Portion Control – Crop (Review und Kritik)

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Portion Control - Crop

Wenn alte Helden, die in den 80ern bereits aktiv waren – Portion Control waren bereits in den frühen 80ern auf den Spuren von EBM-Heroen wie Nitzer Ebb unterwegs – hat das normalerweise mehr mit dem Ausschlachten alten Ruhms zu tun als mit Kreativität. Diese Reunions sind meistens enorm kurz und hinterlassen auch wenig Eindruck. Nicht so Portion Control: Erweitert um einen gehörigen Schuss Industrial wagte die Band 2004 mit „Wellcome“ ein Comeback. Die folgenden Alben „Filthy White Guy“ und das jüngst erschienene „Crop“ zeigen Portion Control jedoch relevanter denn je – Selten charmant werden 80er und Moderne zusammengerührt.

Der Opener „Hardman“ ist programmatisch: Ein recht langsamer Beat, eine Nitzer-Ebb-mäßige Synth-Basslinie werden mit einem Schuss lärmigem Industrial garniert. Heraus kommt ein wunderbarer Downtempo-Hit. In dieselbe Kerbe, die am Rand zwischen Zappeln und Zuhören pc_logo04liegt, schlägt z.B. auch das noch etwas bessere „Blind Eyes“. Interessant gemacht, aber dabei nie nur Kunst um der Kunst willen – Wo mir Bands wie z.B. yelworC zu komplex sind, finden Portion Control genau das richtige Maß an Eingängigkeit und gleichzeitig Komplexität, um mir als nicht unbedingt Electro-Freak zu gefallen.

„Too Much Damage“, „Chew You to Bits“, „Sick Man“, „Brain Scraper Death Drive (Rebuild)“… Die Songs, die normalen Schemen folgen, passen wunderbar in Clubs und sollten dort auch erfolgreich eingesetzt werden können, nicht zuletzt, weil sie von dem derzeit vorherrschenden 08/15-Geschranze abweichen. Für die Clubs sollten die beiden untypischsten Songs des Albums, „Onion Jack Segue II“ und „Onion Jack IV Segue: Pearly King & Queen Cosh Boy.Onion Freak.Drive By.Sunbeam“, die beide die 15-Minuten-Marke knacken, nicht geeignet sein, doch auch diese Songs besitzen Klasse, da sie über die kompletten 15 Minuten interessant bleiben.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Ein, wie erwartet, starkes Album der Routiniers. Beinahe restlos überzeugend, sowohl zuhause, fürs Ohr, als auch für die Tanzfläche. Es ist nicht gerade einfach, die Mitte zwischen diesen beiden, eigentlich sehr weit auseinanderliegenden Polen zu treffen, aber Portion Control beherrschen das beinahe spielend: Ganz im Gegensatz zum Industrial-Klischee gar nicht kalt, sondern warm und düster stampft das Material durch die Gegend und verbreitet Hochstimmung. Oder so. Auf jeden Fall eine Empfehlung für Fans von gut gemachter, atmosphärischer EBM.


Tracklist:

  1. Hardman
  2. Pure Menace
  3. Blind Eyes
  4. Too Much Damage
  5. Onion Jack II Segue
  6. Chew You To Bits (Rebuild)
  7. Sick Man
  8. Onion Jack IV Segue: Pearly King & Queen Cosh Boy.Onion Freak.Drive By.Sunbeam
  9. Brain Scraper Death Drive (Rebuild)
  10. Defend (NTRSN version)
  11. Global
  12. Witness/Transmission Intro 01
  13. Amnesia09_beta.01
(9/10)
9 / 10


VÖ: Bereits erschienen

portion-control.net

Anspieltipps:

– Pure Menace
– Too Much Damage
– Song 8

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