The devil's blood - The time of no time evermore

The devil’s blood – The time of no time evermore (Review und Kritik)

The devil's blood - The time of no time evermore
The devil's blood - The time of no time evermore

Reduziert auf das Maximum, Fortschreiten aus der Vergangenheit, zeit- und raumlos, perfides Brechen physi- und musikalischer Gesetze, weitab von Retrodenken und gelebter Regression, eine transzendentale Reise durch den Antikosmos, oder aber auch einfach nur das beste Rockalbum des Jahres!!

Denn das lange Warten auf das Debut der Niederländer The devil’s blood hat sich mehr als gelohnt. War die EP „I’ll be your ghost“ noch ein kleiner Appetitanreger, so ist „The time of no time evermore“ ein zusammenfassendes Vollwertmenu allen bisherigen Schaffens der Band, versüßt durch interessante Neuerungen im Sound und in der Musik der Okkult Rocker. Sauberer und weniger drückend produziert entfaltet das Material seine ganze Wirkung, lässt nun auch ruhigere Stücke, wie „The yonder beckons“ zu, welches sich dank des völlig einnehmenden Gesanges von The mouth of Satan, in ganzer Vollkommenheit in jede einzelne Nervenfaser des Gehöres schmiegt.

 

Verhältnis Antimaterie - Universum
Verhältnis Antimaterie - Universum

„Solange der solchermaßen dargestellte Versuchsablauf nicht dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, in Form einer Umkehrung eines irreversiblen Prozesses, widerspricht, zeigt der manipulierte Film gemäß der Feynman-Stückelberg-Interpretation einen realen Versuchsablauf in einem hypothetischen Anti-Universum.“



Schon das Intro „The time of no time“ darf als Rückblick in die Zukunft betrachtet werden, kehrt man an den Abschluss der EP „Come Reap“ und somit an das Ende von „Voodoo Dust“ zurück, lässt akustisch eine Reprise an das geniale Stück zu und vereint damit alle bisherigen Werke in nur wenige Minuten wundervoller akustischer Reize, die sich optisch im Rechenzentrum jedes einzelnen Kopfes anders auszubreiten vermögen. Will sagen, für die Einen ein fantastisches Retro-Rockalbum (was es an sich nicht sein möchte), für die Anderen eine welterschütternde Erfahrung jenseits aller Zeiten. Jedes Stück wirkt auf seine eigene Weise, so rockt das kurze „Evermore“ schön nach vorne und lässt vor allem den mehrstimmigen Gesang in seinem besten Licht erscheinen. Mit fast schon einfachen Mitteln bringen The devil’s blood mehr Stimmung, mehr Tiefe, mehr Ganzheit zu Stande, als es kaum eine Band heutzutage noch in dem Maße erreicht. Mit dem Single Hammer „I’ll be your ghost“ verbinden The devil’s blood alle gängigen Rock’n’Roll Schemen zu einem hervorragenden Ganzen, 60er, 70er und 80er vereinen sich, sprengen die Grenzen der Zeit, eben eine „Time of no time“.

 

Mandelbrot Grafik
Mandelbrot Grafik

„Anders als der Begriff Chaos in der Umgangssprache charakterisiert die deterministische Chaostheorie nicht den Zustand eines Systems, wie beispielsweise seine Unordnung, sondern sein zeitliches Verhalten, das heißt seine Dynamik.“



Experimentell und psychedelisch wirkt das gedämpfte, vom kräftigen Bass dominierte „House of 10000 voices„, groovig und Schweiß treibend, gesanglich zwischen zerbrechlich und kräftig pendelnd, geht einem vor allem der Refrain ins Ohr, welcher einlädt mitgesungen, geschrien oder einfach nur miterlebt zu werden. Ein spannendes Stück Musik, welches sich in den energetischen Live-Auftritten der Band sicher hervorragend machen wird, kein Zweifel. Das bereits vom Demo bekannte „Christ or cocaine“ erstrahlt in soundtechnisch neuem Gewand noch einmal deutlicher besser, fesselt in seiner entspannten Art. Kein Wunder, dass sich das Stück livehaftig als eines der besten herausstellte, denn der kraftvolle Marschrhythmus lässt kaum einen Kopf im Ruhezustand.

 

Mihály Zichy - Lucifer
Mihály Zichy - Lucifer

„Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, Überwältiger der Nationen! Und du, du sagtest in deinem Herzen: »Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleichmachen.«



Auch das letzte drittel des Albums setzt den Weg begeisternd fort, jedes Stück besitzt eigenen Charakter, keinerlei Füllmaterial, sondern musikalische Abwechslung, darf man bei „Queen of my burning heart“ und „Angel’s prayer“ erwarten. Etwas länger benötigen die letzten Stücke aber dennoch, denn im Gegensatz zur EP „Come reap“ liegt der Augenmerk hier weniger auf Eingängigkeit, sondern auf dem Gesamtkonzept, welches sich zum Schluss mit dem Elf-Minüter „The Anti-Kosmik Magick“ vollends entfaltet und ein Album abrundet, welches vielschichtiger und in seiner musikalischen Divergenz kaum interessanter sein könnte. Für manche wird der Rock und Party Charakter absolut im Vordergrund stehen, welchen das Album in seiner Gänze voll zu erfüllen vermag, für jeden, der sich eingehender mit Konzept und Musik beschäftigt, bleibt eine nachhaltige Erfahrung jenseits irgendwelcher engstirnigen Grenzen, abseits aller Zeiten, in einer Zeit in der es niemals mehr Zeit geben wird. Genauso paradox, wie der Albumtitel erscheint, werden sich die Fans von The devil’s blood unterscheiden, denn für jeden ist auf „The time of no time evermore“ etwas enthalten und das vollkommen authentisch, absolut überzeugend und auf einem Niveau, welches für ein Rock-Album in nächster Zeit kaum erreichbar sein wird. Allerhöchstens das zweite Album von The devil’s blood wird diesen Status wohl brechen können, doch das Erscheinen dessen steht noch in den Sternen, irgendwo in Zeit und Raum…

Ich sage euch: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Friedrich Nietzsche aus „Also sprach Zarathusthra“)

  

iskharian3Fazit:

Keine große Diskussion, das beste Rock-Album der letzten Jahre, in einer Größenordnung von „Apocalypse dudes“ oder „Riding the tiger„, doch konzeptuell auf einem wesentlich philosophischeren Weg, ohne der Musik den Party Charakter abzusprechen. Eine Gratwanderung, die sich vollkommen erfüllt und die volle Punktzahl absolut gerechtfertigt!


 

Trackliste:

  1. The time of no time
  2. Evermore
  3. I’ll be your ghost
  4. The yonder beckons
  5. House of 10000 voices
  6. Christ or cocaine
  7. Queen of my burning heart
  8. Angel’s prayer
  9. Feeding the fire with tears and blood
  10. Rake your nails across the firmament
  11. The Anti-Kosmik Magick


(10 / 10)
(10 / 10)

Anspieltipps:

Jedes Stück ist grandios, die Single „I’ll be your ghost“ dürfte sich zum antesten am besten eignen.

Erscheinungstermin:

11. September 2009

The devil’s blood Myspace

Van Records


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