Rezension: Spiral69 – Second Chance

„Da verarbeitet aber jemand vergangene Beziehungen…“ Das ging mir anfangs durch den Kopf, als ich zum ersten Mal ins neue Album Second Chance von Spiral69 reinhörte. Hier präsentiert uns das italienische Dark Rock/ Pop-Trio zehn Tracks über Verrat, Enttäuschung und zerbrochene Herzen.

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Obwohl es mittlerweile das vierte Album ist, höre ich die Band zum ersten Mal und geh recht unvoreingenommen an diesen Review.

‚Your Halo‘ ist ein vielversprechender Start; harte Gitarren verleihen diesem Song das gewisse etwas, das öfters im Dark und Gothic Rock fehlt – etwas Aggressives. Und auch ‚Liar‘ geht in diesem Sinne gleich in die Knochen und ins Ohr. Für ‚No Mercy‘ holt sich Sänger Riccardo Sabetti die italienische Folk-Sängerin Mimosa an Bord. Das Ergebnis: eine schmelzende Ballade, bei der ich nicht umhin kann, einen direkten Vergleich zum Duett Nick Cave/ Kylie Minogue zu ziehen… ‚Where The Wild Roses Grow‘. Sehr schön, aber mir einfach zu sehr kopiert. Der Track, der dann wieder origineller daher kommt ist ‚XXX‘. Clevere Samples, gepaart mit einem Sound, der leicht off-key ist, getragen von pumpenden Drums verleihen dem Ganzen einen schrägen und einzigartigen Charme. ‚Goodbye‘ und auch ‚Colors and Grey‘ sind solide genug, aber hier präsentiert Spiral69 eher den Sound, den auch zahlreiche andere Bands aus dem Genre vertreiben: Flächige Synths, klingelnde Gitarren… Rein in ein Ohr, raus aus dem anderen! Gottseidank ist ‚Second Chances‘ ein schön dramatisch-tragisch-trauriges Intermezzo zwischen diesen beiden Tracks. ‚The Art of Losing Ground‘ hingegen ist ein interessanter, wohl eher experimenteller Song. Fast instrumental, abgesehen von kleinen dezent gesprochenen Passagen, kommt er schon fast psychedelic Pink Floyd-esk rüber. ‚Nothing‘ ist in seinem wehmütigen Down Tempo ein guter Abschluss des Albums.

Fazit: kein schlechtes Album, aber stellenweise inkonsistent. Es blitzt durchaus ein innovativer, eigener Sound durch (‚Your Halo‘, ‚Liar‘,‘ XXX‘), aber insgesamt ist es doch ein Mischmasch an verschiedenen Einflüssen und Sounds – Folk, Pop, Industrial, Rock.

Die Lyrics sind zum Teil recht holprig geschrieben. Für jemanden, der – wie ich – nicht nur Melodie sondern auch gerne Inhalte hört, manchmal schmerzhaft. Ich hab in Gedanken des Öfteren den Rotstift gezückt.

Sicherlich werden die Fans der Gothic Rock/ Pop-Szene dieses Album trotzdem gerne hören wollen.

VÖ: 08.01.2015

Tracklist:

  1. Your Halo
  2. Liar
  3. No Mercy
  4. Ritual
  5. XXX
  6. Goodbye
  7. Second Chances
  8. Colours and Grey
  9. The Art of Losing Ground
  10. Nothing

About Betti Stewart

Sängerin... sometimes Komponistin...Lyric-Geschichten-und-Gedichte-Schreiberin... die beste Gitarristin, die nie Gitarre gespielt hat... Musik und Wörter sind meine Leidenschaft!

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