Thorngoth - Leere

Thorngoth – Leere (Review und Kritik)

Thorngoth - Leere

Es gibt nur eine handvoll deutscher Metal Bands, die es schaffen sich mit jedem Album neu zu erfinden. Nur die wenigsten erreichen es aber, ihren eigenen Stil, sofern sie ihn denn gefunden haben, wie einen roten Faden durch die Diskographie zu ziehen und anhand dessen erkannt zu werden. Genauso geschieht es mit der bayerischen Institution Thorngoth, welche sich stetig weiterentwickeln ohne den ureigenen Stil zu vergessen. War „Rauhnacht“ schon eine massive Steigerung zu „Thelema of destruction„, vollziehen Thorngoth mit „Leere“ einen wahren Quantensprung nach vorne und damit mitten in die Deutsche Black Metal Elite!

Thorngoth

Vor allem in Sachen Sound hat sich die Band, die auch dieses mal wieder alles in die eigenen Hände legte, definitiv gesteigert. Nicht nur, dass die sirrenden Gitarrenriffs und Melodiebögen noch klarer aus den Boxen wabern, das Schlagzeug baut richtig Druck auf, wirkt nicht nur in den rasenden, sondern auch in schleppenden Abschnitten perfekt eingebunden. Richtig großartig ist der Gesang geworden, der prägnant und abwechslungsreich die recht gut verständlichen Texte aus dem konzeptuellen Zusammenhang der „Leere“ interpretiert.

Spannend finde ich, dass das Album in seinem zeitlichen Verlauf immer stärker auf Experimente setzt. Wird zunächst fast konventionell mit Blasts und verdammt einprägsamen Riffs begonnen, werden die Stücke verzwickter und die erhabenen Leads etwas seltener, was eine Reise in die verschiedenen Ebenen der Leere impliziert. Sie hinterlässt stehts das gleiche Gefühl, zu welchem andere Einflüsse, andere Melodien führen. Gerade die instrumentale auf Synthesizer aufgebaute Zäsur „In der Leere“ bringt den Umbruch um mit „Leere V“ in den emotionalen Höhepunkt der Scheibe zu kulminieren. Was für ein schwerer, schleppender Bastard aus leicht depressiven, aber niemals weinerlichen Gitarrengesängen und genialem Einsatz von Chor-Synthies weit abseits jeglichen Kitsches. Andere hätten das Stück auf weit über 10 Minuten ausgedehnt, Thorngoth machen dagegen alles richtig und bringen das Stück dank genial inszenierter Dramaturgie perfekt zum Abschluss.

Thorngoth

Dass danach eher Raserei angesagt ist, ist nahezu logisch, doch diese wird durch experimentellem Klargesang – nein, nicht so wie ihr denkt! – und wundervollen Gitarrenleads aufgelockert. Gerade diese Gitarrenabschnitte sind es, die einem das Herz höher schlagen lassen. Hierin steckt so viel Kreativität, bei der manche Band froh wäre, wenn ihr nur einmal ein solches Riff gelingen würde. Thorngoth schütteln diese Killermelodien zuhauf aus dem Ärmel, meistern gar den Grad nicht zu inflationär damit umzugehen, sondern dezent zu begeistern. Wichtig ist es, dass man dem Album über längere Zeit eine Chance gibt, dann entfaltet sich erst richtig die angestrebte Wirkung und man wird mit einer emotionalen Platte entlohnt, die man immer wieder gerne in den CD-Schacht einlegt um sich der vertonten Leere hinzugeben.


Fazit:

Ich denke aus meinen Worten kann man durchaus die Begeisterung für „Leere“ heraus lesen. Thorngoth haben mich einerseits sehr überrascht, andererseits ist die Entwicklung der Band aber auch logisch genug, um den erneuten Sprung von dem immer noch großartigen „Rauhnacht“ zur „Leere“ hin nachzuvollziehen. Im Moment kann ich mir nur schwer vorstellen, wie die nächste Steigerung sich anhören wird, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Thorngoth auch hier wieder zu überraschen wissen. Ich kann jedem Fan melodischeren Black Metals nur empfehlen in „Leere“ reinzuhören und sich die Platte mit dem wundervollen Coverartwork nach Hause zu holen!


Trackliste:

  1. Leere I
  2. Leere II
  3. Leere III
  4. Leere IV
  5. In der Leere
  6. Leere V
  7. Leere VI
  8. Leere VII
  9. Leere VIII


(9 von 10)

Erscheinungstermin:

18. Juni 2010

Thorngoth Homepage

Folter Records

Ihr könnt übrigens hier das komplette Album vorab im Stream anhören!

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