Saltatio Mortis

Spiel(-männer), Spaß und Überraschungen auf dem Burgfolk Festival 2014

Es ist Mitte August und Wochenende. Doch das Wetter scheint diesen Umstand nicht zu kennen. Oder es interessiert es einfach nicht. Die Temperaturen schwanken um die 18 Grad Celsius, Wolken bedecken den Himmel und immer wieder schauert es.

Keine guten Bedingungen für ein Festivalwochenende, doch wen stört das schon? Mit Regenschirm und guter Laune im Gepäck ging es zum wunderschönen Schloss Broich, dessen Hof eine hervorragende Atmosphäre für das Burgfolk Festival bot. (Achtung Spoileralarm, vorweg sei verraten, dass der Schirm überraschenderweise nur zwei Mal kurzzeitig benötigt wurde!)

„Ahoi Mühlheim“ begrüßte der Opener „Mr. Hurley und die Pulveraffen“ in feinster Piratenmanier die Besucher im Burghof. Sich selbst als „Santiano für Arme“ bezeichnend, zog die Band das Publikum mit Witz und eingängigen Melodien schnell in ihren Bann und sorgten für eine ausgelassene Stimmung und viel Betrieb an den Bierständen. Aber nicht, um die Band zu ignorieren, sondern um es dem Lied „Blau wie das Meer“ gleich zu tun. Gefühlt hätten sie einen späteren Platz in der Running Order verdient, doch wer hätte dann unmittelbar für so gute Stimmung gesorgt?

Eine Pause vom Schunkeln und Grölen gönnte „In Search of Rose“ den Anwesenden, die einen soliden, aber unspektakulären Auftritt hinlegten, bevor „Versengold“ richtig Gas gab. Sie legten eine actionreiche Performance hin, von der sich alle Gäste des Festivals gerne anstecken ließen. Spätestens bei ihrem Song „Wem? Uns!“ war die Stimmung auf dem Höhepunkt angekommen und flachte bis zu dem letzten Klängen des Abends nicht mehr ab.

„Versengold“ schaffte damit eine perfekte Voraussetzungen für den Headliner des Freitags: Saltatio Mortis. Doch auf diese hieß es erst einmal warten. Um 20.45 Uhr sollte Saltatio Mortis mit ihrer Show beginnen, doch das Publikum stand vor einer leeren Bühne. Gerade als selbst die Besucher, die zuvor noch sagten, dass es typisch „SaMo“ sei zu spät zu kommen, nervöse Blicke auf ihre Uhren warfen, ertönte das Intro und die Scheinwerfern leuchteten die Bühne aus. Es war inzwischen 21.10 Uhr, satte 25 Minuten hinter dem Zeitplan, und das obwohl schon um 22 Uhr Feierabend sein müsste. Eine konsequent gute Bühnenshow entschädigte für die lange Wartezeit. Ein besonderes Bonbon gab es für die weiblichen Besucher. Sänger Alea vollführte zu „Eulenspiegel“ einen einhändigen Rad schlag um direkt im Anschluss einen Blick auf sein entblößtes Hinterteil zu gewähren. Obwohl sein Gesang bei den rockigen Songs ein wenig unterging, war das Publikum von dem Auftritt begeistert.

Saltatio Mortis

Die Besucher kamen sogar in den Genuss von einem Alptraum der Band zu erfahren. Lasterbalk der Lästerliche erzählte: „Man stelle sich vor, dass eine Saite der Gitarre auf der Bühne reißt, was ja schon mal vorkommen kann, aber anstatt sie schnell neu zu bespannen, schmeiße man das Instrument in die Ecke und verlässt die Bühne mit den Worten, dass man so nicht spielen könne“. Eine Reaktion der Besucher auf diese Geschichte blieb aus, doch einige wenige stellten sich die Frage, ob dies eine Anspielung auf den Auftritt von Front 242 auf dem Amphi Festival 2014 war, bei dem die Monitortechnik ausfiel und die Band mit den Worten „I can´t do this“ die Bühne verließ. Man wird es nie erfahren. Nach diesem kleinen Intermezzo spielte Saltatio Mortis weiter ein bekanntes Lied nach dem anderen und die Menge vor der Bühne feierte ausgelassen. Auch der Platzregen, der während des vorletzten Songs einsetzte und jeden innerhalb kürzester Zeit bis aufs Fleisch durchnässte, änderte nichts daran. Die Besucher blieben bis zu den letzten Klängen des Liedes „Spielmann“, womit der Abend „erst“ um 22.30 Uhr endete. Nun hieß es ab nach Hause, Rausch ausschlafen und sich auf den Samstag vorbereiten.

Irish Bastards (6)Am Samstag startete das Programm um 13 Uhr, was für geschätzt die Hälfte der Festivalbesucher noch viel zu früh war, sie waren noch nicht wieder eingetroffen. So musste „Impius Mundi“ vor einem kleinen Publikum spielen, welches dafür umso mehr zu deren mittelalterlichen Klängen feierten. Auch den „Irish Bastards“ erging es in dem Punkt noch nicht besser. Dennoch sorgten sie kräftig für Stimmung. Die Hamburger Band wurde von Ian Mardon und seiner Violine unterstützt, dessen Spiel hervorragend mit der Band harmonierte.

Für den Stilbruch des Tages sorgte die Band „Ski´s Country Trash“. Rockabilly gemischt mit Country und die rauchige Stimme von Andrew James Witzke kam bei dem Publikum gut an.Gerade bei dem Lied „Ghostriders in the Sky“ erwartete man den Untergang der Welt, während das Publikum „Jippijajo und Jippijajeh“ grölte.

Nach dieser freudigen Abwechslung ging es zurück zu mittelalterlichen Sounds von „The Dolmen“ und „Troll Bends Fir“. Erwartet wurde das auch von der Band „Invictus“, da viele sie noch unter ihrem alten Namen „Schelmisch“ kannten. Auch wenn der Namenswechsel vorgenommen wurde, weil die Band musikalisch einen neuen Weg einschlagen wollte, spielten sie einige Zeit auch unter dem neuen Namen die alten Schelmisch Songs. So begann auch deren Auftritt beim Burgfolk und das Publikum erfreute sich daran. Aber warum haben sie ihren Namen geändert, wenn es so weiter geht wie früher? Die Antwort sollte folgen. Gegen Mitte des Gigs zogen sich die Bandmitglieder auf der Bühne um. Ihre T- Shirts wichen Basketballtrikots mit dem Invictus- Logo. Darauf folgte die größte Überraschung: Hiphop-beats erklangen und Sänger Rimsbold von Tiefentann rappte! Egal was die Anwesenden musikalisch von „Invictus“ erwartet hatten, DAS war es nicht. Aber da die Bandmitglieder für Scherze auf der Bühne bekannt sind, wurde diese Einlage als solcher abgetan, besonders nachdem das nächste Lied wieder rockig ertönte. Dass das Publikum mit dieser Annahme falsch lag zeigten die nächsten Songs, Hip-Hop meets E-Gitarren. Der Schock der Besucher war deutlich in deren Gesichtern abzulesen und sehr viele straften die Band, in dem sie sich zurückzogen. Leider ist nicht jede Überraschung eine Gute.

Positiv betrachtet gab „Invictus“ dem Publikum wenigstens Zeit noch einmal die Toiletten aufzusuchen, sich ein Getränk zu holen und trotzdem einen guten Platz vor der Bühne für den Höhepunkt des Tages „Fiddlers Green“ zu ergattern. Zum Glück steht die Bühne schön mittig, so dass man auch von den beiden Seiten des Burghofes einen guten Ausblick hat und anhand der geringen Ausmaße des Geländes auch von hinten noch alles mitbekommt. Denn so voll wie zu „Fiddlers Green“ war es das gesamte Wochenende nicht. Aber die Band füllte nicht nur das Gelände bis zum Äußersten, sie brachte auch die Stimmung zum kochen und den Boden zum beben. Das Publikum war Wachs in ihren Händen und machte alles, was Sänger Ralf Albers von ihnen forderte. Bei so viel Bewegung kam es schon fast einem Workout gleich. Der Song „Raise Your Arms“ wurde wörtlich genommen und der Bitte, die Arme bis zum Ende des Liedes oben zu halten, wurde mit Vergnügen nachgekommen. Auch die „Wall of Folk“ zu dem Lied „Rocky Road to Dublin“ bereitete der Menge Freude. Ähnlich wie bei der bekannteren „Wall of Death“ wird eine Gasse in der Mitte der Besucher gebildet, doch anstatt sich auf Kommando anzuspringen, tanzt man hüpfend auf die andere Seite rüber. Viel zu schnell hörte man die Ankündigung des letzten Songs und die Band verließ die Bühne. Schreie nach einer Zugabe wurden laut und ein Blick auf die Uhr bestätigte, das die Band sich nur zu gern darum bitten lies, die zwei weitere Songs als Zugaben geplant hatten. Es war schließlich erst 21.50 Uhr. Ausgepowert und in bester Laune endete pünktlich um 22 Uhr das diesjährige Burgfolk Festival.Fiddlers Green (2)

Von nun an heißt es wieder ein Jahr warten. Doch die Erinnerungen an dieses Wochenende, an dem uns die Spielmänner auf der Bühne so viel Spaß bereitet haben, helfen die Zeit zu überbrücken. Auch wenn die eine oder andere Überraschung in die Hose ging, so brachten andere auch Freude. Wer Gefallen an den (für das Burgfolk) ungewöhnlichen Klängen von „Ski´s Country Trash“ gefunden hat, kann die Band übrigens bei der Talentshow „Rising Star“ (28.08.2014 RTL) wiedersehen, unterstützen und so die Erinnerungen noch mal ein wenig auffrischen.

Hier noch ein paar Bilder zu den Bands

About Ophelya

Mich kurz zu beschreiben ist nicht möglich, obwohl... vielleicht doch. Vielfältig wäre ein guter Anfang. So breit gefächert wie mein Musikgeschmack ist, so umfangreich sind auch die Stile, die sich in meinem Kleiderschrank befinden. Dies spiegelt sich ebenfalls in meinen Hobbies wieder: vom Sport zum Schreiben, über das Spiel mit dem Feuer bis hin zum Stricken ist alles dabei. Aber Allem vorweg steht mein größtes Heiligtum: Die Welt der Bücher!

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