Rezension: SYLOSIS – Dormant Heart

Am 16.01.2015 ist die neue Scheibe von SYLOSIS bei Nuclear Blast erschienen. Das Werk umfasst 12 fesselnde Tracks und trägt den Namen „Dormant Heart“.

Sylosis - Dormant Heart - Artwork

Der erste Song heißt „Where the wolves come to die“ und beginnt mit treibenden Drum-Rhythmen, die von gedämpften kurzen Riffs untermauert werden. Als die Gitarren in ihre melodischen Passagen übergehen setzt der Gesang ein, der neben Growls durchaus mit der ein oder anderen Variation aufwarten kann. Insgesamt ein gelungener Opener, der Lust auf mehr macht.

Als „Victims and Pawns“ startet verweilen die Gitarren noch in der Rückkopplung. Das Schlagzeug tobt sich in bester Trash-Manier aus, dann setzen markante Lead-Parts, kurze springende Deathmetal-Riffs und der Gesang ein. Der Song geht von rasenden Rhythmus-Passagen in ruhige ausklingende Stellen über. Die Komposition überrascht immer wieder mit neuen ideenreichen Wechseln – lediglich der bellende Core-Gesang nimmt ein Stück der geschaffenen Atmosphäre.

Der dritte Song heißt „Dormant Heart“ und ist zugleich Namensgeber für das Album. Thematisch geht es darum, für Werte einzustehen, aufzuwachen und zu leben. Das schlafende Herz ist hier ein Symbol für die Gesellschaft, die Ungerechtigkeiten im Alltag eher toleriert als dagegen vorzugehen. Musikalisch beginnt das Ganze mit eingeblendeten sanften Gitarren-Tönen, die abrupt in satte Riffs und heftiges Trommelfeuer übergehen. Das treibende Riffing wechselt mehrfach in Melodic-Passagen, kehrt aber wieder zum musikalischen Kern zurück. Der Gesang bleibt dem Core-Bereich treu, auch wenn manche Facetten mal aus dem Schema ausbrechen. Die Band lässt dem angespielten Thema genug Zeit zur Entfaltung, so dass ruhigere Parts die enthaltenen Emotionen wirken lassen und eine gewisse Epik erschaffen.

To build a Tomb“ ist der vierte Track und wartet mit einer tiefgreifenden Atmosphäre in den Rhythmus-Teilen auf, die maßgeblich vom Gitarrensound hervorgerufen wird. Der Gesang variiert zwischen Growls und Clean-Elementen. Der Haupt-Part des Songs liegt irgendwo zwischen Standard-Trash und Standard-Deathmetal mit ausgiebigen Solo-Einlagen. Das Inferno am Ende des Tracks ist sicherlich ein grandioses Finale, hätte aber durchaus mehr thematisiert werden können.

Direkt im Anschluss folgt „Overthrown“, was durchaus ein Stück von einem epischen Soundtrack sein könnte. Der Song überzeugt direkt zu Beginn mit ausgeprägten Trash-Elementen, geht dann aber in die Core-Richtung über. Im Mittelteil bringen satte Gitarren eindringliche Lead- und Rhythmus-Melodien hervor, die Fans von Melodic-Metal Einiges an akustischer Freude bescheren sollten. Die Growls gehen kurzzeitig in Clean-Vocals über, die dem Song etwas tiefergehend Melancholisches verleihen. Die folgende ruhigere Passage lässt die Spannung bis zum Solo-Part ein wenig ausklingen und macht Lust auf mehr. Das Ende verbleibt im Core-Bereich.

„Leech“ ist der sechste Song des Albums und setzt auf satte Riffs. Vielseitige Gitarrenelemente werden von harmonisierenden Drums ergänzt. Ruhigere Passagen und Pausen bilden einen Kontrast zu aufreibenden Shout-Parts.
Versetzte Gitarrenriffs läuten den Beginn von „Servitude“ ein. Im Mittelteil wird durch betont langsame Drum-Elemente und gefühlvolle Vocals eine ganz eigene, entschleunigene Atmosphäre geschaffen. So richtig springt der Funke noch nicht über, als aus dem Nichts ein Ausbruch in einen deutlich schnelleren Teil erfolgt. Trashige Lead-Riffs und rasante Tappings bilden den Schlusspart.
Der achte Track heißt „Indoctrinated“ und beginnt zunächst ruhig, geht dann aber in feinsten Death-/Trashmetal über. Markante Drumbeats untermauern die rasende Rhythmusgitarre, deren peitschende Riffs mit akzentuiert gesetzten Lead-Melodien hervorgehoben werden. Insgesamt ein stimmiger Song, bei dem der Gesang an der richtigen Stelle wirkt.

Harm“ startet auch wieder mit ruhigem Akustik-Intro. Der aus fesselnden melancholischen Melodic-Parts bestehende Refrain geht leider etwas durch die Core-Bridges unter.

Die nächsten beiden Songs auf dem Album sind „Mercy“ und „Callous Souls“ und sind in ihrem Aufbau eine Mischung aus Metalcore, Heavy- und Trashmetal. Kraftvolle Growls gehen in melodische Clean-Parts über und geben den Werken tiefe Emotionen. Das Schlagzeug bleibt eher im Hintergrund, während der Bass an der ein oder anderen Stelle mal rauszuhören ist. Lead- und Rhythmus-Gitarre harmonieren nicht immer, so dass einige Bridges und Riffs teils chaotisch wirken.
Mit „Quiescent“ hören wir den letzten Track, mit dem SYLOSIS beweisen, dass sie auch anders können. Die Ballade beginnt ruhig und gefühlvoll mit gezupften Einzeltönen und Clean-Gesang. Nach einem sich langsam und atmosphärisch aufbauenden Wechsel zu wütenden Growls endet der Song wie er begonnen hat: leise und nachdenklich.

SYLOSIS sind eine Band die mit großer Vielseitigkeit aufwarten kann, immer für Überraschungen gut ist und es durchaus versteht rasant peitschende Passagen mit atmosphärisch melodischen Kompositionen zu verbinden. Das Einzige was mir dabei nicht so recht gefällt ist der zwanghafte Einbau von Metalcore-Elementen, was sich besonders am Gesang verdeutlichen lässt. Songs wie „Overthrown“ bauen ein absolut geiles Ambiente im Mittelteil auf zu dem die bellende Mischung aus Shouts und Growls einfach nicht passt. Die vokale Überbetonung am Ende fast jeden Verses führt dazu, dass wirklich bedeutende Stellen einfach untergehen. Bei Songs wie „Leech“ und „Indoctrinated“ ist das Konzept absolut an der richtigen Stelle, bei „Mercy“, „Quiescent“ und „Callous Souls“ eher weniger. Mag Geschmackssache sein – mir ist es auf die Länge des Albums jedenfalls deutlich aufgefallen.

 

Fazit

Ihr wollt ideenreichen Trash-/Deathmetal mit melodischen Einschüben? Dann seid ihr bei SYLOSIS an der richtigen Stelle. Mit „Dormant Heart“ sollte es definitiv keine ruhenden Herzen mehr geben.

 

Tracklist

  1. Where the Wolves come to die
  2. Victims and Pawns
  3. Dormant Heart
  4. To build a Tomb
  5. Overthrown
  6. Leech
  7. Servitude
  8. Indoctrinated
  9. Harm
  10. Mercy
  11. Callous Souls
  12. Quiescent

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Musik ist eine der schöpferischten Dinge die es gibt. Sie kann verborgene Kräfte freisetzen und ungeahnte Tiefen aufdecken. Ein und derselbe Moment kann durch die "richtige" Musik unvergleichlich werden. Musik ist der Versuch ein Gefühl in wenigen Minuten Spielzeit einzufangen. So viele unterschiedliche Facetten es von menschlichen Emotionen gibt, so unterschiedlich kann auch die Musik sein. Und so erschlossen auch schon das Feld der Interpretationen von musikalischen Themen scheint, so überraschter ist man doch, wenn hier und da neue Werke entstehen, die noch tiefer unter die Haut gehen als jemals für möglich gehalten. Lasst uns schwache Momente haben in Sphären voller Traurigkeit, lasst uns von Zerstörung träumen in Zeiten der Wut und lasst uns mit einem Lächeln die Augen schließen wenn der Klang der Melodien die Hoffnung nährt. Musik ist lebendig. Also lasst uns gemeinsam die richtige Musik suchen für den richtigen Augenblick.

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