Urgesteine & Ahnen des Gothic Rock – Teil 1: Joy Division mit Ian Curtis

Mit Ian Curtis habe ich etwas gemeinsam. Wir beide leiden bzw. litten an der gleichen Krankheit – Epilepsie. Nur mit dem Unterschied, dass mir die heutige Pharmaforschung ein normales Leben ermöglicht hat, während es für ihn kaum bis gar nicht möglich war. Er wurde damit nicht fertig und rutschte in eine Depression ab. Viel von seinem Leben, seinem Leid und seinen Gefühlen verarbeitete er in seiner Musik und seiner Bühnenshow, seinem Tanzstil, der wirklich ungewöhnlich war, und den Laien vielleicht auch an einen epileptischen Anfall erinnert.  Leider gibt es ihn nicht mehr und diese wundervolle Band auch nicht, sie gehören zum Post Punk sind aber eines der Urgesteine und einer der Urväter des Gothic Rock.

Joy Division war eine englische Rockband, die sich im Jahre 1977 zunächst unter dem Namen Warsaw in Manchester zusammenfand. Der Name Warsaw geht auf den Song Warszawa von David Bowie zurück. Der spätere Name Joy Division leitete sich von einer angeblichen Prostituierten-Riege der deutschen Wehrmacht ab, die im Roman The House of Dolls des ehemaligen KZ-Häftlings Yehinel Feiner beschrieben wird. Joy Division waren eine der wichtigsten Bands der Post-Punk-Szene und Wegbereiter der Dark-Wave-Bewegung und des Gothic Rock Nach dem Suizid des Sängers Ian Curtis gründeten die drei verbliebenen Mitglieder (zusammen mit der Musikerin Gillian Gilbert) 1980 die Band New Order.“ (Quelle:“http://de.wikipedia.org/wiki/Joy_Division“)

Die Musik an sich in Worte zu fassen, ist auch hier schwierig. Nicht weil sie es nicht wert wäre, viele Worte darum zu machen sondern, weil es eine Sache ist, die man entweder fühlt oder halt nicht………..gruftig sein ist keine Frage des besten Kostüms auf dem jährlichen WGT! DAS hier sind die Ursprünge, das ist es was zählt. Diese wundervolle Musik und das, was sie auslöst im Inneren. Das Gefühl, das sie gibt, wenn man sie hört…..verstanden zu sein. Joy Division ist eine der Grundfesten und hatte einen ganz eigenen Stil, den man auch später bei keiner anderen Band mehr gefunden hat. Einzigartig eben. „Love will tear us apart“ war wohl einer der bekanntesten Titel:

Joy Division Love Will Tear Us Apart Lyrics

Songwriters: CURTIS, IAN KEVIN / HOOK, PETER /
MORRIS, STEPHEN PAUL DAVID / SUMNER, BERNARD
When routine bites hard,
And ambitions are low.
And resentment rides high,
But emotions won’t grow.
And we’re changing our ways,
Taking different roads.Love, love will tear us apart again.
Love, love will tear us apart again.Why is the bedroom so cold?
Turned away on your side.
Is my timing that flawed?
Our respect run so dry?
Yet there’s still this appeal,
That we’ve kept through our lives.Love, love will tear us apart again.
Love, love will tear us apart again.Do you cry out in your sleep?
All my failings exposed…
Gets a taste in my mouth
As desperation takes hold.
Why is it something so good
Just can’t function no more?Love, love will tear us apart again.
Love, love will tear us apart again.
Love, love will tear us apart again.
Love, love will tear up apart again.

Love Will Tear Us Apart lyrics © Universal Music Publishing Group

Große Diskussionen unter den wirklichen Fans rief der Verkauf eines T-Shirts mit Joy Division Motiv in einem großen deutschen Modehaus hervor. Hier wurde das Cover mit dem „Wellenmotiv“ verarbeitet. Auf die Idee kam man bei dem besagten Modehaus, als ein Mitglied der Teenieband „One Direction“ mit einem Joy Division Shirt herumlief – weil er das Shirt gut fand. Nicht weil er die Band oder die Musik mochte. Wenn Ihr mich fragt, hat er es bewusst gemacht um von der Beliebtheit von Joy Division zu profitieren und sich ins Gespräch zu bringen. Wie auch immer – das Resultat der Aktion: Es liefen somit viele junge Leute mit diesem Motiv herum, die weder jemals etwas von der Band gehört hatten noch sonstwie wussten, was es bedeutete und es nicht im geringsten mit der Band in Verbindung brachten, sondern mit einer ganz anderen. Das machte viele Menschen sehr wütend. Mich auch, denn ich mag diese Band wirklich sehr und fühle mich ihnen verbunden. So viel Ignoranz eines ihrer zwei großen Werke ist eine Beledigung – für die Band und jeden, der sie mag.

Joy Division haben eigentlich nur zwei Studioalben aufgenommen. Zum Einen eben jenes erwähnte mit dem “Wellenmotiv” – “Unknown Pleasures”, das in meinem Geburtsjahr 1979 herauskam, und dann “Closer”, das 1980 veröffentlicht wurde. Das „Wellenmotiv“ hat mit Wellen eigentlich nichts zu tun, das Cover zeigt eine Abbildung mehrerer Radiopulse von PSR B1919+21, dem ersten entdeckten Pulsar, wobei hier weiße Linien auf schwarzem Grund sind, statt schwarze Linien auf weißem Grund, wie im Orginal der Cambridge Encyclopedia of Astronomy. Die Idee für dieses Motiv hatte der Schlagzeuger der Band, Stephen Morris. Auf der Orginal-LP gab es auch keine Titelleiste und die Seiten der Vinyl-Platte wurden mit „Inside“ und „Outside“ beschriftet. Es war aber das wenigere erfolgreiche der beiden Alben. Erst, als die Band mit dem Folgealbum „Closer“ durch die Single „Love will tear us appart“ bekannt wurde, kam es eine Woche lang in die britischen Charts.

Die CDs gibt es Goth-sei-Dank heute noch zu kaufen, man bekommt sie in digitalisierter und überarbeiteter Form bei Amazon:

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Die Orginalbesetzung von Joy Division:

Mein persönliches Lieblingslied habe ich euch oben gepostet, „She´s lost control“. In einer Liedzeile von diesem  Video singt er „I´ve lost control“. Ich bin der festen Überzeugung, dass er auf seine Erkrankung anspielt. Aber das ist nur meine persönliche Theorie, die ihr mir bitte nicht übel nehmt. Denn Epilepsie ist ein Kontrollverlust, ein Kontrollverlust über den eigenen Körper, das eigene Selbst. Und damit muss man fertig werden. Moderne Medikamente machen es leichter, sie unterdrücken es. Aber damals, 1979, war es noch nicht so weit her damit. Keppra wurde erst 1985 patentiert, wirkliche Durchbrüche wurden erst in den 80er und 90er Jahren erzielt. Hier der Songtext:

Confusion in her eyes that says it all.
She’s lost control.
And she’s clinging to the nearest passer by,
She’s lost control.
And she gave away the secrets of her past,
And said I’ve lost control again,
And of a voice that told her when and where to act,
She said I’ve lost control again.And she turned around and took me by the hand
And said I’ve lost control again.
And how I’ll never know just why or understand
She said I’ve lost control again.
And she screamed out kicking on her side
And said I’ve lost control again.
And seized up on the floor, I thought she’d die.
She said I’ve lost control.
She’s lost control again.
She’s lost control.
She’s lost control again.
She’s lost control.Well I had to phone her friend to state my case,
And say she’s lost control again.
And she showed up all the errors and mistakes,
And said I’ve lost control again.
But she expressed herself in many different ways,
Until she lost control again.
And walked upon the edge of no escape,
And laughed I’ve lost control.
She’s lost control again.
She’s lost control.
She’s lost control again.
She’s lost control.I could live a little better with the myths and the lies,
When the darkness broke in, I just broke down and cried.
I could live a little in a wider line,
When the change is gone, when the urge is gone,
To lose control. When here we come.

Vor seinem Selbstmord waren die Anfälle verstärkt aufgetreten, zwei Wochen vor der geplanten Amerika Tournee. Es wird viel gemutmaßt, ob es Anfälle waren, die er auf der Bühne hatte, oder ob sie es nicht waren. Leute, das kann er nur selbst wissen oder die Leute, denen er davon erzählt hat. Der Druck, quasi das ganze Label mit seiner Musik durchbringen zu müssen, und die schwierigen Familienverhältnisse werden sich sicherlich negativ ausgewirkt haben. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass persönlicher Druck diese Krankheit verschlimmert hätte. Rest in peace, Ian Curtis.

Dies war der erste Teil und ich hoffe er hat euch gefallen. Was möchte ich in dieser Serie machen? Ich möchte hier die Urväter des Gothic Rock und Ihre Ahnen aus dem Post Punk sowie dem Dark Wave Bereich vorstellen. Eben allerlei Gruftiges, was die Grundsteine für die heutige Gothic-Kultur gelegt hat. Leider kennen viele junge Menschen diese wunderbaren Bands nicht. Und weil sich jeder, der sich „Goth“ nennt, seine Wurzeln kennen sollte, stelle ich sie Euch jetzt einfach mal vor….“Know your roots!“

Carpe noctem,

Euer Eulchen!

P.S. Es gibt noch einen ganz wundervollen Film über die Band den man gesehen haben sollte:

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  • Gespenst von Canterville

    Eine wirklich schöne Idee Joy Division vorzustellen, erklärt vielleicht auch vielen „Unwissenden“ wieso so viele Teenies mit dem „unknown pleasures“ Cover auf ihren Klamotten rumlaufen! Die Platte gibt es übrigens auch noch in einigen Plattenläden zu kaufen 😉

    Leider finde ich den Text an einigen Stellen jedoch etwas holprig zu lesen wegen falschen Satzkonstruktionen und zu subjektiven Aussagen :/ vielleicht könnte man nächstes mal etwas objektiver an so ein Thema herangehen…

    • Danke für die Kritik und schön dass Dir das Thema gefällt.

      Nun, wenn man einfach nur Daten und Fakten will, dann würde es reichen den Wikipedia-Eintrag komplett zu kopieren…..Subjektivität ist es doch was die eine Band von der anderen unterscheidet, oder nicht? Das was jeden Musikgeschmack individuell macht…..und die Musiklandschaft vielseitig. Und wenn so viele Emotionen wie bei Joy Division im Spiel sind, dann ist es schwer bis fast unmöglich, objektiv zu bleiben. Zumindest wenn einem die Band so viel bedeutet wie mir.

      Trotzdem vielen lieben Dank für Deine Rückmeldung und Anregung. 🙂