Treibhaus - Alphatier
Treibhaus - Alphatier

Treibhaus – Alphatier (Review und Kritik)

Treibhaus - Alphatier
Treibhaus - Alphatier

Nun ist es also endlich auf dem Markt, das 4. Studioalbum von Treibhaus mit dem schicken Titel „Alphatier„. Die Band aus der niedersächsischen Landeshauptstadt um Curt Doernberg lässt sich auch dieses Mal nicht lumpen und nimmt auch die Promotion selbst in die Hand. Was erwartet den geneigten Hörer? Erweisen sich Treibhaus als Leitwölfe oder nicht? Die Frage wird der Player beantworten müssen.

Zuerst wird natürlich fleissig das beigelegte Schriftgut geprüft, während „Alphatier“ durch die erste „Grobanhörrunde“ geht. 2 Jahre hat Curt an den Songs und der Produktion gearbeitet. Die Drums wurden live von Michael Wolpers eingespielt und auch im Nachhinein nicht durch Samples ersetzt. Ansonsten wurden alle Instrumente von Curt selbst eingespielt.

So, nachdem die erste Runde durchgelaufen ist und die Füße schon einiges an Mitwippkilometern hinter sich haben, gehen wir mal „in medias res“.

Die Einführung, ein reines Instrumentalstück, lassen wir aussen vor und kommen gleich zum ersten „richtigen“ Song, „Syndrom„. Eine gute Mischung aus Elektro, Drums und Gitarren, die eigentlich, wie auch auf dem ganzen restlichen Album, Fans verschiedenster Richtungen bedient. Was den Text angeht, ist dieser sehr einfach gestrickt, einprägend und wohl eine gute Beschreibung der Bandphilosophie: Kein Massenprodukt, reale, unabgehobene Musiker, ohne Rezept. Einfach aus der Emotion heraus komponiert, ohne Reissbrett und Plan. Das soll auch das „Erfolgsrezept“ sein in einer Welt, in der Musik mittlerweile nur noch nach „Hitpotenzial“ komponiert wird und wie von Lenas überrollt werden.

Tanz der Teufel„, der nächste Song, schliesst hervorragend zum Vorgänger auf, sowohl was Instrumentierung und auch Lyrics angeht. Denn wer nach dem Codex seiner eigenen Diktatur lebt, lässt sich nicht vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat und macht sein Ding, auch gegen den Strom, vorbei an den Massen, um selbst vielleicht Massen zu bewegen.

Wahrheit tut weh eröffnet mit einem elektronisch östlich klingenden Thema, das sich durch den ganzen Track zieht und eher, würde man in einem Club das ganze Album am Stück hören, dazu einlädt, genau jetzt schnell mal ein Bierchen zu holen und das Glas auf die Wahrheit zu erheben. Kurz verschnauft, und weiter gehts.

Die Pest„, auch etwas ruhiger mit fulminanteren Zwischenparts. Die rechte Mischung, um seiner Verflossenen so richtig selbige an den Hals zu wünschen. Die Mischung aus elektronischen Triller und klaren Gitarrenlinien unterstreicht das hin und her gerissen sein, zwischen „Ich war doch so verliebt“ und „Du hast mich so dermassen vera**“. Gelungenes Stück.

Aber Treibhaus sind mit der Verarbeitung des Beziehungsendes noch nicht durch, denn mit „Scheiss auf Dich“ wird das Thema, ruhig elektronisch, weitergeführt. Wurden bei „Die Pest“ ja noch Fragen nach dem „Warum“ gestellt, tritt hier die Verarbeitung in die Endphase. Das Stück verzichtet auf Gitarren und harten Metal. Es weicht das Fragen der Erkenntnis, dass man am Ende sich frei fühlt und neue Wege beschreiten kann.

Alphatier„, Track 7 des Werkes…und schwupps, passend zum Leitanspruch wird’s wieder härter, Gitarren und Drums scheinen einen nach den ruhigeren Stücken gleich zu überrollen. Wobei man sich schon fragt, ob der Anspruch, Gottes wahrer Sohn zu sein, nicht ein wenig hoch gegriffen ist. Aber diese Frage muss wohl einen andere, übergeordnete Stelle dereinst beantworten.

Auf in den Kampf eröffnet mit schönem Synth-Stakkato, überrascht aber im Refrain wieder mit harten Gitarren, die man eher nicht erwartet hätte, die aber doch auch hier wieder die Botschaft des Songs passend untermalen.

Auch die nächsten Tracks, „Eiszeit“ und“Ave Maria„, sind ein Hinhörer, wobei letzteres auch noch das Potenzial als Tanzflächenfüller mitbringt. Diesbezüglich seien hier aber auch noch einmal „Alphatier„, „Tanz der Teufel“ und „Die Pest“ erwähnt.

„Helden von gestern“ hat für mich persönlich das größte „Hitpotenzial“, auch, oder vielleicht gerade, weil es doch sehr stark an Rammstein denken lässt.

Fazit: Ein sehr gelungenes Werk, das in seiner Machart Vergleiche mit Rammstein und anderen nicht zu scheuen braucht. Und das Emotionen auf eine feine, trotzdem hie und da heftige Art herausschreit, dabei aber nicht auf ein flaches Niveau fällt. Wohl durchdacht, obwohl das oben genannte Reissbrett nicht zu erkennen ist, nicht so „Platt“ wie das Wutgebrülle a la Steinkind. Hörenswert, tanzbar, eine Ohrenweide. Und durchaus noch weiteres Potenzial nach oben.

Titelliste von “Alphatier”

01. Einleitung 00:57
02. Syndrom 03:03
03. Tanz der Teufel 03:33
04. Wahrheit tut weh 03:54
05. Die Pest 03:50
06. Scheiss auf Dich 03:07
07. Alphatier 03:26
08. Auf  in den Kampf 04:05
09. Eiszeit 04:48
10. Ave Maria 04:02
11. Helden von gestern 04:41
12. Die Pest „Drum Dance Version“ 03:54
13. Auf in den Kampf „Input Synthex Remix“ (by „Enter And Fall) 04:39

(8,5/10)
(8,5/10)

Anspieltips:

> Helden von gestern
> Tanz der Teufel
> Alphatier
> Wahrheit tut weh

Erscheinungstermin:
28.01.2011

Link zur Bandseite:

http://treibhaus-sound.de

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