Todeskult - Apathy

Todeskult – Apathy (Review und Kritik)

Todeskult - Apathy
Todeskult - Apathy

Todeskult – Apathy (Review und Kritik)

Man ist wieder in Ritz- und Selbstmordstimmung in Nürnberg. Zwei Jahre nach dem erfolgreichen ersten Werk der Süddeutschen Depressive Black Metaller Todeskult, erscheint mit mit „Apathy“ die logische und konsequente Fortsetzung einer Scheibe voller Selbsthass und Todessehnsucht die nach „Als die Farben älter wurden“ einen nicht grade niedrigen Standard zu halten hat. Ein weiteres Mal laden die fünf Lebensmüden in sechs düsteren Stücken zu einem Irrgang in die abgründe der menschlichen Seele ein.

Ein starker Wiedererkennungswert ist auf jeden Fall schon zu beginn des Trips mit „Where Discomform is lurking“ nicht ab zu streiten. In seinen zwölf-ein-halb Minuten Spieldauer verarbeitet die Band bereits eine Menge und greift zumindest musikalisch die unterschiedlichsten Gefühle auf. Selbst euphorische Töne lassen sich stellenweise ausmachen, die der düsteren Grundstimmung keinesfalls Abbruch tun den besonders Sänger Neideck klingt kein Stück weniger klagend und verzweifelt als man es von ihm gewohnt war und man es wohl auch von „…dem Menschen ein Wolf“ erwarten kann. Schleppend langsame Elemente wie bei diesem Song sind in der Trauerwelt der fünf ja auch keinesfalls etwas neues, wurde doch schon früher mit ungewöhnlichen Tempowechseln

Todeskult Live
Todeskult Live

gearbeitet und dem Hörer damit kurzzeitig eine falsche Ruhe und Sicherheit vorgegaukelt. Leider klingt grade das Drumming sehr uninspiriert und ein wenig wie auf alten Blechdosen eingespielt… Absicht? Angesichts der eigentlich recht guten Produktion wohl eher nicht. Da sich sowas aber leider (wenn es einem erst einmal unangenehm aufgefallen ist) in den Gehörgang brennt und das Hirn zermatert ist man relativ schnell gewillt zum Titeltrack „Apathy“ weiter zu schalten. Erinnert man sich an das letzte Album müsste man denken das Titelstück ist einer der hochkarätigen Ohrwürmer der Band, und wird leider etwas enttäuscht. Eigentlich wird nur der Atmosphäre halber ein kleines Ambientwerk eingeschoben das mit Klagelauten unterlegt ist – man muss ja auch noch etwas Leiden und verlorenen Lebenswillen raus hängen lassen. Schade dass sowas auf Kosten der letztendlich wirklich vorhandenen Stücke der Scheibe geht – sowas hätte als Intro/ Outro vollkommen ausgereicht.

Aber dafür ist der Einstieg zu „Ivioable“ dann auch lang genug. Nach einigem ruhigen geklimper entpuppt sich der Song zwar als einer der ruhigeren Stücke des Todeskultes, kann aber etwas zu alter stärke zurück finden. Man will schließlich nicht aus den Augen verlieren, dass es sich hier noch immer um eine Metalband handelt. Auch wenn man mit noch so viel Atmosphäre arbeitet – ein Album das nur aus überlangen Intros und wenig Musik besteht braucht schließlich niemand. Und immerhin keift der Sänger sich zum Ende hin auch endlich wieder die Lunge aus dem Hals. So möchte man es auch bei „Submissive“ hören und wird erstmals mit einem kleinen Hochgefühl belont. Dieser Titel greift nämlich erstmal die schon zu Beginn angedeutete Euphorie auf, bevor der Hörer zurück in elf todtraurige Minuten fällt. Mit dem Gefühlsleben des Hörers spielen kann die Band, das muss man ihr lassen. Und so klammerst man sich nahezu an jeden kleinen Moment des Glücks, der durch die graue Welt dringt, die die Band in Kopf und Gehörgang entstehen lässt, bevor mit „Schwinden“ ein weiteres Mal der vorerst letzte Weg auf etwas härteren musikalischen Pfaden bestritten wird.


Tobias "Zigeunerjunge" Geers
Zigeunerjunge

Fazit: Ich bin ein wenig enttäuscht… wirkliche Highlights wie „Fäulnis draut, sinister sank die Sonne“ oder „Als die Farben älter wurden“ sind auf diesem Album leider gar nicht vertreten und auch der musikalische Härtegrad hat durch die Verwendung von langen Intros und gänzlich unnötigen Stücken wie dem Titellied komplett nachgelassen. Nach mehrmaligem Hören konnte ich zwar einige Stellen ausmachen die mir ganz gut gefiehlen (erwähnte Glücksmomente), aber an den Vorgänger reicht die Album um Längen nicht heran. Schade, aber dennoch ein Album das man antesten sollte wenn man das Debüt mochte. Dass es mich nicht vom Hocker haut, heißt schließlich nicht das es nicht eine solide Scheibe sein kann die dem ein oder anderen gefällt.


Bieberpelz
Bieberpelz

Zweite Meinung: Obwohl Apathy ein durchweg solides und gutes Depressive Black Metal Album ist kann es nicht mit den hoch gelobten Vorgänger mithalten. Hatte man sich mit „Als die Farben älter wurden“ einen sehr hohen Standard gesetzt, so ist es dieser der nicht mehr gehalten werden kann. Trotz einer angenehmen Atmosphäre leider nicht so gut wie das Debüt.

Habe ich mich vorher noch zwischen Fäulnis und Todeskult kaum entscheiden können – so fällt es mir nun bedeutend leichter. Wer auf diese Art von Musik steht sollte dennoch gut bedient werden. Wer sich aber nur mit dem Besten zufrieden geben will sollte gleich zum Debüt Album oder Fäulnis greifen.


Tracklist von „Apathy“

  1. Where Discomfort is lurking
  2. …dem Menschen ein Wolf
  3. Apathy
  4. Invioable
  5. Submissive
  6. Schwinden


( 6 / 10 )
( 6 / 10 )

Anspieltips:
> Where Discomfort is lurking
> Submissive

Erscheinungstermin:
Bereits erschienen

http://www.exanimare.de/

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