Neuropa - Plastique People (Albumcover)

Neuropa – Plastique People (Review und Kritik)

Neuropa - Plastique People (Albumcover)

Neuropa sind ein Synthiepopduo aus Australien, das schon seit 1997 besteht. Plastique People ist das sechste Studioalbum von Albert Martinez und Jason Last. Sie verbinden auf diesem Album Elemente des klassischen Synthiepop mit neueren Elektroelementen, und das Endprodukt dieser Mischung soll im Folgenden rezensiert werden.

„Plastique People“, der Opener, erinnert sehr stark an die Musik der Genre-Kollegen von Welle:Erdball: Wir haben tüpfelnde Keyboards, etwas höheren Männergesang, verzerrte Keyboard Fill-Ins und einen gleichbleibenden Beat.
Das Stück gibt bereits Aufschluss über den textlichen Inhalt, und dieses Phänomen zieht sich durch das ganze Album, welches schon an den Titeln die Gesellschaftskritik offenlegt, die die Künstler hier äußern wollen.

Der zweite Song, „Renaissance“, hat einen langsameren Rhythmus als das erste Stück, ist aber von der Melodie her genau so fröhlich wie der Song davor und auch die Stilmittel bleiben gleich.

Bei „Das Beat Industrialle“  wird der Beat schneller und wir haben hier zwischendurch auch mal E-Gitarren-Sound. „Fashion War“  ist schon ein bisschen weniger fröhlich und enthält wesentlich mehr Moll-Akkorde und „Concrete Fields“  ist schon ein sehr seichter Song.

Der nächste Track heißt „Modern Talking“ – Nein, keine Angst, dieser Song ist nicht Dieter und Andy gewidmet, sondern beschäftigt sich inhaltlich eher mit den belanglosen Lästereien und dem Smalltalk, wodurch heute gern mal sinnvolle, tiefgängige Gespräche ersetzt werden – hm, unbewusst vielleicht doch eine Anspielung auf Dieter Bohlen, wer weiß… . Spaß beiseite, musikalisch wird es hier auch etwas abwechslungsreicher, da ein paar modernere Elektro-Elemente eingebaut werden.

Dann kommt ein Teil, bei dem man sich fragt, warum ein Album denn unbedingt 13 Tracks enthalten muss, wenn manche davon offensichtliche Lückenfüller sind.

Neuropa - Synthiepop aus Australien

„Darkness Remains“ und „Chromakey“  sind einfach nur lahm und die Aussage der Texte hätte man auch in den anderen Songs noch unterbringen können.

Nach dieser lahmen Phase geht es wieder interessanter weiter. „Save Us“ hat zwar auch nicht gerade einen Beat, der einen auf die Tanzfläche reißt, aber dafür ist das Stück kompositorisch ganz interessant, da die Keyboards hier anscheinend zwei völlig verschiedene Melodien spielen, die eigentlich gar nicht zusammen passen können (weil die eine in Moll und die andere in Dur gehalten wird), es aber trotzdem irgendwie tun.

Mit  „Nothing Like You“ folgt dann ein verhältnismäßiger Kracher: Der Song wirkt durch den fast durchgängig eingesetzten E-Gitarren-Sound und die etwas rauere Gesangsstimme schon ein bisschen rockig. Der Beat bleibt aber im gewohnten Stil und auch die Klangfarben des Keyboards lassen den Zuhörer nicht vergessen, in welchem Genre wir uns gerade bewegen.

Bei „The Futurist“ denkt man sich: „Schön, dass ihr euch für jeden Song ein anderes Intro ausdenkt, aber ihr könntet es auch einmal mit einem anderen Beat probieren. Auf Dauer wird es doch etwas eintönig, da vieles gleich klingt.“

Am Ende des Albums wird dann dieser Wunsch nach Abwechslung doch noch bedient:  „You Feel The Same“ erinnert an die Technobeats der 90er, wenn auch in wesentlich weicherer Variante, und hebt sich somit ein wenig von den meisten anderen Songs auf diesem Album ab. Dieses Stück könnte man bedenkenlos auf einer Elektroparty spielen, ohne die Gäste damit von der Tanzfläche zu vergraulen.

„In The Silence“ ist eine gute Auswahl für den Abschlusssong des Albums: Die Klangfarben erinnern an die von „Plastique People“ und die Melodie ist auch ein bisschen weniger fröhlich als die meisten anderen Songs. Die Melodie ist schwungvoll, der Beat fällt ein bisschen aus der Reihe, ist aber dennoch getragen. Auf jeden Fall eines der interessanteren Stücke.

Fazit:

Die für den Synthiepop typischen seichten und gut tanzbaren Beats sind in allen Stücken vertreten und die Keyboards werden meist gekonnt für das Setzen musikalischer Akzente eingesetzt.
Wer Welle:Erdball und Vergleichbares mag, wird auch mit Neuropa etwas anfangen können.

Die Musik bleibt stilistisch ziemlich ähnlich: Durchgängige Beats, meist in einem ähnlichen Tempo, Keyboardspuren, die den Klangteppich bilden werden von tüpfelnden Keyboard-Fill-Ins ausgeschmückt, der männliche Gesang ist clean, weich und auch relativ hoch, wenn man ihn z. B. mit Depeche Mode vergleicht.

Man sollte sich hier jedoch nicht allzu stark auf die Komposition einschießen. Die ist nicht schlecht, aber natürlich auch kein Meisterwerk des musikalischen Anspruchs. Das hätte im Synthiepop auch schlichtweg keinen Platz. Neuropa legen dafür viel Wert auf die Texte, die nicht 08/15 hin geklatscht sind, sondern sich kritisch mit der Oberflächlichkeit der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Der Stumpfsinn und der Fokus auf Konsum, der einem von den Medien vorgegeben wird, werden hier u. a. thematisiert.
Dennoch kann man auch von Synthiepop ein bisschen mehr musikalische Abwechslung verlangen, andere Vertreter des Genres kriegen das schließlich auch hin. Die Texte können das allerdings ein wenig aufwerten, daher 7 von 10 Punkten.

Tracklist:
01. Plastique People
02. Renaissance
03. Das Beat Industrialle
04. Fashion War
05. Concrete Fields
06. Modern Talking
07. Darkness Remains
08. Chromakey
09. Save Us
10. Nothing Like You
11. The Futurist
12. You Feel The Same
13. In The Silence
Bonustracks:
14. Darkness Remains (Biosphere Mix)
15. Modern Talking (Extended mix)
16. Save Us (Infernal Mix)

(7 von 10)

Anspieltipps:
Plastique People, Nothing Like You, In The Silence

Erscheinungsdatum:
Bereits erschienen

Links:
Offizielle Homepage

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Alter: 28 Beruf: Übersetzerin (freiberuflich) Lieblingmusik: Metal (Death, Dark, Black, Thrash, Symphonic, Gothic) Hobbys: Musik, Sport, Schreiben, Kunst, Kochen

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