Santa Hates You - Crucifix Powerbomb
Santa Hates You - Crucifix Powerbomb

Santa Hates You – Crucifix Powerbomb (Review und Kritik)

Santa Hates You - Crucifix Powerbomb
Santa Hates You - Crucifix Powerbomb

„What you’re waiting for?“ – Knapp zwei Jahre nach dem ersten Album von Peter Spilles (Project Pitchfork, IMATEM) und Jinxy mit dem Titel „You’re On The Naughty List“ (VÖ 16.05.2008, Prussia Records) und der „Rocket Heart EP“ rechtzeitig zum Nikolaus letzten Jahres ist es seit gestern endlich zu haben: Das Album „Crucifix Powerbomb“. Zwölf energiegeladene, kreative und tanzbare Tracks erwarten gespickt mit Ironie das Publikum.

Anders als die Songs von PPF sind SHY-Werke äußerst tanzflächen-orientiert. Harte Beats geben die Richtung an und werden von kreativen Synth-Sequenzen unterstützt. Keinesfalls chaotisch, sondern äußerst angenehm gestaltet PS den Aufbau der Songs, der nicht an der Flippigkeit der beiden Künstler zweifeln lässt.

„Fuck That I’m Human!“ verbreitet beim ersten Hören ein wenig Endzeitstimmung, was den großen Anklang erklärt, den Santa Hates You in der Cyber & Industrial Szene findet. Die Musik erinnert mich – je länger ich den Song in der Repeat-One-Schleife lasse – immer mehr an eine Maschine, die viele sich schnell bewegende Teile hat.

„Kennst du schon die neueste Sünde?
Selbst zu Denken ist untersagt.
Es ist bereits in aller Munde
Verbrecher ist, wer’s trotzdem wagt.“

Wie eine Pumpe drückt „Hexenpolizei“ einen vorwärts, gen Tanzfläche. Mit Witz und Ironie gehen Jinxy und PS gegen unseren Zeitgeist vor. In Zeiten der digitalen Informationsverbreitung ist man sehr schnell bereit, Gedanken anderer anzunehmen, ohne diese zu hinterfragen. Zwischen den Zeilen kann man Begriffe wie Sexismus und Beeinflussbarkeit durchschimmern sehen.

SHY: Peter Spilles & Jinxy
SHY: Peter Spilles & Jinxy

Nachdem die „Rocket Heart EP“ schon in Interviews interpretiert und erklärt wurde findet „Rocket Heart“ als Song Nummer vier Platz auf „Crucifix Powerbomb“. Themen wie Homophobie, Rassismus und Sexismus aufgreifend (siehe Interview v. Treffpunkt Schwarz Jan. 2010) soll dieser Song der Dringlichkeit von Änderungen in unserer Zeit aufmerksam machen.

Heutiges Special des Reisebüros „Santa Hates You“: Die „Hamster des Todes“ (Orkus 3/2010) laden ein zu einem Flug mit dem „Slime Green Spaceship“ in das SHY-Universum. Highlights der durchgeknallten düster-bunten Reise: ein „Buffet von erlesener Gedankentiefe und stimulierend rebellischen Eskapaden“ (Orkus 3/2010). Etwas futuristisch angehaucht ist auch dieser Song tanzflächenstürmender Natur.

„Sexuelle Unordnung“ macht wieder mächtig Lust auf Tanzflächeninvasion. Voyeurismus und Sexismus stehen im Zentrum des Sperrfeuers aus Beats, Synths und den aufmischenden Lyrics. Leider hat der Song nur 4.16min, was aber durch die Intensität vollauf kompensiert wird.
Trotzdem brauch man nach diesem Song nicht aufhören, denn auch „La Malìa“ hält einen auf dem Floor. Leicht psychedelisch verschwommen, mit einem zügigen Beat und flippiger Erschinung platzt der „La Malìa“ aus den Lautsprechern – und verzaubert den Hörenden. (malia = ital. Bezauberung, Entzücken)

Abschluss des furiosen Releases bildet „Bootcamp“. 5:41min, die noch einmal das grandiose Können von PS als Komponist zeigen. Wenn auch weniger einheizend, ist Bootcamp definitiv genau der Song, der den Abschluss einer „Kampfansage an alle konformistisch[e] geistig[e] Wellenbrecher“ bilden muss.

BassTierchen

Fazit: Man sollte dem Schicksal danken, das Jinxy und PS sich dereinst auf einem Friedhof trafen und zügig als Combo zueinander fanden – Die Geschichte ist übrigens nachlesbar im aktuellen Orkus 3/2010. Auf dem Tisch liegt ein meines Erachtens erstklassiges Werk, dass einem breiten Publikum wohl Gefallen sollte. Sowohl tiefsinnige Texte als auch Klänge überwältigender Vielfalt erwarten die Audienz, sowohl daheim, als auch in den Clubs.

Release: 19.02.2010

Tracklist:

  1. Fuck That I’m Human!
  2. Hexenpolizei
  3. God Is Hiding Under My Bed
  4. Rocket Heart
  5. Slime Green Spaceship
  6. You Make Me Wanna Bang My Head Against The Wall And Not In A Good Way
  7. Your Soul’s Funeral
  8. Z.O.M.B.I.E.
  9. Sexuelle Unordnung
  10. La Malìa
  11. The Bonus 2.0
  12. Bootcamp

Grandios: 10/10

Anspieltipps:

  • Das gesamte Album, am Stück. Laut. Endlosschleife.

Santa Hates You: MySpace

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  • marfanmorgue

    hej, hab das album auch schon zu ohren bekommen, allerdings bin ich ein wenig enttäuscht, da mich keins der stücke wirklich fesseln konnte.
    wer sich ein bild machen will, ohne das werk käuflich zu erwärben, dem lege ich ans herz mal lastfm.de zu besuchen, wo man sich momentan alle titel in voller länge anhören kann.
    ps: da gibts auch das neue terminal choice werk, was ich da in sachen fun-industrial echt besser find 😉
    grützi, der marfan

  • Alternativ könnte man am Donnerstag den 25.02. auch einfach ab 20 Uhr GG-Radio.de hören – Dort wird das Album vorgestellt & kann auch gewonnen werden.

    Grüße 😉