Triste - Audial Suicide

Triste – Audial Suicide (Review und Kritik)

Triste - Audial Suicide
Triste - Audial Suicide

Triste, ein noch recht unbekanntes Einmann Atmospheric Black Metal Projekt aus den USA, gegründet im Jahre 2005 von Hètre (Mitbegründer des Ambient Projekts Deep-Pression), veröffentlichte 2007 nach einigen Demos und der letzten EP „V“ sein aktuellstes auf 500 Stück limitiertes Tape und verleiht damit dem Gemüt gekonnt seine Stimme in endlos fallender Melancholie – Audial Suicide.


Erdrückende, monotone Gefühle der Leere, durchzuckt von Ausbrüchen schierer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – „Failure„, das erste Werk der EP und das bis jetzt ergreifendste Stück, das Triste seit jeher herausgebracht hat ist nicht mehr und nicht weniger als die Wiederspiegelung des Versagens in einem drögen Dasein ohne Vor und Zurück, schwebend im Nichts, festgehalten von einer zerreißenden Melodie, die das ganze Lied begleitet, wie schwere, langsam immer tiefer fressende Lasten des Schmerzes an endlos tristen Tagen tiefer Depressionen, die nicht abgelegt werden können. Diese Trauer überschwemmt den Hörer mit einer Flutwelle von Gefühlen und reißt ihn mit in den nie endenden Nebel des Kummers ohne Zeit und Raum. Innerlich tobt der Kampf, sich von allen schmerzlichen Empfindungen abzuschirmen und endlich ist er gewonnen: vollkommen emotionslose Stille, Freiheit – dann plötzlich folgt der Zusammenbruch und das einsame Gitarrenspiel läutet ihn drohend ein. Zurück strömen Gefühle und Schmerz in doppelter Geschwindigkeit und Stärke. Zweimal kämpft man diesen Kampf erfolglos und immer härter fallen die Emotionen erneut herab – schließlich der letzte Zusammenbruch. Plötzlich wird das Gemüt ruhiger, man verfällt in eine Art Trance und spürt jetzt die Klingen buchstäblich auf der Haut. Dann ertönt ein letztes mal die langsam zehrende Melodie, bis der letzte Schmerzensschrei heraus gebrochen ist und endgültig Stille herrscht..

Triste
Triste

Diesem grandiosen Stück folgt das sehr melodisch eingeleitete „Untitled„, welches an seinen Vorgänger perfekt anschließt. Der ganze Song ist zu vergleichen mit einer Klagemusik, die in einer schönen, sanften Art ihr Leid erzählt. Hier ist es nicht der zehrende Schmerz, der dich auffrisst, es ist eher wie die Erzählung eines so langen Leidens mit der Folge, dass jegliches Gefühl und alle Trauer, sowie auch die Fähigkeit zu fühlen und zu trauern verschwunden bzw. verloren gegangen ist. Es ist eine Art Gleichgültigkeit aufgrund der werdenden Müdigkeit – das eigene Schicksal oder eine Tatsache wurde akzeptiert, mit der Erkenntnis, das alles vorbei ist. Aufgegeben, wartend – auf das Ende. Insgesamt entspricht es einem langsamen Dahinvegetieren mit kurzen, auflebenden Schreien, es erfolgt jedoch kein Aufbäumen oder Widerstand. Es herrscht ausnahmslose Wehrlosig- und vor allem Willenlosigkeit und das ist, was dieses Werk so deprimierend macht und verzweifeln lässt.

Die letzte Arbeit der EP „Lacrymal“ als Abschluss ist ein echtes Meisterstück des Gefühlschaos. Es beschreibt die Situation, wenn wir Tränen vergießen – es gerne würden – kurz davor sind oder den Moment danach. So als ob alle Emotionen auf einmal herabstürzten und keine Entscheidung gefällt werden könnte, welche von diesen nun ausgelebt werden sollte. Trauer? Wut? Gleichgültigkeit? Verzweiflung? Hass? Es herrschen derartig starke Stimmungsschwankungen, dass sie einem psychisch kranken Menschen gleichkommen könnten. Ruhige, langsame Passagen fallen schlagartig um – werden laut und schnell. Klagerufe werden plötzlich aggressiv und die Stimme wird abwechselnd verschwommen – dann jedoch wieder ganz klar. Dieses Stück beschreibt wirklich gekonnt die Tage, an denen alles zu Kopfe steigt und man nicht mehr weiß, ob rechts oder links, vorwärts oder rückwärts, hin und her gerissen zwischen Gefühlen – den Anforderungen und Bedürfnissen, weil einfach alles zu viel wird.


Zanzil
Zanzil

Fazit:

Alles in allem ist Audial Suicide ein sehr gelungenes Album, die Soundqualität ist mit den ersten Demos nicht zu vergleichen. Die Instrumente sind perfekt im Einklang und die gefühlsergreifende Art ist einfach berauschend. Der Albumtitel der EP ist eindeutig zutreffend, 28:29 Minuten schwelgen in purer Melancholie.




Tracklist

1. Failure 13:16
2. Untitled 05:56
3. Lacrymal 09:47
Total playing time 28:59

9/10
9/10

Anspieltipps: Failure

Triste Official
Triste at Myspace
Label: aktuell: Northern Silence
Choirs of Delusion – Die Tapes sind dort im Shop für 4 Euro zu haben


About >puregatory<

Ich bin ein Mensch für den Musik eine wichtige Rolle im Leben spielt.... wie heisst es so schön ... da wo Worte nicht mehr weiter wissen, setzt die Musik ein .. da ist was wahres dran. Ich schreibe gerne , lese, fotographiere. Schreibe selber Gedichte und Songtexte für diverse Künstler. Sich weiter zu entwickeln finde ich sehr wichtig , denn ich bin der Meinung still zu stehen macht einen auf Dauer krank. Wer irgendwelche Fragen an mich hat, kann mich gerne kontaktieren.

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