Satanic Warmaster - Nachzehrer
Satanic Warmaster - Nachzehrer

Satanic Warmaster – Nachzehrer (Review und Kritik)

Satanic Warmaster - Nachzehrer
Satanic Warmaster - Nachzehrer

Ein Nachzehrer ist im östlichen Volksglauben ein Verstorbener, der in seinem Grab liegt, an seinem Leichentuch knabbert und dabei den Menschen um ihn herum ihrer Lebenskraft beraubt oder sie mit Seuchen und Epidemien krank macht. Im weitesten Sinne also ein entfernter Verwandter des ebenfalls aus der Gegend stammenden Vampirs. Wo man früher eben diese Kadaver auf dem Bauch liegend mit allerlei bannenden Gegenständen begraben hat, benennt heute die finnische Black Metal Institution Satanic Warmaster um Alleinunterhalter Satanic Tyrant Werwolf sein nunmehr viertes Studioalbum neben einer Reihe Splitveröffentlichungen nach dieser düsteren Legende.

Dabei sind eben jene Splits (u. a. mit Gruppen wie etwa Aryan Blood oder auch Totenburg) wohl der Grund warum einigen Leuten das Kürzel „NSBM“ wieder mal schneller über die Lippen kommt, als jenen die eher auf Texte, Musik und Aufmachung eines Albums achten. Es sei also gleich vorweg gesagt, dass Leser die mit dieser überflüssigen und ziemlich dummen Art von Provokation nicht zurecht kommen an dieser Stelle lieber den Tab schließen – aus rein musikalischer Sicht muss „Nachzehrer“ nämlich ziemlich gut bewertet werden.

Satanic Tyrant Werwolf
Satanic Tyrant Werwolf

Der Mann hinter dem ganzen ist schließlich, trotz des großen Namens den sein Soloprojekt mittlerweile vorzuweisen hat, bodenständig geblieben und verfolgt auch mit seinem neuesten Werk den roten Faden den man von ihm gewohnt ist: Krieg, Tod, Folkloristik und all das mit einem gehörigen okkulten Einschlag. „Bodenständig“ deshalb, weil auch auf dieser Veröffentlichung der Sound und die Produktion wieder gewohnt organisch und zu keinem Zeitpunkt aufpoliert oder unauthentisch klingen. Ein solch raues und dennoch durchaus melodisches Album bekommt man selten zu hören, denn die sechs Stücke plus In- und Outro gehen gewohnt gut ineinander über und bieten einem ein grandioses Riff nach dem anderen, welche von rockig bis monoton reichen und der Scheibe eine ziemlich dichte Atmosphäre bescheren.

Alle Stücke von „Nachzehrer“ waren bereits im Mai in einer streng limitierten Auflage als Rohfassung auf der Compilation „W.A.T.W.T.C.O.T.B.W.O.A.A.“ enthalten, und können einen Anhänger des Finnen so natürlich nur noch bedingt überraschen. Aber selbst wenn man in die Vorabtracks schon vor einem halben Jahr rein gehört haben sollte, dürften Hymnen wie „One Shining Star“ oder agressive Meisterwerke wie „Warmaster Returns“ einen fesseln und so schnell nicht wieder los lassen.  Der räudige Sound, die grandiosen Riffs und die Stimme von Satanic Tyrant Werwolf knüpfen Nahtlos an seine letzte Veröffentlichung mit „Carelian Satanist Madness“ an und stehen dem in nichts nach.

Da lässt sich kaum mehr sagen, als das man es hier mit einem Pflichtkauf für Anhänger rohen und ungezwungenen Black Metals zu tun hat. Mag für den ein oder anderen ein bitterer (politischer) Beigeschmack mit dieser Band Hand in Hand gehen, kann man dieses Album musikalisch eigentlich nur abfeiern.

Fazit: Ich bin nicht einmal ein großer Satanic Warmaster Freund und kann trotzdem kaum einen Mangel an dieser Scheibe ausmachen. Das Album macht richtig Spaß, mit erhabenen Momenten sowie tiefschwarzer Bösartigkeit und Agression bis hin zur hypnotisierenden Monotonie ist jeder Song auf´s neue ein kleines Hörerlebnis, das Black Metal in seiner puren Reinheit zelebriert. Fans seiner alten Werke sollten blind zugreifen und auch um SW für sich selbst neu zu entdecken sollte dieses Album nicht das verkehrteste der Diskographie sein.

Titelliste von Nachzehrer:

  1. Intro
  2. Satan`s Werewolfes
  3. Vampires
  4. Warmaster Returns
  5. One Shining Star
  6. Bestial Darkness
  7. Rotting Raven´s Blood
  8. Utug-Hul

( 8,5 / 10 )

Anspieltips:
> Warmaster Returns
> One Shinig Star

Erscheinungstermin:
18.08.2010

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  • fred123123

    Zuerst heißt es, Satanic Warmaster spiele keinen NSBM (was angesichts von aussagekräftigen Veröffentlichungen wie ‚B.M. Kommando/Gas Chamber‘ völliger Unsinn ist), dann wird direkt im Anschluss die allseits bekannte Formulierung “aus rein musikalischer Sicht“ benutzt… Was denn jetzt? Man kann das Album auch gut finden, ohne sich a) etwas vorzulügen oder b) die Ideologie der Band zu Teilen.

  • Zigeunerjunge

    Erlich gesagt ist mir egal, ob SW nun NSBM sind oder nicht. Wir haben die Scheibe zur Rezension bekommen wie andere Magazine auch und es scheint völlig legitim zu sein sie zu rezensieren, ich hielt es blos für notwendig darauf hin zu weisen, denn so manch anderer wird über die anderen Veröffentlichungen von dem Kerl nicht so einfach hinweg sehen können – was auch vollkommen verständlich ist. Ich mag das Album – musikalisch. Der Mann dahinter ist mir vollkommen egal und seine fragwürdigen Einstellungen tun in einer CD-Bewertung auch gar nichts zur Sache. War vielleicht nicht die beste Formulierung, aber ich wollte hier nicht unkommentiert die Scheibe eines Projekts rezensieren die mit Leuten wie Totenburg zusammenarbeiten.