Tyske Ludder - Anonymous

Tyske Ludder – Anonymous (Review und Kritik)

Tyske Ludder - Anonymous
Tyske Ludder - Anonymous

Die friesischen EBM-Heads von Tyske Ludder haben sich ziemlich wenig Zeit für ihr neues Album gelassen. In ihrer ca. zwanzigjährigen Geschichte stehen gerade mal 5 Alben zu Buche – Das macht im Durchschnitt in alle 4 Jahre ein Album. Dass zwischen dem letzten Album „Sojus“ und „Anonymous“ nur 3 Jahre liegen, find ich gut – Wenn man bedenkt, dass zwischen „Creutzfeld“ und „Sojus“ auch 10 Jahre lagen, ist das eine gute Zeit. Dabei ist das Album auch auf gar keinen Fall ein Schnellschuss, auch wenn das Wort sich bei diesen Zeitspannen irgendwie seltsam anhört. Man hat sich einfach nur weniger Zeit gelassen, uns diese Granate um die Ohren zu hauen.

Denn „Anonymous“ ist nichts weiteres als das – Wie eigentlich alle Tyske-Ludder-Alben. Rauer EBM mit diversen Industrial-Einsprengseln, tanzbar und clubtauglich. Genauso muss EBM klingen, ohne gleich als Nitzer Ebb- oder Front 242-Kopie abgetan zu werden und auch in unserer Zeit relevant und kein Thema für Ewiggestrige zu sein. Und sogar mit einer sehr sehr geilen Coverversion der leider sehr unbekannten Jesus and the Gurus wartet das Album auf: Ihr „Panzer“ wurde zu einem 300px-tyske_ludder_promo_01Clubkracher erster Güte verbraten, der sicherlich viel Anklang finden wird. Definitiv eine interessante Coverversion und mal etwas anderes als die ewig wiedergekäuten New Wave- oder Popcover – Und genau wie die Musik von Tyske Ludder (zu deutsch: „Deutsche Hure“). Thematisch ist das Lied übrigens sehr repräsentativ: Der Krieg als Thematik zog sich seit jeher durch die Texte der Friesen und kommt auch auf Anonymous nicht zu kurz.

Zu nennen sind „March“, das mit einer sehr martialischen Melodie zu ähnlich martialischen Beats aufwartet, erwähntes „Panzerlied“ und „Maschinenstaat“. Aber auch Themen wie sexuellem Missbrauch („Bastard“) und Drogen („Psychoaktiv“) hat sich die „deutsche Hure“ gewidmet: Dies ist eine der größten Stärken der Band. Tanzbar, aber doch mit Botschaft können (oder wollen?) nicht viele. Doch auch abseits der textlichen Brisanz wissen Tyske Ludder zu überzeugen: Songs wie „Panzer“, „Shokkz“, „Gebet“, das sehr Oldschool-lastige „Bastard“ oder „Maschinenstaat“ sollten auf den Tanzflächen der Clubs einschlagen. „Anonymous“ wird das Album auf den Playlisten der DJs also definitiv nicht bleiben.

Fenriz
Fenriz

Fazit:

Ein starkes Stück Tanzmusik von einer etablierten, sich aber sehr rar machenden Größe. Doch die 3 Jahre Warten nach „Sojus“ haben sich gelohnt: Saustarke EBM, die abseits von Oldschool-Klischees durch die Clubs poltert und einfach Spaß macht. Ich ärgere mich bunt, dass ich die Band auf dem WGT verpasst habe – Doch immerhin kann ich mich mit dem Album trösten, das ich bereits zum 3. Mal heute höre – Und die Hördurchgänge heute werden ganz bestimmt nicht die letzten sein. Ich freue mich bereits auf den nächsten Clubabend – Die Songs werde ich dort sicher zu hören bekommen.



Tracklist:

  1. Frya Frisena
  2. Shokkz
  3. Gebet
  4. Psychoaktiv
  5. Fix the Beat
  6. Bastard
  7. Narben
  8. Panzer
  9. March
  10. Maschinenstaat

Veröffentlichung: 05.06.2009
www.tyske-ludder.de
www.myspace.com/tyskeludder

8/10
8/10

Anspieltipps:

– Bastard
– Narben
– Panzer
– Maschinenstaat 
– Fix The Beat

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