X-Rockfest 2013 (Nachbericht)

Das diesjährige X-Rockfest in Herford konnte mit einem ganz besonders guten Line-up auftrumpfen: Neben Anthrax, Killswitch Engage, Trivium und Bullet for my Valentine wurde an diesem Sonntag auch das Thrash-Metal Urgestein Slayer geboten. Aber Fangen wir vorne an:

Devildriver

Bequem zur Mittagszeit kam der Fünfer aus Santa Barbara auf die Bühne und legte einen energetischen Gig vor, der sich gewaschen hat. Es war von Anfang an absehbar, dass man dieses Festival nicht ohne ein paar ordentliche blaue Flecke, Beulen, Kratzer und einen Nackenmuskelkrampf würde verlassen können, aber was Devildriver live hinlegen kann man nicht anders als furios bezeichnen. Mit Material von ihren neueren Alben losgelegt und einem sehr aufnahmefähigen Publikum führte dieser wahnsinnig scharfe Cocktail zu massiven Circlepits und jeder Form des Tanzkrieges,  und nach „Clouds over California“ und Hochleistungssport auf und vor der Bühne zu hinterlassen Devildriver ein rundum zufriedenes, schwer atmendes Publikum.

Fear Factory

Im Vergleich zum Jahre 2010, wo ich diese Jungs zuletzt auf Wacken gesehen habe und sie eine Show geliefert haben, die einfach nicht mehr zu toppen war aus ihrer Perspektive bin ich ein bisschen enttäuscht – klar, das Songmaterial ist besser geworden, nur reißt das irgendwie nicht annähernd so mit wie die knallharten Devildriver. Schade, denn irgendwie bleibt der Beigeschmack dass sie nicht alles geben und etwas müde geworden sind in der Zwischenzeit. Ich bin neugierig wie sie sich in der Zukunft machen und hoffe dass das noch nicht alles ist was sie geboten haben.

Anthrax

Leck mich am Arsch, was für eine starke Band. Dass diese Band die „kleinste“ Band der Big Four of Thrash Metal (Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax) ist, ist mir schleierhaft. Alleine von der Präsenz und dem Material haben Anthrax jede andere Band auf diesem Festival problemlos überholt, ein echter Gig zum daran Erinnern. Sie kommen auf die Bühne zu einem klassisch anmutenden Intro, ehe sie mit „Caught in a Mosh“ die gesamte Menge zum Toben bringen und mit Indians weiter anheizen. Spielfreudig, Präzise, Präsent – was will man mehr von einer Band? Anthrax verschwinden von der Bühne um zum Intro von „In the End“ zwei Banner zu hissen, auf denen Dimebag Darrel (Pantera, R.I.P.) und Ronnie James Dio (R. I. P.) zu sehen sind und geben diesem Auftritt noch eine viel tiefere Ebene. Ein Griff der dich nicht wieder Loslässt, definitiv der Höhepunkt des Auftrittes! „Fight them till you Can’t“ rauscht vorbei und Stilecht enden Anthrax auf „Antisocial“. Warum man diese großartige Gruppe nicht hat headlinen lassen ist mir absolut schleierhaft…

 

Trivium

Wie man es von Trivium gewohnt ist: guter Gig, nicht mehr, nicht weniger.

 

Killswitch Engage

Eine Liveband ohne wenn und aber und daran ändert auch der kürzliche Wechsel von Sänger Howard Jones zum ursprünglichen Sänger Jesse Leach kein bisschen. Nimm einen ADHS- Gitarristen wie Joe Stroetzel, stell ihn neben den Sänger und er sorgt für mehr gutes Entertainment als man sich in drei Monaten im Fernsehen zusammendestillieren kann. Und dann gibt ihm Bier und ein Mikrofon. Und dann pack den Rest der Band und die produzierten sechs Alben dazu. Pinne es auf den letzten Song „The End of the Heartache“ fest und lass es darum kreisen. Und Fertig ist eine Show die du nicht oft genug sehen kannst und daran ändert auch der Regen nichts. Sofern möglich ansehen, uneingschränkte Empfehlung!

 

Bullet for my Valentine

Ich weiß an der Stelle nicht ob ich er Einzige bin, aber dass man diese Band (ohne sie ab zu werten) direkt vor dem Headliner spielen lässt, obwohl Bands wie Killswitch Engage, Trivium und vor allem Anthrax ein größeres Anrecht auf diesen Slot gehabt hätten ist ein verdammter Schlag ins Gesicht, aber das ist hiermit abgehandelt und nun zur Sache: das Publikum ist bei dieser Band jünger und deutlich weniger enthusiastisch als zuvor, dennoch ist der Gig nicht schlecht, die Setlist auf die Zielgruppe zugeschnitten und war somit härter als ich sie in Erinnerung hatt: „Temper Temper“, „Tears don’t fall“ und am Ende der Setlist ließen „Scream, Aim, Fire“ und „Waking the Demon“ die Band ein bisschen wie die jungen Metallica klingen und  das machte die Sache doch noch rund. Ganz sicher nicht fehl am Platze auf diesem Festival, aber die Zeit ist nicht ideal gewesen, da haben wir an diesem Tage Bands gesehen die deutlich mehr geleistet haben.

Slayer

Was hat diese Band alles mitgemacht, alleine in diesem Jahr: Der Tod von Gitarrist Jeff Hanneman und der mittlerweile ausgefochtene Streit zwischen nun ex- Drummer Dave Lombardo auf der einen Seite und Kerry King und Tom Araya auf der anderen sind da die Spitzen des Eisberges.  Für Lombardo rührte Paul Bostaph die Töpfe und Gary Holt (beide bei Exodus). Und es Ist Slayer! Das alleine Sorgte für genug Party vor der Bühne bei einer Setlist die man genauso gut als Best-Of- Scheibe hätte veröffentlichen können. Vom Anfang der Show mit „World Painted Blood“ und „War Ensemble“ war alles mit dabei, nur schlug die Lücke durch, die Jeff Hannemans Tod in die Band gerissen hat, alleine in Sachen Bühnenpräsenz. Kommunikation mit dem Publikum gab es nur wenig, aber das ist man von Slayer gewohnt und das brauchen sie eigentlich auch garnicht, denn alle Versammelten wissen sowieso was sache ist. Der Moment der wirklich im Gedächtnis bleibt ist der, in dem Slayer auf Knopfdruck ihr reguläres Backdrop mit dem Reichsadler und dem Pentagramm fallen lassen und dahinter ein in Stil und Farbe dem „Heineken“-Logo nachempfundenes „In Memoriam Jeff Hanneman“ Backdrop zum Vorschein kommt, welches für die letzten Stücke „Reign in Blood“, „South of Heaven“ und „Angel of Death“ die Stimmung etwas lichtet. Alles in allem ein guter Auftritt mit nicht zu verachtenden Zahnschmerzen, die man der Band anmerkt, die jedoch größer hätten ausfallen können wenn man die Geschichte betrachtet.

 

Setting:

Das man dieses Festival auf einem Hinterhof in Herford feiert, der bei Leibe nicht die Masse an Besuchern fassen kann, lässt sich irgendwie noch ertragen, aber wirklich eine absolut Panne war, war die Idee einen Wellenbrecher ein zu ziehen um den ohnehin schon kleinen Platz zu teilen und die Leute die einfach nur schauen wollten von den Moshpits zu trennen – in der Theorie ein durchaus guter Plan und publikumsfreundlich aber dafür war die Masse zu groß und die Durchgänge zu Eng, einmal ganz abgesehen davon dass sich nach jedem Gig die Leute die den nächsten an der Bühne sehen wollten nicht den Moment abwarten konnten bis die Leute durch diesen Engpass hindurch waren. Das nächste Mal ein bisschen sorgfältiger für diese Massen  planen, okay? Für einen Weg von nicht einmal 50 Metern sollte man selbst bei dichten Mengen NIEMALS fast eine halbe Stunde benötigen. Auch waren die Preise auf dem Festivalgelände für sämtliche Dinge wie Essen und Getränke astronomisch und einfach nur unverschämt, obgleich alternativen dazu sich direkt in unmittelbarer Umgebung befanden. Wenn es dieses Festival weiter gibt – was ich mal prognostiziere und ebenso dass es wachsen wird – sollte man die Sache etwas nutzerfreundlicher gestalten, zumal man das jetzige Chaos schon mit der Veröffentlichung dieses Line-ups hätte erahnen und vermeiden können, hoffen wir mal dass sich das bessert. Alles in allem ist dieses Festival mehr als sein Geld wert, was im Vergleich zu den großen Sommerfestivals sehr positiv heraussticht. Auf ein Neues im nächsten Jahr, ich bin gespannt!

About Spectre

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