Ronny Weber – Wirklichkeit und Utopie (Buchrezension)

Wirklichkeit und UtopieDie letzte Buchrezension zu Ronny Weber ist schon etwas her (click me) aber jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, wieder etwas von ihm zu lesen und möchte das niemandem vorenthalten.

„Wirklichkeit und Utopie“ ist kein Roman, sondern eine 64 Seiten starke Sammlung von Gedichten und Kurzgeschichten mit einer geballten Ladung Gesellschaftskritik, Existenzialismus, Konfrontation mit den Abgründen menschlicher Angst und Wut, verpackt in alles andere als utopische Werken. Hier leben die Dystopie in düsteren Zukunftsvisionen und die bedrohliche Dekadenz der Gegenwart (zusammen).

Häufig wiederkehrende Themen sind gesellschaftliche Zwänge, terroristische Diktaturen und menschenfeindliche Ideologien. Dafür wird auch einmal ein Klassiker aufgewärmt: In Webers Version von „Schneewittchen“ versucht die rothaarige Königin Revoluzia ihre Tochter, die nur unter dem Namen „Schneewittchen“ bekannt ist, zu vernichten. Am Ende erfährt sie von den sieben Zwergen, zu denen sie sich flüchtet, dass ihr wirklicher Name „Freiheit“ ist und es wird ihr zu Ehren sogar eine Statue errichtet. Welcher eigentliche politische Konflikt dahintersteckt, dürfte offensichtlich sein.

Richtig zum Fürchten sind die Kurzgeschichten „Brief aus Usbekistan“ und „Die Seuche“. In der ersten Geschichte schreibt ein Mann an seinen Freund aus einem usbekischen Gefängnis und weiß weder warum er dort ist, noch was man mit ihm vorhat. In „Die Seuche“ wird eine düstere Fiktion gezeichnet, wie eine an Pest und Lepra erinnernde Seuche die Menschen zu Quasi-Zombies werden lässt und wie drei Männer versuchen, den Wahnsinnigen zu entkommen, die den Menschen, die von der Krankheit bisher verschont geblieben sind, bei lebendigem Leibe die Haut abziehen, um sie für ihre eigenen Körper zu verwenden.

Die Geschichten „Der Arbeitslose“ und „Erwin“ zeichnen ein trostloses Bild einer in einer Spirale der Langeweile gefangenen Gesellschaft, aus denen die Protagonisten der letzten beiden Geschichten „Der Schüler“ und „Egon“ dann auf mutige Art und Weise ausbrechen, indem sie gegen die Konventionen der extrem spießigen Gesellschaften, in denen sie leben, verstoßen, da sie in diesen Systemen ohnehin nichts zu verlieren haben.

Abschließend soll hier noch eines der Gedichte als Leseprobe dienen:Ronny Weber 2

Im Traum

Im Traum offenbart sich die Wirklichkeit,
weil sämtliche Fesseln und Ketten sterben,
weil jede Erinnerung Leben bezeugt,
weil aus Illusionen Erfahrungen werden.

Tief aus den Tiefen des inneren Ichs
dringen die Träume als Bäume hervor,
wachsen empor in den Himmel des Lichts.
es schreitet der geist durch ein offenes Tor.

was glauben und denken und fühlen wir
mit stumpfen, verkümmerten Sinnen der Welt,
mit trüben Gedanken voll Schwermut und Pein,
wenn doch der Schmerz mit dem Abend zerfällt.

Mit Flügeln der Freiheit, mit schwingen aus Gold
schwebt unser Wille durch kosmisches Feld.
Bis ihn des Morgens die Knechtschaft einholt.
der Sklave in uns hat den Wecker gestellt.

 

Weitere Informationen zum Schriftsteller Ronny Weber findet ihr auf seiner Homepage, auf der ihr auch seine Bücher bestellen könnt.

 

About Mustaveri

Alter: 28 Beruf: Übersetzerin (freiberuflich) Lieblingmusik: Metal (Death, Dark, Black, Thrash, Symphonic, Gothic) Hobbys: Musik, Sport, Schreiben, Kunst, Kochen

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