Sólstafir – Interview mit Guðmundur Óli Pálmason

Sólstafir
Sólstafir

Nachdem Solstafirs Album Köld nicht nur bei uns volle Punktzahl abgeräumt hat und bestimmt bei vielen Redakteuren und Fans jetzt schon ein sicherer Kandidat für das Album des Jahres ist, haben wir uns mit den Isländern in Verbindung gesetzt und von Guðmundur Óli Pálmason, der Einfachheit halber Gummi genannt, Antwort erhalten.

Gummi: Hallo! Gummi von Solstafir hier!
Danke für das Interesse und eure Unterstützung.
Hier sind die Antworten!
Hail and kill!

Schwarze News: Hallo, wie geht es euch denn, jetzt nachdem Köld endlich auf dem Markt ist? Es muss ja eine große Erleichterung für euch sein, nachdem es sich ja doch recht hingezogen hat.

Gummi: Ja, mit Sicherheit! Wir waren total erledigt, nachdem wie 3 Wochen im Studio gearbeitet, geschlafen und gelebt haben, dazu die intensiven Proben in den sechs Monaten davor. Das war auch ein Teil der Verspätung, wir hatten nicht die Energie, den Mix voranzutreiben.

Schwarze News: Spinefarm scheint euch ja nicht wirklich informiert zu haben, wann das Album denn nun erscheint. Eure Verwirrung auf eurer Myspace-Seite wa deutlich. Seid ihr mit der Arbeit des Labels eigentlich zufrieden, oder seid ihr froh, wenn wenigstens alles halbwegs klappt nach euren Erfahrungen mit Ars Metalli?

Gummi: Zuerst möchte ich betonen, dass Ars Metalli uns extrem gut behandelten, es kamen einfach nur das Auseinanderfallen des Labels und die Veröffentlichung unseres Albums zusammen.
Spinefarm behandelt uns auch gut, obwohl da einige Dinge sind, die sie besser machen könnten. Zum Beispiel erhielt “Masterpiece of Bitterness” keinerlei wirkliche Promotion und bislang habe ich auch keine Promotion für “Köld” gesehen. Es gab nicht einmal eine einzige Erwähnung auf deren Website, dass das Album erschienen ist, als ich das letzte Mal nachgesehen habe.
Köld war das zweite Album eines zwei Alben Deals mit Spinefarm, also werden wir jetzt vermutlich beginnen über unseren nächsten Wechsel nachzudenken.

Sólstafir
Sólstafir

Schwarze News: Darf man auf eine Wiederveröffentlichung von „I blodi og anda“ hoffen? Die russische Version von Oskorei ist in Deutschland ja nur schwer erhältlich. Was haltet ihr davon, dass das Album bei Ebay so hoch gehandelt wird? Was denkt ihr im Nachhinein über das Album und über die Anfänge eurer Karriere?

Gummi: Ich wusste nichts davon, auf Ebay hoch gehandelt zu werden.
Í Blóði og Anda wird Ende diesen Jahres oder nächstes Jahr als Vinyl erscheinen. Bislang gibt es keine anderen Pläne fuer ein Rerelease.
Ich mag das Album immer noch, genauso „Til Valhallar“, das wir vorher veröffentlicht haben. Das Alles ist Teil dessen, wer wir sind und wo wir herkommen.

Schwarze News: Unverständlicherweise werdet ihr von etlichen immer noch nur als Geheimtipp gehandelt und das, obwohl ihr bisher nur hochkarätige Alben veröffentlicht habt. Denkt ihr, mit Köld endlich den richtigen Durchbruch zu schaffen, oder seid ihr ganz zufrieden einen eher kleinen, dafür umso fanatischeren Kreis von Anhängern um euch zuscharen?

Gummi: Ich hoffe, “Köld” bring uns einige neue Fans. Nicht, weil wir berühmt sein wollen oder so, aber nur so können wir mit dem weitermachen, was wir lieben und auf diese Weise bekommen wir die Möglichkeit, an so vielen Orten wie möglich zu spielen. Es wäre auch nett, wenigstens ein bisschen Geld mit der Band zu machen, statt nur welches zu verlieren. Aber, wie ich schon sagte, das ist nicht wirklich das Wichtige.

Schwarze News: Köld ist ja in dem Zusammenhang doch wesentlich eingängiger als noch Masterpiece of bitterness. War diese leichtere Zugänglichkeit beabsichtigt, oder packt ihr einfach eure Emotionen aufs Band ohne wirklich direkten Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen?

Gummi: Wir haben nie beschlossen, wie ein Album oder ein Song klingen sollte. Wir schwimmen einfach mit dem Strom. Unsere Musik ist der Fahrer und wir sind die Passagiere. Wir gehen dahin, wo die Musik uns hinbringt, wir gehorchen ihr, nicht andersherum.

Schwarze News: Das Album ist wieder unglaublich nachhaltig und emotional geworden. Ihr scheint euch von euren Wurzeln immer mehr zu entfernen und immer mehr Genre fremde Einflüsse zuzulassen. Erstaunlicherweise seid ihr eine der enigen Bands bei der das wirklich positiv aufgenommen wird. Wie erklärt ihr euch diesen besonderen Status?

Sólstafir - Live
Sólstafir - Live

Gummi: Ich erkläre es überhaupt nicht und um ehrlich zu sein weiss ich nicht wirklich viel darüber.
Unsere Einflüsse sind ein großer Schmelztiegel und wir werfen weiter alle möglichen Dinge hinein. Nichts wird jemals rausgeworfen und nichts ist zu abwegig, um hineinzukommen.

Schwarze News: Erzählt doch etwas vom Aufnahme- und Enstehungsprozess des Albums. Nachdem ihr mittlerweile kaum mehr alle zusammen auf Island lebt, wird es wohl eher selten zu echten Bandproben kommen.

Gummi: Die Geburt von “Köld” war ein langer, harter, schmerzhafter Prozess, wie jede Geburt. Es wurde in harten Zeiten in die Welt gesetzt, sowohl für die Band als Kollektiv als auch für uns als Individuen.
Wir schrieben einige Sachen schon 2005 oder 2006 und weil wir dazu tendieren, langsam zu arbeiten, beschlossen wir, uns selbst ein wenig Druck zu bereiten und im Sommer 2008 reservierten wir das Studio für Dezember. Von da begann eine lange, harte Zeit mit fünf oder sechsmal wöchentlich proben, vier bis fünf Stunden jede Nacht, um die Songs zu schreiben und glattzufeilen. Wir waren kaum fertig, als wir ins Studio gingen und noch dort arrangierten und rearrangierten wir einige Songs.
Ja, seit Addi nach Glasgow zog und später ich nach London war es uns nicht möglich, viel zu proben, haben nur ein paar einmalige Shows gespielt. Aber Addi wird in ein paar Tagen nach London ziehen und Svavar wird ihm in den Niedergang folgen. Nur Gringo wird in Island zurückbleiben, da er gerade ein Baby mit seiner Freundin bekommen hat. Aber der Rest von uns wird von London aus agieren, mit einem Übergangsgitarristen. Ich möchte betonen, dass Gringo NICHT aus der Band aussteigt. Er wird so viel mit uns spielen und touren, wie möglich.

Schwarze News: Was haltet ihr von den bisher recht euphorischen Reaktionen auf Köld? Kaum ein Magazin gibt nicht die volle Punktzahl. Bestätigt euch dies in eurer Herangehensweise? Es müsste euch ja sicherlich mit Stolt erfüllen, so mit Lob überschüttet zu werden. Gab es auch kritische Stimmen zu Köld?

Sólstafir - Köld
Sólstafir - Köld

Gummi: Ja, ich kann nicht leugnen, dass es uns stolz macht. Ich würde nicht sagen, es macht die ganze Arbeit wett, denn selbst wenn wir die einzigen wären, die das Album mögen, so wäre es das alles noch immer wert, aber ja, es ist eine Belohnung.
Bislang habe ich noch nicht ein Review gesehen, das unter dem Durchschnitt ist.

Schwarze News: Nachdem ihr mit dem Demo I nordri und eurer ersten EP Til valhallar noch eher in den Viking/Pagan Metal Bereich zuzuordnen gewesen seid, hat sich doch mittlerweile einiges bei euch geändert. Was haltet ihr von diesem Schubladen denken? Wie steht ihr denn zu der anhaltenden Pagan Welle?

Gummi: Ich kann nicht behaupten, dass wir viel davon mitbekommen, da wir ziemlich isoliert von der Szene sind. Mir ist es egal, wir Leute ihre Musik nennen, aber ich finde es lustig, dass wir noch immer Viking Metal genannt werden, obwohl wir nichts mit Viking Metal Bands gemeinsam haben, weder musikalisch noch textlich.

Schwarze News: Unglücklicherweise ist es mir bis heute noch nicht gelungen, einen eurer selten Auftritte in Deutschland beizuwohnen. Wie sehen denn eure Konzertpläne aus und wird es eine Tour geben?

Gummi: Ja, wir haben dem PartySan zugesagt und wahrscheinlich werden wir im September eine Europatour mit 20 Terminen machen, gemeinsam mit einer verdammt guten deutschen Band und hoffentlich auch einer amerikanischen. Ich möchte keine Namen nennen, da es noch nicht bestätigt ist.
Dazu sehen wir uns nach anderen Möglichkeiten um und sind immer offen für gute Angebote. Also, wenn jemand eines hat, kann er uns über MySpace erreichen.

Sólstafir
Sólstafir

Schwarze News: Wie geht es nun mit Solstafir weiter, nachdem das Album veröffentlicht worden ist? Werdet ihr euren gewohnten Arbeitsrhythmus weiter nachgehen und in drei bis vier Jahren ein neues Album veröffentlichen? Solange solche Überplatten wie Köld dabei raus kommen, würde ich mich nicht daran stören.

Gummi: Das kann ich nicht wirklich sagen. Wir haben seit „Köld“ noch nicht einen Song geschrieben, aber ich hoffe, dass, wenn die Kugel einmal ins Rollen kommt, wir ein wenig schneller arbeiten als bisher.

Schwarze News: Nun, dann danke ich euch recht herzlich für eure Zeit und überlasse euch die letzten Worte an unsere Leser.

Gummi: Vielen Dank für das Interview und die Unterstützung, wir wissen es sehr zu schätzen.
Für die von euch, die guten Modegeschmack haben, verkaufen Ketzer-Records einige Merch-Produkte von uns und es werden bald weitere folgen. (www.ketzer-records.de)

All hail Gísli Súrsson!


Dank gebührt Madame Obstay für die Übersetzung und Bieberpelz für den Kontakt.

About Iskharian

Check Also

Lilith LaVey – Junge, aufstrebende Musikerin im Interview

Lilith LaVey – eine junge Musikerin aus den Staaten, die in der kommenden Woche ihre …