Tyrael - Der Wald ist mein Zuhause
Tyrael - Der Wald ist mein Zuhause

Tyrael – Der Wald ist mein Zuhause (Review und Kritik)

Tyrael - Der Wald ist mein Zuhause
Tyrael - Der Wald ist mein Zuhause

Wenn es irgendwas im Black und auch Pagan Metal zuhauf gibt, dann sind das Liebesbekenntnisse an Natur, Wald und Umwelt – nicht selten gepaart mit einer gehörigen Portion Misanthropie und der obligatorischen Kampfansage an die Menschheit. Dieses Schema ist man genau so gewohnt wie die Tatsache, dass der andere Vetreter des extremen Metals textlich lieber Menschen auseinander nimmt und wesentlich kompromissloser vorgeht. Aber auch ein Death/ Black Metal Hybrid der die Naturfetischisten genau so bedient wie die brutale Knüppelfraktion, scheint kein Unding zu sein, wie die Westphalen Tyrael mit ihrem ersten Album in zehn langen Jahren Bandgeschichte unter Beweis stellen wollen. „Der Wald ist mein Zuhause“ knüppelt, grunzt und schickt sich an zwei vollkommen unterschiedliche musikalische Welten miteinander zu vereinen.

Dabei ist die Beschreibung als Black/ Death Metalband doch immer recht irreführend. Der gemeine Metaller denkt bei dieser Stileinordnung nämlich Automatisch an Gruppen wie die Österreicher Belphegor – und da sei direkt gesagt: Es gibt keinerlei Gemeinsamkeiten.

Tyrael
Tyrael
Tatsächlich zeigen schon die ersten kurzen, aber brachialen, Tracks wie „To Isengard“ und „Throne of God“ wo hier der Hammer hängt. Das Riffing erinnert stellenweise zwar schon sehr an Black Metal, aber im allgemeinen fährt man dann doch eher die Brutal-Death Metal Schiene. Tiefe Growls, die teilweise wesentlich mehr an Grindcore erinnern, treffen auf ein, für diese Art von Musik, ungewohnt melodisches Riffing. So, dass besonders Tracks wie „Sonnige Tage“ als ungewöhnlich eigenständig wirkende Melodeathstücke hervorstechen. Hier fällt einem viel ein, aber mit Black Metal haben der gurgelnde Gesang und auch die anderen Attitüden der jungen Nordrhein Westphalen mal eben gar nichts zu tun.

Das muss aber natürlich nichts negatives sein. Der ein oder andere, der sich bei dem Titel sowie der Aufmachung auf atmosphärische Musik zum Träumen von Wald und Wiesen gefreut hat wird mitlerweile vielleicht erschrocken die CD aus dem Player geworfen haben, aber wer wirklich Metal hören und die Haare fliegen lassen möchte wird seinen Gefallen an dem etwas kruden Mix finden den Tyrael einem hier bietet. Schade ist natürlich, dass auch deutsche Texte wie „Gedankenfluss“ dank dem harten Tempowechseln und Mischmasch aus hohen Screams und grunzenden Death-Einflüssen nahezu unmöglich zu verstehen sind. Aber wozu gibt es schließlich das Internet? Und bei den musikalischen Höchstleistungen zwischen Melodie und purer Brutalität die Tyrael einem hier bieten rückt sowas zugegebenermaßen auch mal in den Hintergrund.

Selbst wenn man im Wesentlichen mit den textlichen Aussagen einer Gruppe übereinstimmt, und der Moshfaktor durchaus von Akustikpassagen wie „Wo sind die Meinen?“ unterbrochen wird.

Ein bisschen mehr als hohes Gekreische  hat man sich also doch vom schwarzmetallenden Bruder abgeguckt. Ist man zwischendurch ein bisschen an einen merkwürdigen Mix aus Equilibrium und Grindcore erinnert schafft es die Band, eben trotz dominierender Death

Tyrael Logo
Tyrael Logo

Metal Anleihen, auch den festgefahrendsten Black Metaller zurück zur Musik zu führen. Sei es durch Stiltypische Gitarrenarbeit oder aber auch durch das total untypisch vertonte „Cover“ von Goethes Gedicht „Erlkönig“, welches definitiv einen besonderen Höhepunkt des Albums darstellt.

Kurzum: Die Band ist verdammt weit weg von einengenden Stilmitteln und Zwängen, die sich Bands und Genres heute selbst auferlegen, und macht ihren Job dabei verdammt gut, eigenständig und vollkommen ohne irgendjemanden zu kopieren. Death Metaller werden sicher begeisterter sein als die Corpsepaintfraktion aber einen gewissen Unterhaltungsfaktor werden auch jene diesem Album nicht abstreiten können.

Fazit: Nein, wie im Review schon gesagt, ist das sicher kein Black Metal. Aber man schafft hier einen so eindrucksvollen Spagat irgendwo zwischen „Dying Fetus“, „Equilibrium“ und einer leichten Priese Schwarzmetalls hin zu legen, dass sich ein Reinhören durchaus lohnt solange man brutalerem Death Metal nicht vollkommen abgeneigt ist. Die Musiker verstehen ihr Handwerk, Sänger Joschka verfügt über eine bemerkenswerte Stimmvielfalt und trotz all dem Geknüppel kommt die Melodie niemals zu kurz. Es ist sicher nichts was ich dauernd hören würde, aber ich bin trotzdem überzeugt davon, dass diese Scheibe noch das ein oder andere Mal im Player rotieren wird – nach immerhin zehn Jahren Übungszeit wirklich ein würdiges Debütwerk.

Tracklist von „Der Wald ist mein Zuhause“

  1. To Isengard
  2. Throne of God
  3. Der Jäger
  4. Sonnige Tage
  5. Gedankenfluss
  6. Traum der Wirklichkeit
  7. Wo sind die Meinen?
  8. Gebrochenes Eis
  9. Erlkönig
  10. Der Wald ist mein Zuhause
  11. Des Rabens Andacht
( 6 / 10 )

Anspieltips:
> To Isengard
> Sonnige Tage
> Erlkönig

Erscheinungstermin:
22.01.2010

http://www.myspace.com/tyraelmetal

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  • Ein schönes Review.
    Auch wenn ich eher der BM Mensch bin und Death-Metal nur bedingt mag, so gibt das Review ein großes Interesse.

    Ich denke ich werde mal rein hören 🙂

  • Iskharian

    Noch dazu ist die Band wirklich sehr sympatisch. Sollte man auf jeden Fall im Auge behalten für die Zukunft!

  • Danke nochmal für das faire und sehr schon aufgemachte Review.

    Mehr Reviews und Infos gibt’s auch auf http://www.reverbnation.com/tyrael

    Gruß Sven