Das Rockharz in Ballenstedt konnte auch in seiner 2026er Auflage mehr als überzeugen. Ein großes Plus dieses Festivals ist das Gelände, das selbst nach einem heftigen Regenschauer immer noch gut zu betreten ist. Direkt unter der Teufelsmauer gelegen, freut man sich in Ballenstedt seit mehreren Jahren über ausverkauftes Haus. Ein Umstand, der leider nicht mehr selbstverständlich in der deutschen Festivallandschaft ist. Mit einem brillanten Line-Up überzeugt das Festival mittlerweile seit Jahrzehnten.
Als Opener für dieses Jahr wurden HEAVYSAURUS auserwählt. Die selbsternannten Dino-Metaler begeisterten nicht nur ihr Zielpublikum, sondern auch ältere Festivalbesucher und sorgten damit für einen gelungenen Auftakt. Mit einem guten Zeit-Slot konnten auch SOULBOUND sehr zufrieden gewesen sein. Diese Band liefert seit Jahren einfach beständig gute Live-Shows ab und enttäuschten auch diesmal auf den Flugplatz nicht. Weiter ging es mit ENSIFERUM. Diese Urgesteine des Folk-Metals sind einfach eine sichere Bank. Die Setlist war gespickt mit ihren bekanntesten Songs, die die Masse begeistern konnten. Alleine schwankte der Sound etwas, das aber eher den Wetterbedingungen als der Band zuzuschreiben war. Ein weiterer Klassiker bot sich dem geneigten Auditorium mit PARADISE LOST. Diese Band hat in ihrer Laufbahn alles erreicht und gilt als Wegbereiter des Gothic-Rocks. Mit ihren zeitlosen Songs erschuf die Londoner Band eine besondere Atmosphäre auf dem Festivalground. Als Headliner des ersten Abends stand mit HELLOWEEN eine der wohl Dienstältesten Kapellen dieses Festivals auf dem Programm. Michael Kiske und Kai Hansen nutzen die Gelegenheit und überzeugten auch die härtesten Kritiker mit unglaublichen Gesangsleistungen, an die man wohl noch lange zurückdenken wird. Ein denkwürdiger Auftritt, der definitiv zu den Highlights unterhalb der Teufelsmauer gezählt werden muss.
Während am nächsten Morgen der Rotmilan über dem Festivalgelände auf Beute lauerte und die ersten Fans sich für den nächsten Festivaltag wappneten, wurde das Bühnenprogramm bereits eingeläutet. Mit einem Mittelalterdoppelschlag in Form von DIE HABEBNICHTSE und MITTEL ALTA wurden die Jünger der eher früheren musikalischen Unterhaltung würdig begrüßt. Mit STAHLMANN wechselte man das Genre und befand sich nun in den deutschen Industrial-Metalgefilden. Wer eher für die nordische Mythologie und härtere Klänge zu begeistern ist, fand seine Erfüllung bei SAGENBRINGER. Eine Band, die in den nächsten Jahren für Aufsehen sorgen wird, so energiegeladen war die Show. Um die Absolution auf dieser Veranstaltung sorgten DOGMA. Eine Band, die insbesondere durch ihre durchcheografierte Show auffiel und ihre berechtige Gesellschaftskritik auf eine besondere Art dem Auditorium näherbringen konnte. Eine der größten Überraschungen des Festivals dürften WARMEN gewesen sein. Eine Band, die sich aus CHILDREN OF BODOM Mitglieder zusammensetzt und immer wieder promienten Gäste auf ihren Veröffentlichungen einlädt. Eine kraftvoll aufgeladene Show mit prägnanten Riffs und den unverwechselbaren Keyborad-Trademarks, wie man sie von den finnischen Pionieren gewohnt ist. Der Auftritt von BETONTOD fühlte sich wie ein Familientreffen an. Zwischen fröhlicher Stimmung und jeder Menge Bier zelebrierten die Punk-Veteranen eine einladende und unterhaltsame Show, die ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung setzte. Der Reigen setzte sich direkt im Anschluss mit AGNOSTIC FRONT fort und sorgte für eine hohe Circle-Pit Dichte. Ein deutliches Zeichen, dass diese Band einfach stillprägent für ein gesamtes Metal-Subgenre ist. Der Abend gehörte aber unumstritten ALICE COOPER. Ein würdiger Headliner, der auch jüngeren Festivalbesucher ein Blick in die Old-School-Metalzeiten ermöglichte. Den besonderen Charme einer ALICE COOPER Show findet man bei neueren Bands nicht mehr. Ein gutes Beispiel wie sich unsere Lieblingsmusik immer weiterentwickelt. ALICE COOPER bestach durch eine Setlist, die keine Wünsche offenließ.
Für den dritten Festivaltag wurden alle Lebensgeister reaktiviert und so zog es eine beträchtliche Menge an Festivalbesucher bereits früh zu der ikonischen Doppelbühne. HAGGEFUGG durften sich über den Zuspruch mehr als gefreut haben und verwandelten das Gelände bereits früh in einen Hexenkessel. CYPECORE kümmerten sich dann um die Fans des Extreme-Metals, ehe GOTHMINISTER mit einer Gothic-Rock Show die Türen in die Unterwelt weit aufstießen. Immer gern gesehen sind WALLS OF JERICHO, die auch in diesem Jahr ihren Ruf als außergewöhnliche Liveband untermauerten. Etwas beschwingter ging es dann bei den Iren aus Erlangen FIDDLER’S GREEN zu. Obwohl gefühlt das halbe Festival sich vor der Bühne versammelte, schafften es die Herren eine Irish-Pub Atmosphäre herzustellen. Wahre Veteranen sind DIE APOKALYPTISCHEN REITER bereits seit vielen Jahren. Die Verliebheit in die deutsche Sprache gepaart mit einer gesunden Portion Härte sind die Trademarks dieser außergewöhnlichen Band, die sowohl mit den bekannten Everblacks als auch neuen Kompositionen überzeugen wussten. BIOHAZARD und P.O.D kümmerten sich um die brachiale Riffs und beeindruckende Breaks. Obwohl diese Bands mehrere Dekaden trennen, fühlte es sich wie eine logische Weiterentwicklung an, weshalb man diese zwei Konzerte nur schwer einzeln beleuchten kann ohne diese Besonderheit zu berücksichtigen. Den Genrewechsel läuteten SUBWAY TO SALLY ein. Kaum eine andere Band schafft es Fans aus der Mittelalterszene, überzeugte True-Metaler oder Extreme Metal Vertreter zu vereinen. Seit mittlerweile gut drei Jahrzenten schaffen es Eric Fish und seine Band ein besonderes Gefühl der Verbundenheit zu erschaffen. Klassischen und gradlinigen Hardrock konnte man sich direkt im Anschluss bei AIRBOURNE geben lassen, die wieder einmal eine kraftvolle Show dem Auditorium boten. Headliner waren die Thrash-Metal von KREATOR. Es gibt wohl kaum einen Metalfan der nicht mindestens einen Song der Herren gehört hat. Die Setlist glich einer Zeitreise und entführte die Zuhörenden von den Anfängen bis in die Gegenwart. Man darf hoffen, dass Mille und seine Mitstreiter der Szene noch lange erhalten bleiben.
Der letzte Festivaltag ist immer besonders. Irgendwo zwischen Euphorie auf die nächsten Bands und der nahenden Abreise entsteht eine besondere Stimmung, die besondere Energien freisetzt. Während die einen noch beim Kaffee am Zelt den Tag langsam begrüßten, befanden sich andere Fans bereits wieder im Einsatz um von PINHEAD, DRONE und TAILGUNNER sich den morgendlichen Kick zu holen. TUNGSTEN und CRYPTA übernahmen den Staffelstab und sorgten bereits am frühen Nachmittag für ordentlich Bewegung auf dem Festivalground. Die finnischen True Metaler von MAJESTICA kümmerten sich um eine melodische Stunde, in der man etwas in Heldensagen schwelgen konnte, ehe das nächste musikalische Feuerwerk in Form von ANNISOKAY gezündet wurde. Während man fröhlich den Metalcore-breaks lauschte, machten sich bereits FINNTROLL für ihren Gig bereit. Eine Show, die den finnischen Spirit in einer ganz besonderen Art dem Publikum näherbrachte. Allerdings gab es auch hier einige kleinere Soundprobleme, die jedoch durch die Bühnenpräsenz gut ausgebügelt wurden. Eine Dame, die wohl jeder im Metal kennt ist DORO. Niemand schafft es Generationen von Metalheads unter einem Banner zu vereinen. Zwischen alten und geliebten Klassikern kamen auch die neueren Songs nicht zu kurz und so sorgte DORO für eine kurzweilige Stunde, die fast schon als Metal-Geschichtsstunde verstanden werden konnte. Für eine unkonventionelle Show sind KNORKATOR wohl weit hin bekannt. Auch bei ihrem diesjährigen Gastspiel sorgten Stumpen & Co für einige Lacher, ehe sie auf die Hochzeit der ROCKHARZ Gründer anstießen. Ein unterhaltsamer Auftritt, der vielen Besuchern im Gedächtnis bleiben wird. Den Schlusspunkt in diesem Jahr setzten FEUERSCHWANZ mit einem kleinen Feuerwerk. Viel entspannter kann man ein Festival kaum ausklingen lassen.
Fazit: Das ROCKHARZ genießt einen hervorragenden Ruf in der Metalszene und zwar völlig zurecht. Die Bandauswahl ist in jedem Jahr gut durchmischt, sodass man immer wieder neue Bands hört, die man bisher nicht auf dem Schirm hatte. Neben der Musik spielt natürlich die Organisation eine große Rolle. Die Toilettensituation wurde gut gelöst. Im Infield und auch teilweise auf dem Campground fanden sich Toilettencontainer, die den altbekannten Dixis um Längen voraus sind. Das Essensangebot war sehr vielfältig und bot ausreichend vegane und vegetarische Optionen. Bei Fragen, Nöten und Wünschen standen die Ordner immer freundlich zur Verfügung und sorgten für ein angenehmes Festival. Das ROCKHARZ hat es auch in seiner 2026er Auflage geschafft die Fans zu begeistern.
Wer immer noch nicht genug hat, kann das legendäre Wochenende nochmal Revue passieren lassen: https://youtu.be/Xm8O69Ie-ns
Fotocredits:
© Bastian Brooks | ROCKHARZ
© Natalia Sokolowska| ROCKHARZ
© Katja Wisotzki | ROCKHARZ
© Christian Plath | ROCKHARZ
© Marvin Heins | ROCKHARZ
© Thomas von Schaewen | ROCKHARZ
© Thomas von Schaewen | ROCKHARZ
© VERUGA GmbH | ROCKHARZ




















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