Sepultura - A-Lex

Sepultura – A-Lex (Review und Kritik)

Sepultura - A-Lex
Sepultura - A-Lex

Sepultura – A-Lex (Review und Kritik)

Sepultura ganz ohne die Cavaleras? Geht das? Nachdem Max ja schon vor langer Zeit den Posten des Frontschreihalses geschmissen hat und sich Soulfly und diversen anderen Projekten widmete, hat die brasilianische Metallegende nun auch Trommler Igor Cavalera verloren und steht nun gänzlich ohne zwei der wichtigsten Gründungsmitglieder da. Viele Fans hatten die Band bereits beim Einstieg Derrick Greens abgeschrieben und Sepultura konnten seit dem auch nicht mehr wirklich an alte Erfolge anknüpfen. Obschon Derrick nunmehr seit 10 Jahren den Posten des Fronters beschreitet wird er immer noch gerne „der neue Sänger“ genannt. Bleibt zu hoffen das nach dem Einstieg Jean Dolabella an den Drums der Unmut der Fangemeinschaft nicht weiter wächst und das letzte verbliebene Gründungsmitglied Paulo Xisto Pinto mit „A-Lex“ zu früherer Stärke zurück findet.

Im Vorfeld ließ sich das komplette Album bereits über das beliebte Online-Radio Last FM anhören um den Fans die Wartezeit auf den neuen Longplayer etwas zu versüßen und vor allem mächtig die Werbetrommel für eine Band zu schlagen, die in den letzten Jahren nicht immer vom Glück und Erfolg verfolgt war. Ob dies jedoch ein so guter Schachzug der Plattenfirma war, muss sich erst noch heraus stellen, denn was die Brasillianer hier vorlegen wird selbst so manchem Fan schwer im Magen liegen und wahrscheinlich eher vom Kauf des Albums abhalten. Zwar beginnt die Scheibe nach dem Einlegen mit dem ersten von insgesamt vier Intros „A-Lex I“ noch sehr atmosphärisch und Stimmungs-aufbauend, kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass schon mit dem ersten richtigen Stück der Scheibe „Moloko Mesto“ alles verkehrt gemacht wurde was falsch zu machen ist. Undefinierbar wird hier ausschließlich auf schnellen agressiv scheppernden Sound als auf strukturieten Songaufbau gesetzt. Durchaus beherrschte Soli können nun einmal leider nicht alles retten. „Filthy Rot“ klingt nicht ausgereifter, scheint aber den „Tribalstyle“ der alten Sepultura und den heutigen Soulfly aufgreifen zu wollen – unnötig zu erwähnen, dass ihnen dies auch schon besser gelungen ist.

„We`ve lost you!“ ist sicher das treffenste was die Band zu einer Menge früherer Anhänger sagen kann. Besonders nach dem man beim Vorgänger Dante XXI noch hoffen durfte Sepultura hätten sich zurück auf ihre Stärken besinnt. Leider wäre auch das Stück des neuen Albums, das diesen negativen Namen trägt, auf den alten Scheiben der Band nicht mehr als ein Lückenfüller gewesen. Auch wenn einem hier erstmals eine akzeptable Spielzeit geboten wird schafft es das Lied nicht zu überzeugen. Um so ärgerlicher das mit „What I Do!“ wieder nur ein Track von knappen zwei Minuten eingeschoben wird, der aber erstmals interessant klingt. Würde das komplette Album die Dynamik dieses Stückes aufweisen wäre der Band ein gehöriger Schritt zurück zu ihren Wurzeln gelungen.

Doch bevor dieser Wunsch erfüllt werden kann wird zunächst das nächste Kapitel der bisher so enttäuschenden Scheibe eingeleitet. „A-Lex II“ tönt zunächst wieder atmosphärisch aus den Boxen, bevor mit tiefen Riffs und scheppernden Drums der Übergang zu „The Treatment“ geschaffen wird. Und dieser Song macht zum Glück zunächst dort weiter wo der Letzte des vorangegangenen Kapitels aufgehört hat. Schnell und musikalisch durchaus einwandfrei stört eigentlich lediglich die etwas unpassend wirkende Stimme des Fronters Green. Die Hoffnung, dass es mit „Metamorphosis“ so weiter geht, wird leider schnell im Keim erstickt. Hier wird einem ein langsames Stück ohne großen Wiedererkennungswert geboten, so das der Griff zum „Skip“ Knopf am Player nahezu unvermeidbar ist. Hat man doch mit „Saditic Values“ einen der wenigstens etwas hörenswerten Songs des Silberlings direkt im Anschluss. Ein Drumsolo sowie Derriks flüsternde Stimme leiten den Ausnahmesong des Albums. Erstmals bemüht der Fronter sich, mit etwas ungewohnt klingendem Klargesang um etwas Abwechslung in seiner Tonlage. Durchaus begrüßenswert nach all dem unkoordiniertem Geschepper das uns bis hier hin geboten wurde und in das „Forcefull Behavior“ wieder verfallen wird. Ähnlich kurz und unprägnant präsentiert sich dann im Anschluss mit „Conform“ der letzte Abschnitt des zweiten Kapitels. Zwar wird einem hier ein solides Riffing geboten, doch über den Status eines Intros oder Lückenfüllers kommt auch das Lied mit der geringen Spielzeit von nicht einmal zwei Minuten nicht hinaus.

Sowohl Fans als auch Kritiker sollten, falls sie es tatsächlich bis „A-Lex III“ geschafft haben, wohl nicht mehr wirklich mit Innovationen und größeren musikalischen Leitungen rechnen. So das „The Experiment“ nicht mehr wirklich schockiert, sondern nur noch langweilt. Und auch bei dem ruhigeren „Strike“ und dem wiederum extrem kurzen „Enough Said“ retten sich die brasilianischen Thrasher nicht aus dem untergehenden Boot. Lediglich das von Beethoven „gecoverte“ „Ludwig van“, welches seine „Ode an die Freude“ wieder aufgreift und instrumental gehalten ist, ist in diesem Kapitel erwähnenswert. Unnötig zu sagen das das Lied sich kaum in den bisherigen Albumverlauf einordnet und natürlich lange nicht an das Original heranreichen kann.

Bleibt nur noch der Abschluss des Silberlings mit dem letzten Abschnitt „A-Lex IV“ welcher nach dem euphorischen Ende des letzten Stückes wieder melancholisch und bedrückend das letzte Lied mit dem Titel „Paradox“ einleitet. Das einzig paradoxe hierbei scheint allerdings zu sein, das sich auch dieses Stück kaum vom restlichen Einheitsbrei der vorangegangenen Scheibe abhebt. Hier hat man es leider wieder einmal mit einer ehemals erfolgreichen Band zu tun, die heute nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.

Tobias "Zigeunerjunge" Geers
Tobias "Zigeunerjunge" Geers

Fazit: Wer Sepultura zu Max´ Zeiten mochte sollte der CD wahrscheinlich keines Blickes würdigen, aber auch Fans der „neuen“ Sepultura dürften von dieser Scheibe stark enttäuscht werden. Nach dem starken Comeback mit „Dante XXI“ vor zwei Jahren hatte ich wirklich damit gerechnet von dieser Band noch wieder zu hören, aber diese CD schafft es sogar noch belangloser als „Roorback“ sein und leider nur durch eine schreckliche Produktion aufzufallen. Ähnlich schlimmen Drumsound hatte man das letzte mal bei Metallicas St. Anger vernehmen dürfen. Es ist schade was aus dieser Band geworden ist, aber die Hoffnung von Sepultura irgendwann ein neues „Roots“ geboten zu bekommen darf wohl begraben werden.

 




Tracklist A-Lex

  1. A-Lex I 01:54
  2. Moloko Mesto 02:09
  3. Filthy Rot 02:46
  4. We’ve Lost You 04:15
  5. What I do! 02:01
  6. A-Lex II 02:18
  7. The Treatment 03:24
  8. Metamorphosis 03:02
  9. Sadistic Values 06:51
  10. Forceful Behavior 02:28
  11. Conform 01:54
  12. A-Lex III 02:03
  13. The Experiment 03:28
  14. Strike 03:41
  15. Enough Said 01:37
  16. Ludwig Van 05:30
  17. A-Lex IV 02:46
  18. Paradox 02:16

(2,5 / 10)


Anspieltips:
– What I Do!
– Ludwig van


Erscheinungstermin:
23.01.2009


http://www.sepultura.com.br/

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