Oswald Henke – Ich habe mir die Liebe abgewöhnt und bin doch weiter süchtig (Review und Buchkritik)

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Oswald Henke - Langer Titel.

Ja, okay. Ich gebe es ja zu: Die meisten, die sich für Oswald Henkes aktuellstes Buch, ein Sammelsurium aus Liedtexten aus Henkes neuer Band fetisch: MENSCH, Gedichten und der Orkus-Kolumne „Henke Trocken“ interessieren, sind Goethes Erben-Fans. Einen größeren Bekanntheitsgrad hat die Band zwar leider nie erreicht, und über den Kreis der Fans Erben hinaus wird „Ich habe mir die Liebe Abgewöhnt und bin doch weiter süchtig“ nicht verbreiten können. Schade eigentlich – Auch, wenn oder gerade weil ich ein großer Fan von Goethes Erben bin, sind diese Texte, ganz objektiv betrachtet, gute Lyrik im typischen Stil Henkes. Und genau deshalb wird es eine Insidergeschichte bleiben. Schade zwar, aber irgendwo auch nicht anders zu erwarten.

Oswald Henke
Oswald Henke

Und ein Grund, warum das Buch auch unter den Fans der Erben nicht unbedingt auf absolute Gegenliebe stoßen wird, ist der Umstand, dass Henkes Lyrik ohne Musik weit weniger eindringlich wirkt. Vor allem, wenn man die Musik von fetisch: MENSCH kennt und zu schätzen weiss, kommen die vorhandenen Texte der Band etwas unvollständig daher, was wohl das größte Manko des Buches ist. Oswald Henke, ob er will oder nicht, wird ewig mit dem Etikett „Goethes Erben“ behaftet sein. Und da die große Kunst der Erben ist/war, dass die Texte Henkes in ein musikalisches, eindringliches Gewand gekleidet haben. Doch für sich stehend, also nach einiger Mühe, sind die hier veröffentlichten Texte gute Lyrik.

Die Gedankengänge, die hier in prosaischer und poetischer Form veröffentlicht wurden, sind nämlich gut. Thematisch geht es um Vergessen, Leere, Borderline, Liebe und Kinder, also Henketypische Themen. „Solange es weh tut…“ spricht sicher vielen Menschen aus der Seele. „kinderherzen“, ein sehr erbentypischer Text, weiß sehr zu gefallen, da er wieder eine gewisse Morbidität aufweist und eine sehr pessimistische Aussage hat. Henke weiss genau, was er tut: „Timetable“  wirkt, dem Thema angepasst, sehr gehetzt. „Variabel“ besteht nur aus Schlagwörtern, die im Prinzip ein und das selbe aussagen. Also: Von den Gedichten her habe ich nichts zu meckern. Die Kolumnen „Henke Trocken“ sind gute, sozialkritische Gedankengänge, die ich ebenfalls sehr gerne gelesen habe und die zum Mitdenken anregen.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Ein, trotz aller Kritikpunkte, gutes Buch. Es hat mich viel Mühe gekostet, Henkes Texte zu lesen, ohne Musik im Hintergrund zu lesen, aber die hat sich definitiv gelohnt. Ich mag das Buch auch gar nicht weiter zerpflücken und groß analysieren, denn ich glaube, das widerspricht auch der Intention des Buches, das dazu anregen soll, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Viel mehr tun als euch zu sagen, dass ihr, wenn ihr denn ein Faible für alternative Gedankengänge habt, zugreifen sollt, werde ich deswegen auch nicht. Für Erben- und Henke-Generell-Fans ist es sowieso ein Pflichtkauf. Schade nur, dass es im eingangs erwähnten Leserkreis bleibt.


(7,5 / 10)
7,5

Homepage: http://www.oswald-henke.de/

VÖ: Bereits erschienen

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