entrapment
  8. Spawn Of Self Abhorrence
  9. Funeral For The Sane
  10. Dwellers Of My Flesh

5,5/10

Veröffentlichung: Bereits erschienen

Anspieltipps: Malignant Entrapment, Dwellers Of My Flesh

My Space

About Nachtfalter

Ich liebe Kreativität jeder Art, Musik, Zeichnen, Schreiben etc.

Check Also

Stone Sour besser denn je: Hydrograd

Vor 25 Jahren hat Slipknot Frontmann Corey Taylor Stone Sour gegründet. Auch wenn es eine …