Ulme - Tropic of Taurus

Ulme – Tropic of Taurus (Review und Kritik)


Ulme - Tropic of Taurus
Ulme - Tropic of Taurus

Nach dem 2007er Werk „Dreams of the Earth“ melden sich Deutschlands Noiserock-Pioniere mit einem Paukenschlag in Form der neuen LP „Tropic of Taurus“ zurück. Das nunmehr sechste Werk aus dem Hause Ulme ist gezeichnet von einer rohen, urwüchsigen Klanggewalt. Konnte bereits der direkte Vorgänger von Grund auf begeistern, legt das Dreigespann um Mastermind Arne Heesch mit „Tropic of Tarus“ noch einen drauf.  Ulme klingen Anno 2009 reifer und durchdachter als noch vor zwei Jahren, wollen sich aber weiterhin partout keinen Genreklassifizierungen unterwerfen lassen. Irgendwo im Stoner, Grunge und Noise-Einerlei bilden sie sich einen eigenen intimen Rahmen, der ganz und gar nicht einerlei klingt, sondern vielmehr hochgradig interessant.


Los geht die Reise mit dem wahnwitzigen Opener „Rubber P“ – Ein starker Song, der Einblick gibt, in das ULME´sche Klanguniversum. Mächtige, verzerrte Riffwände, eine aggressiv-psychotische Atmosphäre und gelungene Vocals zeichnen dieses vielseitige und von einem durchdachten Arrangement geprägte Stück aus. Noch ein wenig wütender geht es dann bei dem nachfolgenden Stück „Sysiphus, Crack the Stone“ zu. Was anfangs noch wie eine Placebo-Reminiszenz klingt, steigert sich in fiese, psychopathische Shout-Attacken, um sich dann wieder in erdigen, phlegmatisch-melancholischen Klargesang niederzusenken. Getragen wird das ganze durch eher träge und schwere, zuweilen jedoch beinharte Riffs, die eine unglaubliche Eigendynamik entfalten. Scheinbar gegensätzliche Pole finden  zu einer gelungenen Symbiose zusammen.


Neben Songs wie dem vorpreschenden „Jewels“ gibt es aber auch dezentere Klänge wie „Saviour“ oder „Light in the Trees“ auf dem Silberling zu vernehmen, die trotz der reduzierten Lautstärke nicht an expressiver Kraft einbüßen müssen. Besondere Erwähnung dürfte hier noch das Stück „Orpheus“ finden , bei dem Arne Heesch zusammen mit Kurt Ebelhäuser von Blackmail u. Scumbucket am Mikrofon steht.
Letzterer zeigt sich dann auch für die gelungene Produktion verantwortlich, die in ihrem harschen Wesen, dem Album den nötigen Druck verleiht und das nötige I-Tüpfelchen verpasst.

Dass ULME nicht irgendeine Band sind, zeigt sich auch an dem enormen Facettenreichtum, da wird mit allerlei Elementen gekonnt rumjongliert. Mal präsentiert man sich wüst und träge, wie in den doomig angehauchten Passagen von „Little Spark“ oder artet auch mal in frenetisch-impulsiven Arrangements wie in „Phoenix Awakens“ aus. Auch die stimmlichen Qualitäten weisen nun eine weitaus größere Bandbreite auf – Da tun sich auf äußerst eindringliche Art und Weise menschliche Abgründe voller Schmerz und Leidenschaft auf – Diese Ambivalenz der Gemüter ist es auch, die einen großen Reiz ausmacht.

Martin "Rostig" Pilot
Martin "Rostig" Pilot

Fazit: Man könnte jetzt natürlich wieder einen Haufen von Vergleichen heranziehen – Man könnte den Kompromiss eingehen, Bands wie Mastodon, Kyuss oder Tool zu nennen.
Dennoch sehe ich davon ab – Man täte der Band Unrecht. ULME haben sich ihre eigene Liga geschaffen, sie spielen in ihrem eigenen Kosmos. Wüst und staubig ist er, und dennoch wunderschön. Und so pendeln die sehnsuchtsgeschwängerten musikalischen Auswüchse ULMES auch stets zwischen bedrohlich und fragil,-  zwischen einer erdrückenden Schwere und melancholischer Leichtigkeit. Grundsätzlich zeigt man sich aber lebensbejahender, als z.B. auf dem düster-apokalyptischem Vorgänger. Und genau, dieses Wechselspiel der Stimmungen ist es auch, was mich letztlich zur hohen Wertung verleitet – ULME zeigen sich gewohnt kompromisslos, da ist kein Platz für Fremdkörper,  die versuchen, diesen Kosmos einzuschränken oder in irgendeiner Weise zu behindern. Dafür bin ich zutiefst dankbar.


Tracklist:

  1. Rubber P
  2. Sisyphus, crack the stone !
  3. My Heart stops beating (when yours is near)
  4. The Web
  5. Little Spark
  6. Orpheus
  7. Girl of the Sea
  8. Jewels
  9. Light in the Trees
  10. Phoenix Awakens
  11. Saviour



9/10
9/10


Anspieltipps: Rubber P, Jewels, Phoenix Awakens

Erscheinungsdatum: 02.10.2009

Webpräsenz:

myspace.com/ulmemusic

Label: Nois-O-Lution Records

About Rostig

Alter: 23 Beruf: Student Lieblingmusik: Querbeet Hobbys: Musik, Videospiele, Filme, Schreiberei, Kunst

Check Also

Sabaton, Amaranthe und Apocalyptica brachten ins Schwitzen – Olympiahalle im Aunahmezustand

Sabaton lud zur „Great War Tour“ am 19.01.2020 ein, dessen Aufruf tausende Fans in die …