Ollie (links) und Jason (rechts)

We Got This Far – Interview mit Jason und Ollie

Ollie (links) und Jason (rechts)
Ollie (links) und Jason (rechts)

Mit “ Blunt Force Volume“ sorgten die Kalifornier von We Got This Far im Sommer dieses Jahres für einiges an Aufsehen. Mit ihrem Debütalbum lieferten sie eine ungemein abwechslungsreiche Platte für das Industrial-Genre ab. Wir hatten nun die Chance ein paar Antworten auf unsere Fragen zu bekommen und die Herren Ollie und Jason hatten auch einiges zu erzählen.


SN: Für die, die euch nicht kennen, würdet ihr euch vorstellen? Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Jason: Ich bin Jason, Musiker, Fleischfresser und Katzenenthusiast. Ich habe Ollie in einem K2 Ausgangslager getroffen während ich auf darauf wartete, dass sich ein Fenster in einer Sturmfront für eine Such- und Rettungsmission öffnete um gestrandete jamaikanische Drachenflieger zu retten. In der dritten Woche öffnete sich das Rettungsfenster, was uns Zeit gab „Like Dying“ und „Anywhere But Here“, in einer Periode in der wir mit Krankheit und Erfrierungen kämpften, zu schreiben. Als die Rettungsaktion begann fanden wir uns zusammen mit vier ohnmächtigen Jamaikanern an einer Eisklippe hängend und nachdem uns eine kleinen Eislawine in einer Spalte einschloss waren wir in der Lage „Cave In“, „So It Is Doom“ und „Endgame“ zu schreiben. Letztendlich würden wir vom indischen Militär aus der Luft gerettet und eine Band wurde gegründet.

Ollie: Ich glaube, Jason ist nicht ganz ernst mit dir. Es waren um ehrlich zu sein nur drei Jamaikaner. Der andere war, glaube ich, ein Cajun. Auch möchte ich klarstellen, dass Jason, wenn er sagt, er sein ein Katzenenthusiast, nur Hauskatzen meint, und um genau zu sein die Haarlosen. Er hat zwölf davon. Zumindest, wenn man die Ausgestopften mitzählt.


SN: Von welchen Bands seid ihr beeinflusst und welche zählen zu euren Lieblingsbands?

Jason: King Crimson fasziniert mich schon seit Jahren, denn sie waren immer so vorausdenkend. Der Pfad, auf den sie den Hörer führen, fühlt sich so verfolgbar an. Nine Inch Nails förderte diesen Stil auch, aber bei NIN gibt es diese seltene, emotionale Komponente. Die Art wie ohGr „Devil In My Details“ aufbaut, inspiriert mich nach wie vor. Die flüssige Natur dieses Albums ist einfach wunderschön, wie die Songs gewoben sind ist brillant.

Ollie: Als ich sehr jung war und erst begann Musik richtig zu schätzen, war Howard Jones mein Vorbild. Manchmal ist es mir peinlich das zuzugeben, aber wenn ich dann Songs wie „Hunger For The Flesh“ höre, würde ich es selbst jetzt noch kaufen und ich sehe ihn auf gleicher Höhe wie Trent Reznor. Während meiner frühen Teenager-Metalhead-Jahre war ich ein großer Fan von Queensryche. Ich liebe es, wie sie ein gewisses Maß an Geschichten und Emotionen in den Metal einbeziehen, wie ich es nie zuvor gehört habe. Und nicht viel später traf ich auf den größten musikalischen Einfluss, den ich jemals hatte, welcher natürlich NIN war.


SN: Was sind die Inspirationen für eure Songs?

Jason: Leben. Was etwas inspiriert besungen zu werden ist etwas, von dem ich denken, dass es anerkannter ist als man zu träumen wagt. Es gibt diese Beobachtungen, die unsere Leben verbinden und uns einen Einblick in das Leben eines Anderen geben. Wenn wir durch die wichtigsten Teile unseres Lebens schiffen, scheint es das zu sein von wo wir unsere Inspirationen beziehen. Ich denke, wir waren beide sehr von uns selbst geführt und so haben wir beide diese Gedankendrehungen erlebt, die wir jeweils in unseren Songs und Texten verwendet haben. Viel davon entspricht Konstruktion und Zerstörung des schwer fassbaren Gefühles eines Zuhauses durch die Verbindung mit jemandem. Nichts schmerzt so sehr, nichts bedeutet so viel, nichts kann diese Aspekte des Lebens verfinstern.


SN: Was denkt ihr, welches Musik-Genre We Got This Far repräsentieren?

Jason: Ich würde es pauschal als Industrial bezeichnen und es von da an weisere Leute definieren lassen. Wir waren so glücklich von der Gesellschaft der auf dunkler, elektronischer basierender Musik willkommen geheißen zu werden: Industrial, Rock, Gothic, Coldwace. Und in vielerlei Hinsicht ist das Beste, was wir tun können, zu hoffen von den Leuten durch das identifiziert zu werden, was wir geschaffen haben.

Ollie: Ich habe vor kurzem unser Künstlerprofil auf last.fm entdeckt und fand es irgendwie interessant zu sehen, mit welchen Begriffen Benutzer uns beschrieben haben. Die vorherrschende Beschreibung war „Industrial Rock“, aber es gab auch andere interessante Begriffe, mit denen uns die Leute beschrieben haben und mit denen wir zum Teil übereinstimmen, so zum Beispiel „Futurepop“.


SN: Welche Reaktionen habt ihr auf euer Album erhalten? Habt ihr diese Art von Reaktionen erwartet?

We Got This Far
We Got This Far

Jason: Es war überaus positiv, so herzlich willkommen geheißen zu werden ist unerwartet, irgendwann einmal wird jemand kommen, der einen schlechte Tag hat und verkündet dass sie den Tag verfluchen an dem wir geboren wurden. Aber bis jetzt waren die Rezensionen unglaublich freundlich, es ist einfach so bescheiden zu denken, dass Menschen sich in so einer persönlichen Art mit dem Material verbinden.

Ollie: Ich hätte niemals ein so hohes Grad an Akzeptanz erwartet. Es war einfach ein Erguss guten Willens von Seiten der künstlerischsten Communities. Es ist wunderschön und ehrlich: Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, wie dankbar ich bin.


SN: Was habt ihr für die Nahe Zukunft von We Got This Far geplant?

Ollie: Oh, es gibt einiges an interessanten Sachen zu tun. Ein ziemlich cooles Onlinespiel „Vector Conflict“ wurde gerade veröffentlich, für das wie den Soundtrack gemacht haben. Wir haben mit Chemlab über einen Remix einer ihrer Tracks gesprochen und wir haben Pläne für ein ziemlich interessantes Live-Album. Es sind ein paar kleine US-Touren in Arbeit, Pläne im Ausland zu spielen und natürlich ein zweites Album.


SN: Plant ihr eine Tour?

Jason: Ja, das tun wir. Wir planen eine ausgiebige Tour in den USA und auch in Europa (Besonders Deutschland). Traurigerweise ist einer der Leute, die in die Planung der Tour involviert waren, Ed Johnson von „Welt Muzik“, jüngst getötet worden, was die Dinge wirklich finster machte. Wir freuen uns sehr darauf, dort raus zu kommen, 16 Volt waren so cool uns auf ein paar Shows der Percursor Tour einzuladen und wir freuen uns auch sehr darauf 2010 mehr Leute zu erreichen.


SN: Plant ihr ein paar Shows in Deutschland zu spielen?

Jason: Deutschland ist einfach Nummer eins der Plätze auf der Welt, die wir erreichen wollten. Die Leidenschaft für Musik in Deutschland ist unvergleichlich und die Leute, die wir dort kennen gelernt haben, sind einige der coolsten, die wir je gehofft haben zu treffen. Das Publikum in Deutschland ist eines der intellektuellsten auf der Welt; sie scheinen sich jeder Beeinträchtigung bewusst zu sein und daher ist für sie zu performen ein Privileg.


SN: Was ist mit der Arbeit in den Studios? Ist „Blunt Force Volume“ was ihr wolltet, das es wird?

Jason: Weißt du, das ist es wirklich. Wir haben jeden Stich immer und immer wieder gemacht und nie einen einzigen Part entschlüpfen lassen ohne ihn zu untersuchen. Jedesmal, wenn wir uns etwas vorgestellt haben, haben wir uns das Ziel gesetzt es zu verwirklichen. Am Ende war einiges Glück, aber das meiste verdammt harte Arbeit…am Ende ist es etwas von dem ich sagen kann, dass es ist, was gewünscht wurde.

Ollie: Es ist wirklich das erste Album von dem ich glaube, dass es fertig war, als es wirklich fertig war. Mit all dem, das ich in der Vergangenheit getan habe, bin ich immer zu einem Punkt gekommen, an dem Ecken abgeschnitten werden mussten um die Dinge unter Dach und Fach zu bringen. Aber mit BVF war es nicht so, zum Teil wegen unserer Leidenschaft für Musik und vielleicht auch wegen des Komforts eines Heimstudios.


SN: Welcher ist euer Lieblingstrack auf  BFV?

Ollie: Du willst also, dass ich mir ein Lieblingskind aussuche? *Lachen* Es ist eine fast unmögliche Frage. Ich würde vermutlich zu „Anywhere But Here“ tendieren. Ich fühle mich manchmal immer noch verloren und vertieft, wenn ich diesen Song anhöre, wohingegen ich zu den meisten anderen Songs leider eine sehr nüchterne Einstellung habe, da ich mich beim Anhören mit jeder einzelnen Note, jedem einzelnen Geräusch sehr vertraut fühle.

Jason: Um ehrlich zu sein, gibt es für jeden Song jede Menge Liebe, aber wenn ich einen wählen müsste wäre es „So This Is Doom“. Es war vermutlich der zügelloseste Song, daher berechtigt es zum Hören um ein wenig Perspektive zu bekommen. Wir haben BFV allerdings schon vor einem Jahr beendet und so mussten wir das fertige Produkt eine ganze Zeit lang anhören und nach wie vor fängt dieser Song das Gefühl von Verwüstung ein, wie ich gehofft habe, dass er es tun würde.


SN: Was waren die letzen drei CDs die ihr euch gekauft habt?

Ollie: 16VOLT : American Porn Songs, Slave Unit : Certificate of Participation , Switch : Visceral

Jason: Ich habe schon seit längerem keine CD mehr gekauft. Ich habe mich in einen von den Typen verwandelt, die ihre Songs einfach über iTunes kaufen und auch, wenn ich gewöhnlich ganze Alben kaufte, kaufe ich inzwischen immer mehr einzelne Songs. Meine neusten Albenkäufe waren: And Then There Were None: Who Speaks for Planet Earth?, Rise Against: Appeal to Reason und In Videoland: Outrageous!


SN: Irgendwelche letzten Worte an die Leser?

Ollie: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu rezensieren und für das Interesse uns besser kennen zu lernen. Wir hätten das Album niemals fertig gebracht ohne Leute wie dich.

Jason: Ich kann nicht beschreiben, wie dankbar wir für den guten Willen, der uns gezeigt wurde, sind. Ehrlich, es bedeutet sehr viel für uns Teil im Leben derjenigen zu sein, die sich nach uns ausstrecken. Es ist unerwartet, wie demütig. Wir hoffen wirklich mehr Leute mit einer Leidenschaft für Musik, Subkultur und Leben zu treffen.


SN: Danke für das ausführliche Interview!


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