Steinkind – Galle, Gift und Größenwahn (Review und Kritik)

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Steinkind - Galle, Gift und Größenwahn

„Wir sind so, wie es sich sonst keiner traut“.

Große Worte direkt zu Beginn eines Albums, das auf den Titel „Galle, Gift und Größenwahn“ hört – Das zeugt von einem sehr, sehr gesunden Selbstbewusstsein. Also ist es eigentlich unnötig, auf die eigentlich rhetorische Frage „Wer hat die dicksten Eier?“ noch die einzig richtige Antwort, „Steinkind„, zu geben. Punktgenau wird „Galle, Gift und Größenwahn“ die Massen zum Rasen bringen. Es wird kontrovers sein, es wird verrissen werden, es wird gefeiert werden, es wird ein Riesenerfolg werden – Steinkind werden mit ihrem minimalen, EBM- und Noisegeschwängerten Sound die Tanzflächen füllen und der Soundtrack für unzählige Besäufnisse sein.

Und dabei sind Steinkind nicht einmal auf Anhieb mit einer bekannten Band vergleichbar, auch wenn einige Einflüsse offenkundig sind: Man findet Old-School-EBM-, Noise- und Industrial-Elemente, garniert mit einem Schuss (Electro-)Punk. Heraus kommt ein anarchistisches, tanzbares und ungewöhnliches Gebräu – Auf der Myspace-Seite wird unter dem Punkt „Klingt wie:“ nicht ganz zu Unrecht „Nothing else“ angegeben. Das muss man nicht gut finden, aber eines muss man der Band lassen: Sie sind unverwechselbar und eine sehr sehr geile Abwechslung zu den immer gleich klingenden Bands, die sich auf pures Epigonentum und Clubeinsatz beschränken. Sandor und Phils Organe sind dankenswerterweise überhaupt nicht szenetypisch, geschweige denn gefällig, dennoch aber sehr geil und unverwechselbar im Kontext der Musik. Die Stimmen der beiden würde ich eher im Punk einordnen. Wie beim ersten Album sind die Texte sehr scharf und direkt ausgefallen, ebenfalls etwas, was eher ungewöhnlich ist. Songs über Vampire gibt es allerdings schon genug, also ist es doch wunderbar. Soviel aber zur Band, kommen wir zu den Songs.

Steinkind
Steinkind

„Ich bin das Ding, das die Clubs dominiert“ ist ebenfalls eine Passage aus dem ersten Song „Kindgott“, und wieder eine (schmerzhaft?) wahre. Damit wäre das Album eigentlich größtenteils abgedeckt, aber die Songs in sich sind zu verschieden, als dass man sie unter dem Prädikat „Clubtauglich“ abstempeln könnte. Als echte, typische Clubsongs würde ich die Vorabsingle „Ich bin zurück“ (sehr sehr geil), „Warum“ und „Wort“, das textlich und musikalisch als lupenreine Straftanz-Verarsche durchgeht, einordnen.

Ansonsten finde ich eher weniger klassische Tanzstrukturen, was ja einer der Faktoren ist, die Steinkind so einzigartig machen. Der Song „Arsch Rein“, vor allem textlich lupenreiner Punk, ist meiner Meinung nach das absolute Highlight des Albums. Besonders interessant: Eine echte Gitarre, die live immer wieder integriert werden soll, kommt auf dem Song zum Einsatz. Ich bin gespannt, wohin die Entwicklung geht. Ebenfalls sehr gut, auch, weil es für Steinkind so bisher nicht vorstellbar war, ist die Melancholie Bombe „Weit, weit weg“, das zusammen mit der spärlichen Klanguntermalung wie ein Requiem für alle desillusionierten Menschen der Welt klingt, schonungslos, traurig und authentisch. „G-Punkt (Raul)“ ist der Nachfolger von „Larissa“, dem neben „Deutschland Brennt“ größten Hit der Band.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Steinkind haben sich mit „Galle, Gift und Größenwahn“ enorm gesteigert- Im Vergleich zum Debütalbum, das noch leichte Mängel im Songwriting hatte, mache ich auf dem neuen Album keinerlei Schwächen aus. Insgesamt wirkt die Sache viel runder und ausgereifter, sodass Spötter und Neider der Band nicht darum herum kommen sollten, ihnen wenigstens etwas Respekt zu zollen. „Arsch rein“ ist der absolute Nachfolger zu „Deutschland brennt“ und wird auf längere Zeit zu meinen Lieblingsliedern zählen. Generell bleiben alle Songs, auch wegen der direkten Texte, nach dem 2. Hören im Ohr hängen und werden es nicht wieder kampflos aufgeben. Für den Clubeinsatz ist das Album ohnehin wie geschaffen, aber wiederum interessant genug, um auch abseits der Tanzfläche goutierbar zu sein – Unverwechselbar ist es ohnehin. Entweder man wird es lieben oder man wird es hassen, aber es wird ganz bestimmt nicht ungehört verhallen. Dafür ist es einfach viel zu gut. Die wahre Klasse des Albums wird sich aber erst in der Langzeitwirkung zeigen, denn was zählt, is auffe Tanzfläche. Oder so ähnlich. Ich bin jedenfalls begeistert, dafür 9 Punkte!


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Tracklist:

  1. Kindgott
  2. Arsch Rein
  3. Disco-Anarchie
  4. G-Punkt (Raul)
  5. Ohne Dich
  6. Weit, weit weg
  7. Lügner
  8. Ich bin zurück (Album Edit)
  9. Warum
  10. Krank
  11. Nie mehr


( 9 / 10)
( 9 / 10)

Anspieltipps:

  • Arsch Rein
  • Disco-Anarchie
  • G-Punkt (Raul)
  • Weit, weit weg
  • Ich bin zurück (Album Edit)
  • Kindgott

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