Waldgeflüster – Femundsmarka – Eine Reise in drei Kapiteln (Review und Kritik)

Waldgeflüster - Femundsmarka - Eine Reise in drei Kapiteln

Die meiner Meinung nach schönsten und wahrscheinlich anspruchsvollsten Scheiben sind Konzeptalben. Musik genießen und gleichzeitig eine zusammenhängende Geschichte erzählt bekommen – was gibt es besseres? Aber wie gesagt, das Ganze ist oft schwierig umzusetzen und daher wagen sich leider die wenigsten Bands an ein solches Unterfangen. Das Projekt Waldegflüster aus dem bayrischen Rosenheim schreckt dennoch nicht vor etwaigen Problemen zurück und nimmt mit seinem zweiten Album „Femundsmarka …“ sogar eine überraschend dichte und in sich geschlossene Platte auf. Lehnt euch also zurück, schließt die Augen und begebt euch mit mir auf „eine Reise in drei Kapiteln.“

Das erste Problem dabei – die standard-Songstruktur aus Strophe und abwechselndem Refrain lässt sich natürlich nicht umsetzen wenn das Ganze ein wenig Sinn ergeben soll. Glücklicherweise schließt ein solcher Umstand direkt aus, dass sich hinter den Klischeebehafteten Namen Waldgeflüster und Winterherz trendiger 08/15 Pagan Metal versteckt. Hinter letzterem Pseudonym steht der offizielle  Kopf hinter der „Band“ und wer sein Debüt mit „Herbstklagen“ kennt dürfte durchaus wissen, dass seine Kapelle alles andere als Alltäglich ist. So ist Das Album das Ergebnis einer wirklichen Trekking-Tour im Norwegischen Femudsmarka die er mit seinem Bruder unternommen hat, der einen nicht unerheblichen Anteil an der musikalsichen Umsetzung hatte.

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Winterherz

„Femudsmarka“ selbst beginnt klassisch – ein ruhiges Akustik-Intro mit dem Titel „Prolog –Aufbruch“ nimmt uns mit auf Winterherz´Seereise in weite Fernen und das erste Kapitel. Wer bis dahin in Träumen schwelgend dem ruhigen Mix aus Gitarrenklang und See-Samples gelauscht hatte wird hier abrupt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Stimme des Mannes klingt harsch und wütend, die Riffs sind melodisch und gelegentlich verliert man sich in Akustik-Passagen, fährt aber trotzdem durchweg eine klare Black Metal Linie. Erste Vergleiche mit den Österreichern Mondstille kommen mir in dem Kopf – wer sonst hatte deutschsprachigen avantgarde Black Metal schon sonst in den letzten Jahren so gelungen mit ruhigen Akustikklängen gepaart? Und ganz der schon jetzt bewiesenen Vielseitigkeit verpflichtet, wird mit „Interludium I – Rast“ ein ziemlich langes Zwischenstück eingeschoben, dass überwiegend von Synthies getragen wird. Natürlich erscheinen solche instrumentale zunächst einmal etwas überflüssig – gerade wenn sich das eigentliche Konzept der Scheibe auf gerade mal drei „Zwischenstopps“ zusammensetzt. Man muss allerdings eingestehen, dass sie die etwas überlangen Stücke durchaus positiv auflockern – diese sind immerhin wesentlich aggressiverer Natur und führen uns als nächstes in die unwirtlichen Gefilde einer Steinwüste.

Müsste man nun den musikalisch kompromisslosesten Track der Scheibe erwarten, sei vorerst gesagt dass alle drei Kapitel einen hörbaren roten Faden besitzen. Sie gehen zwar nicht unbemerkt ineinander über, sind sich aber auf´s Gesamtwerk betrachtet sehr ähnlich. Lediglich ein etwas modernerer und melancholischerer Unterton schwingt nun mit, der Thematisch die erste „Nacht“ unserer Reise mit „Interludium II“ einläutet. Dabei handelt es sich allerdings nur teilweise um ein kleines Akustik-Zwischenspiel. Etwa ab der Hälfte des Songs zieht man andere Saiten auf – auf einmal hat man das Gefühl einem erstklassigen DSBM Werk zu lauschen: monotonere Riffs, klagender Schreigesang… was ist aus dem kompromisslosen Pagan Einschlag geworden?

Ein solcher Stilbruch kam unerwartet? Er war wie bereits gesagt die Nacht-Seite unserer Reise, denn schon „Kapitel III – Fichtenhain“ führt uns „tagsüber“ gewohnt melodiebetont auf den Heimweg durch weite Wälder und mit geschickt eingesetzten Samples im abschließenden Epilog aus unserer Traumreise zurück in vertraute Gefilde.

Fazit: Wie gerne ich hier die Texte zur Hand gehabt hätte. Femundsmarka ist eine Reise im Kopf. Hart, aggressiv, so das kein Zweifel daran kommt einer Metal Scheibe zu lauschen, dafür aber so Facettenreich und großartig umgesetzt, dass es immer neues zu entdecken gibt. Und obwohl die drei Hauptstücke sich sehr ähneln, ist die Scheibe als Ganzes tatsächlich eine Rundfahrt durch die unterschiedlichsten Gefilde der Natur und Bereiche der harten Stromgitarrenmusik. In welchem Werk sonst werden schon Akustikklänge und Ambientstücke genau so verarbeitet wie verschiedenste Stilrichtungen vom Pagan Metal bis zu todtraurigem DSBM? Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – Kopfhörer aufgesetzt, zurückgelehnt und sich von Winterherz in seine ganz eigene Welt entführen lassen.

Titelliste von „Femundsmarka – Eine Reise in drei Kapiteln“

  1. Prolog: Aufbruch
  2. Kapitel I: Seenland
  3. Interludium I: Rast
  4. Kapitel II: Steinwüsten
  5. Interludium II: Nacht
  6. Kapitel III: Fichtenhain
  7. Epilog: Heimkehr

( 9,5 / 10 )

Anspieltips:
Das Album hängt Konzeptionell zusammen und sollte daher auch vollständig gehört werden.

Erscheinungstermin:
27.05.2011

http://www.myspace.com/blackwaldgefluester

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  • Konzeptalben können nicht Strophe Refrain wechsel haben? Wer hat dir denn den Floh ins Ohr gesetzt? Oo

    Aber sonst sehr schönes Review, bin gespannt auf das Werk! 🙂

  • Zigeuner

    Können sicher schon… ich halte so einen Aufbau nur nicht für all zu sinnvoll wenn man eine Geschichte erzählen will die sich über eine gesamte Scheibe oder auch nur mehrere Stücke erstreckt.

    So wie es hier gemacht wurde lässt sich ein Album einfach besser als Ganzes und zusammengehörig betrachten. War nur ziemlich schwierig für mich auszudrücken wie das gemeint ist.

  • Aber auch eine Geschichte kann so aufgebaut sein. Tut doch da relativ wenig zur Sache, ob da nu zwei Refrains in einem Song sind oder nicht.

    Wie gesagt: Winterdome – Weltendämmerung als Paradebeispiel für „eine Geschichte erzaehlen“ mit Refrains 🙂

  • Zigeuner

    Das werd ich mir wohl mal anhören müssen 😀

    Naja – wie gesagt… das es möglich ist wollte ich damit gar nicht anzweifeln. Ich finde nur das es den Hörfluss stört und ein Album nicht so in sich stimmig und geschlossen wirken lässt wie dieses eben.

  • Großartige Scheibe

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