Scorpions - Sting in the tail

Scorpions – Sting in the tail (Review und Kritik)

Scorpions - Sting in the tail

Die Scorpions sind für mich in etwa so wie Helmut Kohl oder Papst Johannes Paul II., irgendwie schon immer da gewesen und aus meinem Leben ganz schwer wegzudenken. Während mittlerweile andere Köpfe in den Machtpositionen von Kirche und Staat mehr oder weniger schlecht als recht agieren, gibt es die Scorpions als Randerscheinung der Rock und Metal-Szene immer noch, bzw. gab es, denn nun ist mit „Sting in the tail“ das letzte Album einer Band erschienen, die nicht nur die deutsche Rockmusik, sondern auch die Welt für viele Menschen, die mit ihrer Musik aufgewachsen sind, stark beeinflusst haben.

Scorpions

Warum ich die Scorpions als Randerscheinung bezeichnete ist klar, denn der schwere Crash, den die Rockmusik in den 90ern erleben durfte, war neben durchwachsenen Alben, wie „Face the heat“ oder „Pure Instinct“ ein Auslöser dafür, dass die wenigsten daran glauben mochten, dass die Hannoveraner jemals wieder an die Form der 80er anknüpfen können. Das hundsmiserable „Eye to eye“ (ich erinnere nur an den absoluten Griff ins Klo „Du bist so schmutzig„) erschien für viele als endgültiger Sargnagel einer Band-Karriere, die, seit die Scorpions 1965 als Beat-Band den Geist der damaligen Zeit bediente, in den 70ern von Krautrock über heftigen Hardrock bishin zum Stadionrock der 80er eine auch kommerziell höchst erfolgreiche Entwicklung durchmachte, mit dem Mauerfall und dem bis zur Unhörbarkeit durchgenudelten „Wind of change“ ihren künstlerischen Einbruch erfuhr, von der sich die Band nur schwer erholte. Auch wenn die letzten Alben „Unbreakable“ und „Humanity – Hour I“ sich nicht mehr ganz so gut verkauften, schafften es die Skorpione endlich wieder Rocksongs zu schreiben, denen man auch den Spaß an der Sache anhörte und letztendlich stellt der Schwanengesang „Sting in the tail“ genau das Album dar, was ich mir von den Scorps endlich wieder erwartet habe.

Keine Experimente, von vorne bis hinten voll mit grandiosen Rocksongs und den typischen Powerballaden und genau das ist es doch, was man als Fan haben möchte! Die Zeichen stehen wieder auf Rock, was man anhand der Songtitel auch ohne Musik erkennen kann und das beginnt schon mit dem coolen Opener „Raised on rock„. Einfach gestrickt, zum Mitgröhlen geeignet und mit der „The Zoo„-Voicebox von Matthias Jabs sofort ein augenzwinkernder Blick in die 80er. Und solche Momente wird es noch etliche geben. Das Titelstück klingt da schon etwas moderner, rockt aber genauso nach vorne los und bereitet den Weg für den groovenden Stampfer „Slave me„. Und ab da bleibt kein Rockerauge mehr trocken. Was für ein scheiss-geiles Lied, so unheimlich frisch wie schon lange nicht mehr. Wenn man bedenkt, dass die Herren Schenker und Meine die 60 schon überschritten haben, muss man einfach Respekt zollen!

Scorpions

Mit „The good die young“ gibts die absolute Hymne, bei der Gott sei dank Frau Tarja Turunens Gastspiel schön in den Hintergrund gemischt wurde, die sich ins Hirn fräst und so schnell nicht mehr raus möchte. Wann hatte man das in der Form das letzte Mal? Die ultrateutonische Ballade „Lorelei“ rührt zu Tränen und macht noch mal deutlich, dass die Scorpions in manchen Momenten sicherlich einen gewissen Hang zum Schmalz besitzen, aber hier endlich wieder so überzeugend auftreten, dass einem ein Schwall an Gefühlen entgegenschwappt. Nicht viel anders ergeht es einem mit „SLY„, welches nicht nur ein bisschen an „Still loving you“ erinnert, dieses jedoch nicht einfach kopiert, sondern eigene Akzente setzt.

Den hoffnungsvollen Abschluss „The best is yet to come“ darf man als finalen Trost für die Zukunft ansehen, denn seit dem 19. März 2010 sind die letzten Scorpions-Songs auf CD erschienen und nach ausgedehnter Welt-Tournee sind wie schon Helmut Kohl und Papst Johannes Paul II. die Hannoveraner Teil der Geschichte, die ich nie vergessen werde und mich immer irgendwie begleiten wird. Danke dafür und für 45 Jahre wundervolle Rockmusik!


Fazit:

Mit Wehmut vergehen die letzten Sekunden von „The best is yet to come„, da man eigentlich genau weiß, dass eben nichts mehr kommen wird. Nichts mehr von der Band, die einen das ganze Leben begleitet hat, die einen durch Höhen und Tiefen führte, die man schon fast vergessen hat und die letzten Jahre dann doch wieder zurück kam. Und der Abgesang „A sting in the tail“ ist wohl das perfekte Album zum Abschluß einer unglaublichen  Bandgeschichte. Nicht jeder Song ist ein einhundert prozentiger Treffer, aber trotzdem besser als alles, was die letzten Jahre von den Scorpions erschienen ist. Ein absolut würdiges Abschlußalbum!!


Trackliste:

  1. Raised on rock
  2. Sting in the tail
  3. Slave me
  4. The good die young
  5. No limit
  6. Rock zone
  7. Lorelei
  8. Turn you on
  9. Let’s rock
  10. SLY
  11. Spirit of rock
  12. The best is yet to come


9/10

Anspieltipps:

Slave me, The good die young, Lorelei

Erscheinungstermin:

19. März 2010

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