Stillers Tod - Katharsis

Stillers Tod – Katharsis (Review und Kritik)

Stillers Tod - Katharsis
Stillers Tod - Katharsis

Man möchte so gerne eine Verbindung zu Samsas Traum herstellen, wenn man den Bandnamen Stillers Tod genauer betrachtet. Gregor Samsa ist der Name des Protagonisten aus Kafkas „Die Verwandlung“, Anatol Ludwig Stiller der gesuchte Bildhauer in Max Frischs Roman „Stiller“. Das Träumen und das Sterben wird seit jeher in eine verwandte Beziehung gezwängt, was die Vermutung laut werden lässt, dass Stillers Tod sich in literarischer Hinsicht an Herrn Kaschtes Projekt anlehnt. Nun, die einzige weitere Übereinstimmung bleiben aber die deutschen Texte, denn rein musikalisch ist Stillers Tod auf ganz anderen und vor allem seit den letzten Outputs des Kaschteschen Kaspertheaters wesentlich wertvolleren Pfaden unterwegs. Denn „Katharsis“ ist nichts anderes als das beste Debut der letzten Jahre, was deutschen, avantgardistischen Black Metal betrifft.

Umso erstaunter darf man wiederum sein, dass Stillers Tod (noch) ohne Label unterwegs sind, denn das, was man zu hören bekommt kann sich erstaunlich leicht in die vorderen Regionen deutscher Extrem-Musik platzieren, denn „Katharsis“ bewegt sich irgendwo zwischen Nocte Obductas avantgardistischen Ausbrüchen und Fjoergyns verklärter Erhabenheit aus deren Debut-Album, um nur ein paar Anhaltspunkte für den Leser zu bieten. Man darf also sicherlich nicht mit der x-ten Burzum-Kopie rechnen, denn die in Musik verwobenen Stimmungen sind bei Stillers Tod so vielfältig, dass man sie in das enge Korsett ursprünglichen Black Metals nicht zwängen vermag. So darf man die Texte durchaus als Spiegel der musikalischen Seele Kargáists sehen, sind sie vom Anspruch her doch wirklich enorm und würden die Zitate Max Frischs und Hermann Hesses an sich kaum benötigen.

Kargáist
Kargáist

Nach dem orchestralen Intro „16 Jahre Fegefeuer„, stimmt das Titelstück zunächst noch in ruhiger Art und Weise auf die fortlaufenden 49 Minuten ein, um schliesslich in rasenden Blasts auszubrechen. Bei aller Rasanz versteht es Kargáist aber immer wieder nötige Abwechslung durch Tempiwechsel und nachdenkliche Passagen einzuflechten. Der rote Faden bleibt aber dennoch stets vorhanden und gerade in absoluten Gänsehaut-Passagen wie zum Schluss von „Stiller“ ist man sich sicher, dass man hier etwas Großem lauscht. Überhaupt sind Stillers Tod, was den Melodienreichtum betrifft, ganz weit vorne mit dabei, denn die Band beschränkt sich eben nicht nur auf das Strophe-Refrain-Schema, sondern variiert wirklich gekonnt innerhalb der zehn Stücke. „Katharsis“ ist von der Grundstimmung zwar eher düster und depressiv angehaucht, besitzt aber genügend Kraft und Wut, um nicht in der Trauer zu versinken. Ein Spiel mit den Gefühlen, zwischen erhabener Größe und inniger Einkehr.

Ganz ohne Kritikpunkte kommt „Katharsis aber dennoch nicht aus, denn zum einen klingt der zwar wirklich kompetent bediente Elektro-Trommler etwas blechern, was gerade bei den rasenden Passagen nicht ganz so gut im Ohr sitzen mag, zum anderen werden manche Textzeilen etwas häufig wiederholt für meinen Geschmack. Aber im großen Gefüge wirken sich diese banalen Punkte kaum auf die Gesamtwertung aus. Wenn man nun noch weiß, dass das Material schon gut zwei Jahre alt ist und Kargáist selbst sagt, die Stücke würden nicht mehr an das, was mit dem „Abraxas„-Zyklus noch folgen mag, heranreichen, darf man sich sicher sein, dass Stillers Tod zu den heißesten Feuern in der deutschen Schwarzstahl-Schmiede gehören.


iskharian3Fazit: Stillers Tod sind wieder eine deutsche Band, die es verdient hat absolute Aufmerksamkeit zu bekommen. Musikalisch wie literarisch auf höchstem Niveau, stimmungsvoll und mit hervorragenden Songs versehen ist „Katharsis“ ein Debut, wie es einem nur selten in den CD-Schacht fällt. Eine ganz große Überraschung am Ende des Jahres und dies hier ist als absolute Kaufempfehlung zu verstehen, denn die liebevoll aufgemacht Demoscheibe könnt ihr direkt bei der Band für wenig Geld über deren Myspace Seite beziehen. Zumindest solange es kein Label schafft das Album zu veröffentlichen, aber das sollte ja wohl locker drin sein. Denn zwischen all dem immer wiederkehrenden Schrott sind es doch gerade eigenständige und einzigartige Bands wie Stillers Tod, die einem musikalische Befriedigung verschaffen! Mehr davon!


Trackliste:

  1. 16 Jahre Fegefeuer
  2. Katharsis
  3. Von Wiederkehr und Niedergang
  4. Blutiger Schnee
  5. Stiller
  6. Seelenwanderung
  7. Lebensdurst Part 1: Lebensdurst
  8. Lebensdurst Part 2: Gestern lebte ich
  9. In jeder gottverdammten Nacht
  10. Demian


9/10
9/10

Anspieltipps:

Blutiger Schnee, Demian, In jeder gottverdammten Nacht

Erscheinungstermin:

07. November 2009

Stillers Tod Myspace

Hier könnt ihr das Album für 7 Euro plus Versand in liebevoller Aufmachung bekommen!

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