Das 13. Album von The Cure

The Cure – 4:13 Dream (Review und Kritik)

Das 13. Album von The Cure
Das 13. Album von The Cure

Das Warten hat ein Ende: The Cures 4:13 Dream erscheint am 24.10.2008!

Angekündigt war das Album ja ursprünglich schon für den 13. September, und so richtig spannend hatten The Cure den Fans das Warten dadurch gemacht, dass sie von Mai bis August jeweils am 13. des Monats eine neue Single herausbrachten, die einen Song vom neuen Album enthielt sowie einen weiteren, der nicht darauf ist. Doch dann verzögerte sich das Erscheinungsdatum.

Das ursprünglich angekündigte Doppelalbum, für das die Band dreiunddreißig Songs aufgenommen hatte, wurde auf ein normales Album mit dreizehn Stücken reduziert und die längere Wartezeit mit einer Remix-EP als „Trostpflaster“ versüßt: Hypnagogic States, auf der Alternative-Musiker wie Jared Leto von 30 Seconds To Mars, Jade Puget von AFI und Gerard Way von der Band My Chemical Romance auf fünf Tracks ihre Bearbeitungen der bisher ausgekoppelten Singles vorstellten. Auch am 13. Oktober klappte es noch nicht, doch jetzt ist es amtlich: Ab dem 24.10.2008 wird die CD bei uns zu kaufen sein, immerhin drei Tage vor dem Erscheinungsdatum der meisten anderen europäischen Länder! Und am 31.10. gibt es im Zollamt Stuttgart das Gothic-Halloween Special + The Cure 4:13 Dream Album Release Event.

Nun mag sich der eine oder andere fragen: „Warum ist denen das mit der Dreizehn eigentlich so wichtig? Ist das einfach eine Marotte?“ Nein, ist es nicht. 4:13 Dream ist das dreizehnte Album von The Cure, einer Band, die immerhin schon seit zweiunddreißig Jahren auf dem Markt ist und damit zu den Veteranen des Gothic Rock gehören. In dieser Zeit haben zwar die Bandmitglieder mehrfach gewechselt, doch zweierlei ist geblieben: der Lead-Sänger Robert Smith und der durch seine Stimme bestimmte klagend-depressive Tonfall der meisten Stücke. Man kann das auf unterschiedliche Art kommentieren. Entweder: The Cure sind sich und ihrer Musik über die Jahrzehnte treu geblieben. Oder: The Cure sind spätestens seit den 90ern stehen geblieben. Wie man dazu steht, ist sicher Geschmacksfrage. Jedenfalls ist auch das neue Album nicht wirklich überraschend anders.

Underneath the Stars ist eigentlich ein wunderschönes und durchaus optimistisches Liebeslied. Leider wird der Text so von Halleffekten überlagert, dass man Robert Smiths Stimme, die wie (fast) immer nach einem vom Weltschmerz fast ertränkten ewigen Teenager klingt, nur noch als wehmütigen Klangteppich wahrnimmt.

Auch The Only One ist ein Liebeslied, welches jedoch das vielleicht optimistischste und sicherlich poppigste Stück des Albums ist. Immerhin wird, wie ein anderer Rezensent akribisch nachgezählt hat, dreiundzwanzigmal das Wort „love“ erwähnt!

Doch schon das nächste Stück, The Reasons Why, bringt uns zurück in die typische Robert-Smith-Welt. Melodische Bässe und ein langsameres Tempo unterstreichen die düstere Stimmung, die schon durch die ersten Zeilen vorgegeben wird:

“I won’t try to bring you down about my suicide
Got no need to understand about my big surprise
I won’t beg to hang you up about my love of life
If you promise not to sing about the reasons why”

Freakshow ist der überraschendste Song des Albums, denn er ist fetzig, rockig und Smith klingt endlich mal wie ein normaler Rocksänger!

Daran sollten wir uns allerdings lieber nicht gewöhnen, denn mit Sirensong geht es in gewohnter düster-romantischer Manier weiter. Allerdings passen hier Lyrics, Stimme und Musik hervorragend zusammen, denn es geht um das Motiv des von einer Frau durch Aussehen und Stimme umgarnten und gefangenen Mannes

The Real Snow White ist wieder etwas schneller und dreht sich um die Triebhaftigkeit des Mannes, der beim Anblick einer schönen Frau alle Treueschwüre vergisst:

“You’ve got what I want
Oh yeah!
It’s only for the night
And I will give it back tomorrow I swear

[…]

I made a promise to myself
I wouldn’t start with anyone else but…
You know how it is with these promises
Made in the heat of the moment
They’re made to be broken in two
Sometimes the only thing to do”

Robert Smith - mal ohne Band
Robert Smith - mal ohne Band

The Hungry Ghost ist das inhaltlich anspruchsvollste Stück, das sich mit dem Thema der Gier beschäftigt, die uns allen innewohnt. Wir wissen, dass wir dies oder jenes nicht wirklich brauchen, wollen es aber trotzdem haben, um uns für einen kurzen Moment etwas glücklicher zu fühlen, auch wenn uns klar ist, dass wir niemals wirklich zufrieden sein werden und alle diese Dinge ihren Preis haben. Angenehm ist, dass Robert Smith hier nicht den pädagogischen Zeigefinger erhebt, sondern dem Zuhörer einfach den Spiegel vorhält, in dem er sich selbst erkennen kann, wenn er dazu bereit ist.

In der Mitte des Albums beginnt Switch mit heftigen Drums und gequälter E-Gitarre, während der Text von einem zerrissenen Menschen erzählt, der Person vor und der hinter dem Spiegel, die eine einsam und isoliert, die andere der Gesellschaft überdrüssig, aber doch beide aneinander gefesselt:

And I’m tired of being alone with myself
And I’m tired of being with anyone else
Yeah, I’m tired…
Like I’m sick”

Kurz gesagt: The Cure pur!

The Perfect Boy erzählt bittersüß von der Begegnung eines naiven Mädchens mit einem Jungen, der sie letztendlich ausnutzt. Aber es bleibt die Hoffnung:

And her heart may be broken a hundred times

But the hurt will never destroy
Her hope…

The happy ever after girl
One day finds the perfect boy”
.

This. Here and Now. With You wird eingeleitet von schweren Bässen, während die Gitarrentöne sich wie eine Spirale in die Höhe drehen. Inhaltlich geht es um diesen Moment in einer Beziehung, den wahrscheinlich fast jeder kennt: So sollte es auf immer und ewig bleiben, kein Fragen nach dem Gestern, keine Gedanken über das Morgen, einfach nur im perfekten hier und jetzt existieren:

“There isn’t any yesterday

Tomorrow starts a day away
This here and now with you is how
Always should always be”

Aber natürlich ist das ein frommer Wunsch, eine reine Illusion:

“I bite your mouth so fearfully
And slow
The taste of summers yet to shine
A perfect time to change the scene
I bite your mouth in urgency
And terrified I know

Everything I ever dared forget is here
Too scared before I never let
Tonight be all I need
Everywhere I never tried to get is here
Too tired before to ever let
Tonight be all I feel”

Sleep When I’m Dead ist mein persönlicher Favorit. Kein Wunder, denn ich habe The Cure in den späten 80ern kennen und lieben gelernt, und dieser Song wurde schon 1985 während der Produktion des Albums Head on the Door geschrieben. Auch wenn der Text mehr als rätselhaft bleibt, knüpft die Band hier musikalisch eindeutig an ihre großen Erfolge der damaligen Zeit an.

Das vorletzte Stück, The Scream, beschreibt den Verfall einer Beziehung vom Frühling, in dem sich schon ahnen lässt, dass es kein gutes Ende nehmen wird:

“The Spring sun hanging slower
Colder in the sky
And your voice sounds strange
Your voice sounds strange”

bis in den Winter:

“Winter sun hangs weaker
Older in the sky
And you start to scream
You start to scream”

wo die Beziehung zerbricht, weil der eine nicht ausdrücken kann, was ihn in die Verzweiflung treibt, und der andere einfach nicht versteht:

“Scream and you scream
How we ended here
How we got from then to now
Never really followed how
We ended here

Untermalt wird dieser düstere Song von zunehmend kreischenderen Gitarrenklängen und heftigeren Rythmen, die zusammen mit Robert Smiths immer verzweifelter klingender Stimmer wohl das experimentellste Stück des Albums bilden.

Der dreizehnte und letzte Song des Albums heißt bezeichnenderweise It’s Over. Anders als bei vielen anderen Cure-Alben ist er laut, schnell und aggressiv, was eigentlich gar nicht zum Thema passt: der „Tag danach“, wo man verkatert aufwacht, die Beziehung zu Ende ist, und man eigentlich gar nicht mehr genau weiß, warum.

Die Band
Die Band

Fazit: Wo The Cure draufsteht, ist auch The Cure drin. Das neue Album ist sicher ein Muss für alle eingefleischten Fans. Für Neulinge bietet es einen guten Überblick über das Repertoire der Band. Und für Neugierige gibt es soliden Gothic Rock. Also durchaus empfehlenswert, wenn auch ohne große Überraschungen.

Tracklist von 4:13 Dream:

  1. Underneath The Stars
  2. The Only One
  3. The Reasons Why
  4. Freakshow
  5. Sirensong
  6. The Real Snow White
  7. The Hungry Ghost
  8. Switch
  9. The Perfect Boy
  10. This. Here And Now. With You
  11. Sleep When I’m Dead
  12. The Scream
  13. It’s Over
( 7 / 10 )
( 7 / 10 )

Veröffentlichung: 24.10.2008

Homepage der Band: www.thecure.com/

The Cure auf Geffen: www.geffen.com/cure/

Für alle, die Robert Smith trotz guter Englisch-Kenntnisse genauso schlecht verstehen können wie ich, hier ein Link zu den Lyrics: zu den Lyrics

About midnight-ivy

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  • Rostig

    schönes, sehr ausführliches Review.
    Das Album schlägt meiner Meinung nach in diesselbe Kerbe wie die beiden Vorgänger „Bloodflowers“ und „The Cure“.
    Ich steh ja persönlich mehr auf das alte Zeug á la „Disintergration“ oder „Pornography“.
    Trotzdem find ich auch das neue Album recht hübsch und live haben sie immer noch was drauf.
    Habe sie vor ca. einem halben Jahr in Oberhausen gesehen.