Portrait: Holger, Fotograf von „Lichtreize“

Sympathisches Shirt.
Sympathisches Shirt.

Einer der Bereiche, der hier mangels Alternativen sträflichst vernachlässigt wird, ist der Bereich Lifestyle. Während wir mittlerweile ein extrem gutes Angebot an Musik- und Szenebezogenen Artikeln haben, ist dieser Artikel erst der zweite in diesem Bereich. Hier soll nun ein kleiner Überblick über die Arbeit von Holger Nitschke, dem Fotografen hinter Lichtreize, entstehen. Dankenswerterweise erklärte er sich bereit, uns einige Fragen zu beantworten – Ein Angebot, von dem wir gerne Gebrauch machten. Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Artikel. Weitere Artikel im Bereich Lifestyle werden definitiv folgen, denn dieser Bereich ist verdammt interessant.





Fenriz: Hallo Holger, stelle dich unseren Lesern doch einmal kurz vor.

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Jenny

Holger: Hallo! Mein voller Name ist Holger Nitschke, im Internet bin ich auch unter dem Pseudonym „Dr.Fred“ unterwegs. Hauptberuflich bin ich gelernter Industriemechaniker und befinde mich im festen Arbeitsverhältnis bei einer Flugzeugfirma.

F.: Wie lange bist du schon fotografisch tätig und wie kamst du an die Fotografie?

H.: Mittlerweile Fotografiere ich schon fast fünf Jahre – angefangen hat alles, als ich mir eine einfache Digitalkamera kaufte und damit auf Konzerten „knipste“. Weiter ging es damals (2004) als ich Promofotos für die Oldenburger-Elektroformation „Trümmerwelten“ machte. Von den Ergebnissen waren wir alle erstaunlich angetan und das erste „Shooting“ hat einfach Spaß gemacht. Daher begab ich mich recht schnell auf Model-Suche um weiterzumachen (oder anzufangen – wie man will).

F.: Welches Equipment nutzt du?

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Tai

H.: Zur Zeit Fotografiere ich mit einer Canon 5d mk2 – Spiegelreflexkamera und diversen Objektiven. Ich habe mir zuhause vor zwei Jahren ein kleines Heimstudio eingerichtet.
Die Bilder werden alle auf meinem Mac nachbearbeitet.

F.: Welche Bereiche deckst du mit deinen Fotos ab und welche Art Fotos machst du am liebsten?

H.: Meine Bereiche sind bei mir ganz grob in drei verschiedene Themenrichtungen unterteilt: zum einen werden die Portrait&Fashion-Fotos unter dem Label „AugenBlicke“, die Akt&Fetisch-Bilder unter „NetzHaut“, und die sehr stark verfremdeten und abgedrehteren Bilder unter dem Namen „NervenZellen“ eingeordnet.
Einen wirklich „Liebling“ habe ich nicht, es macht mir Spaß alle Richtungen abzudecken. Somit entsteht auch oftmals Abwechslung und es wird nicht langweilig.

F.: Bist du für irgendwem regelmäßig tätig?

H.: Nein, nur für mich selber 🙂

F.: Was ist dir für deine Bilder besonders wichtig?

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Celina

H.: Ich strebe schon sehr nach technischer Perfektion, nichts wird lieblos oder voreilig hingeklatscht. Weiterhin ist es natürlich immer wichtig, das die Modelle auch Spaß beim Fotoshooting haben. Keiner wird zu irgendwas gedrängt, jeder kann eine Begleitperson mitbringen. Ich möchte die Atmosphäre gerne als locker, gelassen und absolut Seriös beschreiben.

F.: Hast du eigentlich Lieblingsmodelle?

H.: Kann ich so nicht sagen – ich kann eigentlich behaupten das so gut wie alle Shootings (mittlerweile ca. um die 150) sehr gut verliefen. Motiviert sollten die Leute schon sein – aber das sind wirklich die meisten.

F.: Was macht deiner Meinung nach einen guten Fotografen aus?

H.: Absolute Seriösität und den Mut sich selber etwas anzueignen. Mit Menschen umgehen zu können ist natürlich auch sehr wichtig.

F.: Was würdest du jungen Fotografen mit auf den Weg geben?

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Janina

H.: Ich würde jedem Raten der Anfängt, sich ersteinmal in Ruhe einige Bilder im Internet oder in Büchern anzuschauen. Dazu bieten sich die aufschäumenden „FotoCommunities“ ja geradezu an. Nur den meisten Kommentaren (die zu 90% eh nur Geschleime sind) sollte man nicht allzu viel Beachtung schenken. Dann gilt es, sich eine Kamera zuzulegen (sofern nicht vorhanden) und im Freundes- und Bekanntenkreis nach potentiellen Modellen zu suchen. Vielleicht noch das ein oder andere Fachbuch zum Thema Fotografieren und Bildbearbeitung zu lesen.
Ich würde mich freuen wenn ich schreiben könnte, das es sich noch lohnen würde die eigenen Bildnisse in die oben erwähnten Communities einzustellen, um durch die Kommentare und Anmerkungen lernen zu können. Das ist aber kaum der Fall. Kritik wird dort (leider) nur äußerst selten kundgetan. Mehr geht es dort darum, sich Gegenseitig „vollzuschleimen“.

F.: Auf dem WGT 07 hast du ja bereits eine Ausstellung gehabt. Wie war die Resonanz?

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Dr. Fred

H.: Die Ausstellung hat mir persönlich nicht viel gebracht. Es war zwar schön die Bilder einmal ausserhalb des Internets auszustellen, aber an den Besucherzahlen meiner Homepage konnte ich keinen grossen Sprung erkennen. Da bringt Flyer-Verteilen schon mehr (und ist billiger). Ich fand es nur drollig, daß so viele Besucher der Ausstallung ihre Kompaktkameras und Handys auspackten und die Bilder abfotografierten. 😉

F.: In deiner Karriere als Fotograf hast du auch bereits Gruppenshootings gemacht, wie mit der Community Schattenschleier.de. Wie waren deine Erfahrungen in diesem Bereich und würdest du es wiederholen?

H.: Ach das hatte schon was für sich – allerdings ist die ganze Angelegenheit doch ziemlich stressig (zumindest für mich, die anderen haben sich bestimmt teilweise gelangweilt bis sie alle dranne waren). Das Problem an der Sache ist halt, daß ich für die einzelnen Personen nur sehr wenig Zeit habe. Wir waren ja damals um die 20, wenn ich mich recht erinnere. Da blieben pro Person bzw. Paar nur 10-15Minuten. In dieser kurzen Zeitspanne kann man sich natürlich nur sehr schwer auf eine Person einlassen und mit Ihr Experimentieren. Ein „normales“ Shooting dauert daher ja auch immer gute 3 Stunden. Daher kann es daher nur sehr schwierig sein, dabei zu ausgefeilten Ergebnissen zu kommen. Wiederholen würde ich es dennoch – denn es sind auch einige wirklich tolle Bilder dabei herausgekommen.

F.: Für einige Bands hast du Cover/Booklets und Band-Fotos gestaltet. Erzähl uns doch einmal ein bisschen über deine Erfahrungen mit den Bands und wie alles zustande gekommen ist.

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Kevin

H.: Meine Erfahrungen sind in dem Bereich ein wenig unterschiedlich. Bei den meisten lief es wirklich klasse, bei anderen wurden aber Absprachen nicht eingehalten, Material (welches ich benötigte) wurde erst nach Wochen und Monaten geliefert, einige Bands hatten sich als die Bilder fertig waren schon aufgelöst. Daher passe ich inzwischen schon etwas mehr auf, für wen und was ich Bilder bzw. Bearbeitungen mache.

F.: Derzeit wird das Internet mit Modelkarteien und -datenbanken geradezu überschwemmt, und viele weniger seriöse Fotografen und Models überschwemmen diese. Wie suchst du deine Models aus und was würdest du den Models raten, zu beachten, damit sie nicht an einen dieser „unseriösen“ Fotografen kommen?

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Ksenia

H.: Wenn meine Modelle sich nicht mich als ihren potentiellen Fotografen aussuchen, schaue ich natürlich schon in erster Linie auf deren Portfolio und Erscheinungsbild – auch die Entfernung spielt ja oftmals eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Unseriöse Fotografen:
Der „Fotograf“ sollte natürlich schon etwas vorweisen können – in Form von Bildern (nicht nur von ein und derselben Frau oder dem eigenen Hund). Diesen sollte man auch ansehen können, daß der Fotograf (zumindest) ein wenig von seinem Beruf oder Hobby versteht. Abraten kann ich nur von Kleinanzeigen (vorzugsweise in Musikzeitschriften) ohne Homepageangabe und mit Honorarversprechungen!
Falls ein Fotograf (außer er ist wirklich sehr bekannt) es ablehnt, daß das Model eine Begleitperson mitbringt, die sich notfalls auch im Nebenzimmer aufhält, würde ich dem Model schon raten auf den gesunden Menschenverstand zu hören, und das Shooting abzulehnen.
Vielleicht bietet sich ja aber im Vorfeld auch die Option, daß das Model sich bei vorherigen Modellen nach dem Ablauf des Shootings und der Person erkundigt.

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Berlin

F.: Eine Freundin erzählte von einem Fotografen, der für ein Shooting eine Leinwand aufstellte, die er mit einer Schreibtischlampe ausleuchtet. Die Utensilien, die er nutzen wollte, waren eine Peitsche und Fesseln. Der wollte ganz klar nicht fotografieren. Wie oft hörst du von solchen Geschichten?

H.: Hmmm… mit einer brauchbaren Kamera+Stativ lassen sich aus solch einem Setting doch schon interessante Bilder machen?!

Aber mal im Ernst:
Ich habe bisher von einer solch krassen Geschichte bisher noch nicht gehört, allerdings treibt wohl leider sehr viel „Volk“ sein Unwesen. Gerade die Gothic/Fetisch-Szene bietet ja oft Modelle feil, die gerne nackte Haut zeigen – was für schwarze Schafe nahezu Willkommen ist.

F.: Für ein Magazin, das hauptsächlich die Bereiche Metal und in meinem Falle Gothic abdeckt, nun eine recht typische Frage. Wie beurteilst du die Szene – und in wie fern bist du in sie involviert?

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Carina

H.: Achja die Zähne *g* – ich fühle mich ihr schon recht zugehörig. Sachen wie das WGT oder Festivals machen einfach Spaß! Bunte Klamotten findet man in meinem Kleiderschrank schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Allerdings beunruhigt mich in den letzten Jahren schon der musikalische Trend: ich bin kein Freund von diesem Techno-Gestampfe in den Discotheken. Meiner Meinung nach sind viele Bands, Konsumenten (und DJ’s) einfach zu eingefahren und anspruchslos. Nach der Future-Pop-Seuche ist es nun dieser „Hellektro“ mit dem bei fast jeder Party die Hallen beschallt werden, oder es wird halt der uralt-totgespielt-Krams aufgelegt. Von daher überlege ich es mir in letzter Zeit schon sehr, ob und wohin ich ausgehe – zumindest wenn dort keine Freunde/Bekannte zu erwarten sind.

F.: Da wir auch ein Magazin sind, das sich im Schwerpunkt der Musik festankert, wollen wir auch hier nachfragen. Welche Musik hörst du privat?

H.: Ziemlich Gemischt: Elektro, Gothic, Metal, Dark Ambient. Bands wären z.B. Skinny Puppy, Pain, Hypocrisy, Sirenia, Birthday Massacre, London After Midnight, Triarii, IAMX, Deathstars, Diary of Dreams, Dark Age.

F.: Irgendwelche letzten Worte?

H.: „…meine Maschine saugt Dir gleich Dein süsses Hirn raus…“

F.: Dann danke ich dir ganz herzlich, dass du dich bereit erklärt hast, uns ein paar Fragen zu beantworten. Es hat Spaß gemacht!


Zur Lichtreize Homepage und Galerie


Alexander „Fenriz“ Schatten (Interview-Führung, Interview-Schreiber)

Dennis „Bieberpelz“ Knoll (Kontakt, Interview-Führung)

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