Sonata Arctica – The Days of Grays (Review und Kritik)

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Sonata Arctica - The Days of Grays

Nach gut zwei Jahren melden sich Sonata Arctica mit „The Days of Grays“ zurück. Obwohl ich ein großer Fan dieser Band bin muss ich zugeben, dass sich meine Vorfreude auf das neue Album dieses Mal in Grenzen hielt. Mit „The Reckoning Night“ hatte die Band für mich persönlich ein wenig nachgelassen und „Unia“ konnte mich auch nicht wirklich überzeugen.  Auch wenn beide Alben ihre Highlights parat hatten, war es doch nicht das was ich mir gewünscht hätte und von den älteren Alben gewohnt war. Da ich der Meinung war, dass Sonata Arctica die Richtung „Unia“ weitergehen würden, bin auch ohne irgendwelche Erwartungen an das neue Album herangegangen. Was ich nun beim Hören des Albums erleben durfte war eine große Überraschung! Es ist kein einziges Lied auf „The Days of Grays“ welches enttäuscht. Das Album ist Gänsehaut pur im CD-Format und es sind wieder sehr viele Elemente der alten Alben enthalten. Trotzdem sollte man kein reines Powermetal-Album wie z.B. „Ecliptica“ erwarten. Die meisten Songs kommen Midtempo daher, halten aber trotzdem eine neue Art von Bombast für den Hörer bereit. Man könnte glatt meinen, die Jungs hätten sich die besten Einflüsse ihrer ganzen Alben genommen um etwas Neues daraus zu mixen. Man merkt schnell, dass die Band in ihrer Entwicklung keinesfalls stehengeblieben ist. Sie haben sogar noch einen großen Sprung nach vorne gemacht, jedoch ohne sich dabei selber untreu zu werden. Was die Melodien betrifft, sind sie auf jeden Fall zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und verpacken diese in ein moderneres und frischeres Gewand.

An dem instrumentalen dreiminütigen Intro „Everything Fades To Gray“ kann man erkennen, dass der orchestrale Part stärker ausgebaut wurde. Mit Streichern und Klavier wird das Album ruhig eröffnet bevor es dann die erste große Überraschung auf dem neuen Werk gibt. Mit viel Bombast und ungewohnt düster beginnt „Deathaura“, wird aber schnell durch den ersten Gesangspart unterbrochen. Dieser kommt aber nicht wie erwartet von Tony, sondern von Johanna Kurkela. Sonata Arctica haben sie als Gastsängerin dazugeholt und ich finde, dass die Band mit ihr eine gute Wahl getroffen hat. Mit ruhigem und sanften Gesang sichert sie sich die Gunst des Hörers, doch so plötzlich wie ihr Part angefangen hat, so endet er auch wieder. Ab jetzt wird man von Tonys Stimme durch einen achtminütigen Strudel aus schnellen Melodien- und Tempowechseln gezogen. Nun kann man bereits ahnen, was einen auf dem neuen Album erwartet. Die düsteren Elemente wie zu Anfang dieses Songs finden sich übrigens in mehreren Liedern, aber so perfekt zusammengesetzt, dass die melancholische Stimmung nicht darunter leidet.

Weiter geht es mit „The Last Days Of Grays“, einem Sonata Arctica typischen Hit, der auch sehr gut auf eines der ersten Alben gepasst hätte. Der Song besteht hauptsächlich aus bekannten Trademarks der Band, eine Stelle erinnert jedoch unweigerlich an neuere Werke von Nightwish. Spätestens ab 3.43 Minuten wisst ihr bestimmt was ich meine. Dieser neue Stil ist auch in anderen Songs enthalten und ich finde, dass es den Sound der Band sehr gut aufpeppt und sie dennoch nicht verfremdet.

„Flag In The Ground“ wurde als erste Single gewählt und ist auch wieder ein typischer Sonata Arctica Song, dieses Mal einer der etwas schnelleren Sorte. So unverkennbar, dass man, wenn man ihn das erste Mal im Radio hören würde, sofort wissen müsste von welcher Band er ist.

Mit der obligatorischen Ballade „Breathing“ wird es erst einmal ruhiger und besinnlicher bevor dann „Zeroes“ durch seinen Stil aus dem Album heraus sticht und eine etwas progressivere Schiene eingeschlagen wird. Ein wirklich Klasse Song, der mich sofort begeistert hat. Progressiv angehaucht ist auch „The Dead Skin“. Ein Titel, der dadurch auffällt, dass er sich im Verlauf in der Härte steigert, aber die melodiösen Passagen dabei nicht zu kurz kommen lässt.

Eine kleine aufregende Achterbahnfahrt erwartet einen mit „Juliet“ bei dem Stil- und Tempowechsel angesagt sind, bis man durch eine Spieluhr und dazu singende Kinder gestoppt wird.

Irische Klänge unterstützen bei „No Dream Can Heal A Broken Heart“ und auch Johanna ist wieder an Tonys Seite, um ihn etwas zu entlasten und gesanglich kurz verschnaufen zu lassen.

Als ruhige traurige Hymne entpuppt sich „As If The World Wasn´t Ending“ und auch „The Truth Is Out There“ fährt mit einem großen Gänsehautfaktor auf. Der Song steigert sich fast episch und im Mittelteil liefert sich eine herzzerreißend traurige Violine, welche mich stark an The Sins of Thy Beloved erinnert, ein kleines Duell mit der Gitarre. Bitte mehr davon!

Den abgerundeten Abschluss liefert noch einmal „Everything Fades To Gray“, dieses Mal jedoch mit Tonys Gesang und einem bombastischen Ende.

Wer jetzt noch nicht genug hat sollte sich das Album im Digipack zulegen, denn dort ist noch die schöne Ballade „In The Dark“ als Bonustrack enthalten.


Base_SNFazit: Es wird wieder kälter und „The Days of Grays“ passt perfekt in diese Jahreszeit. Mit so einem starken Album habe ich nach „Unia“ wirklich nicht gerechnet! Geht die Gänsehaut auch noch mal weg? Fast 65 Minuten traurige, melancholische und düstere Melodien, die mit Schmerz und Hoffnung berühren und ergreifen. Komplexe, aber nicht zu komplizierte Songs mit einigen Tempowechseln. Das Ganze gekleidet in ein Gewand aus gewohnten Elementen, gepaart mit einigen neuen Einflüssen und orchestralem Bombast, der genau richtig eingesetzt ist und nicht dominiert. Ich bin mir fast sicher, dass ich das für mich beste Album diesen Jahres in den Händen halte und wohl auch das beste Album in der Karriere der Band. Ich habe mich immer gefragt, bei welcher CD ich einmal 10 volle Punkte geben könnte und jetzt weiss ich es. Hier stimmt alles und es gibt nicht einen schlechten Song auf „The Days Of Grays“. Sonata Arctica haben sich neu erfunden, sind aber dennoch die alten geblieben. Fans der Band können die CD blind kaufen und werden bestimmt nicht enttäuscht sein!

Tracklist:

  1. Everything Fades To Gray (Instrumental Version)
  2. Deathaura
  3. The Last Amazing Grays
  4. Flag In The Ground
  5. Breathing
  6. Zeroes
  7. The Dead Skin
  8. Juliet
  9. No Dream Can Heal A Broken Heart
  10. As If The World Wasn’t Ending
  11. The Truth Is Out There
  12. Everything Fades To Gray (Full Version)
  13. In The Dark (Bonustrack)


10/10
10/10


Anspieltipps:

  • Deathaura
  • The Last Amazing Grays
  • Zeroes
  • The Truth Is Out There

About Base4ever

Ach ich glaube da gibt es so viel ;-) Ich bin Metal-, Konzert-, Hörspiel, Film und Serienjunkie. Beruflich leite ich ein Team von 20 Mitarbeitern. Ich moderiere im Forum www.Blackpott.de Ich bin 30 Jahre jung, wohne in Essen und bin zur Zeit Single. Ich habe gerade wieder damit angefangen Sport zu treiben und entspanne gerne in der Sauna. Wer noch fragen hat einfach melden ;-)

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