TrollfesT - Villanden

TrollfesT – Villanden (Review und Kritik)

TrollfesT - Villanden
TrollfesT - Villanden

TrollfesT – Villanden (Review und Kritik)

…von einer gehörnten Metall-Ente, oder wann hört der Spaß auf Ernst zu sein…

Ob Finntroll damals, lang ist’s her, im ausgehenden 20. Jahrhundert tatsächlich gewusst haben, was für eine Welle an Trollen, Humppa-Wahnsinnigen, Joikern und anderen nicht wirklich zurechnungsfähigen Gestalten sie nach sich ziehen werden? Ich glaube es nicht und irgendwie hat man auch das Gefühl, dass es den Finnen nicht einmal sonderlich recht ist, dass mittlerweile jeder dahergelaufene Freizeittroll versucht im Takt Köpfe abzuhacken und dabei das Tanzbein zu schwingen. Um das ganze auch noch genießen zu können, müssen natürlich literweise Öl oder gar der Trank der Götter – Jägermeister – intus sein, denn ohne kann man die ganze Fröhlichkeit und den „Humor“ mancher Suffkapelle keinesfalls aushalten.

Amazon - SchattenschleierWas hat das ganze nun mit TrollfesT zu tun? Nun, die Norweger sind wohl der Prototyp einer Band, die nüchtern nicht zu ertragen ist und nur im absoluten Vollsuff wohl ihre Wunder wirken kann. „Kann“ deswegen, weil man für „Villanden“ schon einen wirklich eigentümlichen Humor haben muss, so subtil, wie das Krachen einer Trollkeule in den Altar der nächsten Kirche. Aber was will man erwarten? Erzählte das letzte Album die versoffene Geschichte von Brakebein, einem grenzdebilen Piratentroll auf der Suche nach dem „Legendarisk ØL“, will man uns nun die Herz zerreißende Story einer Metall gewordenen Ente mit Teufelshörnern auftischen, die sich am liebsten an elendem Christenblut labt. So weit, so bescheuert.

Trollfest
Trollfest

Aber Polemik beiseite, gibt es einen Grund „Villanden“ auch nüchtern einmal eine Chance zu geben? Den gibt es bestimmt, denn wenn man hinter die Fassade aus Unfug und Quatsch blickt, wird man richtig gute Musiker erkennen, die ihr Handwerk verstehen und durchaus gute Musik machen könnten. Schon allein der Opener „Wo bin ich jetz aufgewacht?“ spielt mit orientalischen Melodien, „Der Jegermeister“ knüppelt und thrasht sich, natürlich mit unsäglichen Folkinstrumenten und Pennerchören angereichert, munter durch die Landschaft, das Titelstück selbst wirkt dann schon fast progressiv, würde der Song nicht zwischendurch durch „Quak-Quak“ wieder komplett durch den alkoholisierten Kakao gezogen.

Mit „Per, Pål og Brakebeins Abenteuer“ säuft man sich noch einmal kurz zurück zum Trollpiraten und seiner Bande, das wahnwitzige „God fart“ hämmert einem gar den Restverstand aus dem Schädel und mit „En ny erfaring“ ist das Niveau wohl schließlich gar ganz am Boden, dank Schunkelrhythmus und Trallallala-Gesängen. Zum Schluß noch „Die Kirche undt der Mache„, was doch noch einmal zeigt, dass TrollfesT auch mit weniger Klamauk auskommen und genau dann ihre Stärken ausspielen können.


Iskharian
Iskharian

Fazit:

Wahrscheinlich das perfekte Album, um in geselliger Runde sich dem finalen Koma hinzugeben. In dem Fall hat „Villanden„, ohne es je ausprobiert zu haben, sicher eine hohe Wertung verdient. Nüchtern betrachtet, geht einem das Album schnell auf die Nerven, trotz der teilweise wirklich anständigen Ideen und dem hohen technischen Niveau der Herren. In etwa vergleichbar mit den Saufalben Onkel Toms, nur dass TrollfesT eben eine teuflische Metallente besingen.


Trackliste:

  1. Wo bin ich jetz aufgewacht?
  2. Der Jegermeister
  3. Uraltes Element
  4. Villanden
  5. Per, Pål og Brakebeins Abenteuer
  6. Der Uhr ist Skandaløst Schändlich
  7. God Fart
  8. Festival
  9. En ny erfaring
  10. Trinkevisen
  11. Die Kirche undt der Mache
Nüchtern: 4 / 10
Nüchtern: 4 / 10

Anspieltipps:

nach einem Kasten Stark-Öl das komplette Album

Erscheinungstermin:

09.01.2009

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