Schallfaktor – Sittenverfall (Review und Kritik)

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Schallfaktor - Sittenverfall

Schallfaktor, eine relativ junge Band, ist das Projekt des Kroaten Drazen Sucic. Dieser startete im Jahre 2006 recht fulminant mit dem in Eigenregie veröffentlichten Album „Schmerzgrenze“, was zu einem Vertrag mit der Institution Infacted Recordings führte, die immerhin klangvolle Namen wie Frozen Plasma oder Heimataerde führen. Nun auch eben Schallfaktor, die gegenüber den beiden vorher genannten göttlichen Bands qualitativ nicht abfallen.

Die Musik von Schallfaktor ist an sich recht schnell beschrieben. Dark Electro, haargenau auf die Clubs zugeschnitten der und eben dort mit stampfenden Beats, trancigen Keyboardflächen und verzerrten Vocals hingehört. Oberflächlich macht Schallfaktor also nichts anderes als die Kollegen aus dem Genre. Aber wie so häufig liegt der Teufel im Detail, denn der Kroate eine Menge ebendieser eingebaut, was seine Musik von einer großen Menge Genrekollegen abhebt. Auch über meine kleine Anlage ist der Klang überraschend gut und klar, was auf jeden Fall als Pluspunkt zu verbuchen ist, genau wie die Trancigen, partiell an die Labelkollegen Frozen Plasma erinnernden Keyboardflächen, die die Band wie eine deutsche Antwort zu Amduscia klingen lässt – Was etwas heißen soll, da selbige mit ihrem Album „Madness in Abyss“ eines der besten Electro/Industrial-Alben der letzten Jahre abgeliefert haben.

Ungefähr da, wo auch Amduscia aufgehört haben, machen eben auch Schallfaktor weiter. Detailreicher klang kaum ein Industrial-Album der letzten Jahre, und Sucic schafft es auf dem schmalen Grat zwischen zuhören und abtanzen niemanden mit kleinsten Frickeleien zu erschlagen und das Album auch für eher weniger Clubbegeisterte Menschen zuhause genießbar zu machen, ein Spagat, den bisher nur wenige Bands wie Nachtmahr, X-Fusion oder Suicide Commando geschafft haben.

Schallfaktor
Schallfaktor

Besonders gut gelungen sind das sozialkritische „Promiskuitiv, „Glaskastentraum“ und „Suicide Confession“, das sich nicht so schnell aus den Playlists der einschlägigen Clubs verdrängen lassen wird. Interessant ist auch das eher ruhige, chillige „Infinity“, das einen netten Kontrast zu den Tanz-Songs bietet.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Schallfaktor sind nun so nicht unbedingt etwas „neues“, aber etwas sehr interessantes. Im Gegensatz zu vielen Acts, die, so klingt es, darauf hoffen, dass etwas fast so gut wie der Clubhit XY klingt und eventuell auch ebensogut ankommen wird, baut Sucic auch einen ordentlichen Zuhörfaktor ein und lässt pubertäre S/M-Samples, wie sie derzeit in Mode sind, fast komplett aussen vor. Zwar kann er auch nicht ganz ohne Sex (so firmiert das 6. Lied „Friss Mich“ als Lied Nummer Sex, wie subtil), aber da in Maßen nichts dagegen einzuwenden ist, finde ich es einfach mal recht gelungen. Insgesamt also ein starkes Album, das sich ein wenig von den rein clubfixierten Genrekollegen abhebt. Für ein starkes Album gibt es als0 insgesamt 8 Punkte.

8 / 10
8 / 10









Tracklist:

  1. Glaskastentraum
  2. Promiskuitiv
  3. Mir
  4. Suicide Confession
  5. Gezeugt in Hass
  6. Friss Mich
  7. Seelenfresser
  8. Infinity
  9. Malfunction
  10. Aroused
  11. Menschen

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