Taake - ...Bjoergvin...

Taake – …Bjoergvin… Re-Release (Review und Kritik)

Taake - ...Bjoergvin...
Taake - ...Bjoergvin...

Wir schreiben das Jahr 2009, viele namenhafte Black Metal Größen haben neue Wege eingeschlagen und folgen rockigeren Attitüden. Neben den Urgesteinen Darkthrone als bestem Beispiel, sind auch die Landsleute Taake mit ihrem letzten selbstbetitelten Album dem Trend zu punkigen Riffs und einem noch rotzigeren Sound gefolgt. Und genau wie bei der erwähnten anderen zwei-Mann-Kapelle werden nun die alten Meilensteine der Norweger neu aufgelegt. Mit „Over Bjoergvin Graater Himmerik“, dem zweiten Album der Recken um Frontkreischhals und Taake-Aushängeschild Høst, hat man dabei ganz Tief in der Kiste der Klassiker des „True Norwegian Black Metal“ gekramt, um zu zeigen, dass auch heute noch der Himmel über der Stadt Bergen weint.

Dabei gibt es bei Neuauflagen erfolgreicher Alben ja leider nie viel zu rezensieren. Der „Die-Hard“ Taake Fan hat die Scheibe natürlich in seinem CD-Ständer oder im Auto rum fliegen und wird sich um eine erneute Bewertung nicht großartig scheren. Jungen Hörern der Gruppe, die einen Sound im Sinne des letzten Albums erwarten, hingegen kann man den früheren Klang der skandinavischen Provokationsexperten unter Umständen noch näher bringen, was eine genaue Beleuchtung des Albums dann sicher doch nicht ganz uninteressant macht.

Cover der Erstauflage

Zunächst sei dabei erwähnt, dass „Over bjoergvin graater himmerik“ wie das Debüt des Quartetts und auch das darauf folgende „Hordalands Doedskvad“ über keine „richtigen“ Songtitel verfügt, sondern die einzelnen Stücke schlichtweg durchnummeriert sind. Was auf den ersten Blick schwierig zu durchschauen scheint, verschafft dem Gesamtwerk allerdings einen ganz eigenen Charme. Wahrscheinlich sollte man sich bei den stilecht und gewohnt auf norwegisch gehaltenen Texten sowieso nicht all zu sehr Titel verkrampfen. Verstehen würden sie hier sowieso die wenigsten.
Und eigentlich dürfte schon der erste Teil, des 2002 veröffentlichten Albums Richtungsweisend für unmengen aufstrebender Gruppen sein. Taake haben sich ihren großen Namen nicht zu unrecht erspielt. Das Einstiegsstück der

Høst

Scheibe ist dabei keinesfalls ein ruhiges Intro, sondern tönt aus den Boxen wie man TNBM hören möchte. Ein treibendes Riffing gepaart mit Høst´s markant rotziger Stimme und sogar eingeschobenen, balladesk wirkendem Cleangesang, weiß zu überzeugen und den Hörer von den ersten Tönen an zu fesseln, bevor es erst mit dem dritten Teil des Werkes etwas „schleppender“ zu geht. Zwar behalten Taake durchaus ein gewisses Maß an Geschwindigkeit, aber grade dieses melodische Riffing im Midtempo ist nach dem brachial „ausgekotzten“ zweiten Part mehr als entspannend.

Angesichts des vierten Stückes, war es allerdings nur eine kurze Verschnaufpause auf dem Weg durch norwegische Wälder. Die Jungs aus dem Land, das die wohl erfolgreichsten Schwarzmetallgruppen hervorgbracht hat, verfügen dabei durchgehend eine zwar raue aber dennoch klare Produktion, so dass sich jedes Instrument durchaus gut heraus kristallisiert, was besonders im fünften Abschnitt des Albums hervorsticht. Melodischer und trotzdem nie an Härte verlierend kann man eigentlich kaum klingen – denkt man zumindest, bis sie mit dem folgenden Titel noch eins drauf setzen, bevor das Werk mit dem melodischen Schlussinstrumental ihr ende findet. Und eigentlich erscheint es mir recht sinnfrei ein Album und eine Band, die eigentlich über jeden Zweifel erhaben sind hier so zu zerpflücken und in den Himmel hoch zu loben. So sehr sich die Gruppe in der Vergangenheit auch daneben benommen haben mag – für gute Musik standen sie immer.


Zigeunerjunge

Fazit: Ein Album das eine Neuauflage mehr als nur rechtfertigt. Das muss selbst ich zugeben, obwohl ich eigentlich kein großer Freund von Wiederveröffentlichungen bin. Besonders, da es heute mehr als schwer sein dürfte die Erstauflage zu einem annehmbaren Preis zu erstehen. Die Stücke gehen perfekt in einander über und schaffen damit ein großartiges Gesamtwerk, dem Taake meines Erachtens trotz weiterer großer Veröffentlichungen nicht wieder gleich gekommen sind. Die Scheibe hat alles – von ruhigen Momenten an denen man sich in verschneiten Wäldern sieht bis hin zu brachialer Härte die dem Kopfschüttelfreudigen Metaller den ein oder anderen Nackenwirbel ausrenken wird. Taake halt – mehr gibt es da nicht zu sagen.


Tracklist von Taake – …Bjoergvin…

  1. Over bjoergvin graater himmerik I
  2. Over bjoergvin graater himmerik II
  3. Over bjoergvin graater himmerik III
  4. Over bjoergvin graater himmerik IV
  5. Over bjoergvin graater himmerik V
  6. Over bjoergvin graater himmerik VI
  7. Over bjoergvin graater himmerik VII


( 9,5 / 10 )


Erscheinungstermin:
Bereits erschienen

Anspieltips:
„…Bjoergvin…“ ist ein Gesamtmeisterwerk. Besonders erwähnenswert sind dennoch:
> Over bjoergvin graater himmerik II
> Over bjoergvin graater himmerik V

taake.svartekunst.no
www.myspace.com/taakeofficial

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