Thorngoth - Rauhnacht

Thorngoth – Rauhnacht (Review und Kritik)

Thorngoth - Rauhnacht
Thorngoth - Rauhnacht

Thorngoth – Rauhnacht (Review und Kritik)

Die Rauhnächte gehören zum bayerischen, österreichischen und südtiroler Brauchtum und spielen immer noch eine wichtige Rolle in der Zeit um Weihnachten und Silvester. Zu dieser Zeit steht das Geisterreich offen, die Seelen Verstorbener und Dämonen haben Ausgang und die wilde Jagd Wotans nimmt an Silvester ihren Anfang. Die weltberühmten Perchtenläufe, in der sich die Alpenbewohner als Dämonen und Teufel verkleiden, sind dabei wohl der Höhepunkt dieses alten Brauches. Thorngoth haben sich also einem sehr interessanten Thema angenommen und bieten mit ihrem zweiten Album „Rauhnacht“ melodisch orientierten Black Metal.

Der Opener „Curse them, curse them“ lässt mit einem tiefen Stimmlaut und der bedächtig in den Song fadenden Musik schon einmal düstere Stimmung aufkommen. Erst langsame, dann schnellere Blasts, die sich mit thrashigen Midtempo Abschnitten abwechseln und die schwedisch anmutenden Gitarrenparts werden von dem Vierer eindrucksvoll dargeboten. Und spätestens nach vier Minuten überzeugt man vollkommen, indem man ein herrlich nordisches Riff runterzockt, was die Kälte nur so aus den Boxen schneiden lässt.

Die transparente, auf jeglichen modernen Schnick-Schnack verzichtende Produktion tut ihr übriges, klingt angenehm archaisch, aber dennoch frisch, passt also wie die berühmte Faust aufs Auge. Technisch sind die Thorngoth Mannen sehr versiert, Drumming und Riffs sind präzise, man erfreut den Hörer mit Tempowechseln und gut durchdachten Songs und versucht dabei nicht zu sehr dem Hymnischen zu verfallen.

Kill for paradise“ ist ein starker fünf minütiger Knüppler, immer wieder unterbrochen von leicht dissonanten und langsamen von Akustikgitarren begleiteten Ruhephasen, ehe die Wilde Jagd wieder rasend durch das verschneite Land reitet. Die „Schiachtperchten“ schlagen dann in eine ähnliche Kerbe und verfügen über gut arrangierte Gitarrenläufe.

Thorngoth
Thorngoth

Mit „Der Wanderer“ geht es dann etwas langsamer und depressiver zu. Majestätische Gitarrenwände bieten dem Protagonisten einen wahrhaft wunderbaren Ausblick. Trotz der fast acht Minuten, kommt keine Langeweile auf und auch die lyrischen Ergüsse lassen sich wirklich sehen. Gegen Schluss erhält der Song einen leichten Geschwindigkeitsschub und Thorngoth jagen einem mit wehmütig melancholischen Parts wirklich Gänsehaut über den Rücken. Für mich der beste Song des Albums.

Doch das ebenfalls überlange „Nihilistic visions“ steht dem kaum nach. Nach einer coolen Akustikeinlage, entfaltet das Stück mit schnell knüppelnden und langsamen Anteilen viele Gefühlslagen. Immer wieder fällt der interessante Bass auf, der die Stücke noch stärker aufwertet, was auch bei „Salvation in silence“ bestens funktioniert. Ein kurzes hymnisches Stück, was wirklich Spaß macht. Die Jungs haben Freude an ihrer Musik und das merkt man den Stücken auch an.

Der „Abgrund“ wirkt mit seiner anfänglichen fast doomigen Langsamkeit äußerst bedrohlich und auch die frostigen schnelleren Anteile wissen zu überzeugen, ehe man mit „Still, von Ewigkeit“ das letzte Stück zelebriert. Hier holen Thorngoth noch einmal alles aus sich heraus und so darf man einigen wunderbaren Leadgitarren lauschen, welche mit ihrer ganzen Wehmut schließlich zuschlagen. Ein abruptes und passendes Ende einer spannenden Black Metal Platte.

Iskharian
Iskharian

Fazit:

Thorngoth haben sich nach dem Vorgänger „Thelema of destruction“ wirklich sehr gesteigert. Songwriting und Fähigkeiten der Musiker haben sich stark verbessert, was sich sehr positiv auf das Gesamtergebnis von „Rauhnacht“ auswirkt. Die acht Songs sind spannend, besitzen diese ewige Naturgewalt, die sich in Form wehmütig schöner Gitarrenharmonien heraus kristallisiert und die schneidende Produktion gibt dem Album noch zusätzlichen Glanz.


Trackliste:

  1. Curse them, curse them
  2. Kill for paradise
  3. Schiachtperchten
  4. Der Wanderer
  5. Nihilistic visions
  6. Salvation in silence
  7. Abgrund
  8. Still, von Ewigkeit

(7,5 / 10)
(7,5 / 10)

Anspieltipps:

Der Wanderer, Kill for paradise, Still, von Ewigkeit

Erscheinungsdatum:

19.09.2008

Thorngoth Homepage


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