YouTube vs. GEMA- Was steckt wirklich hinter den Sperrtafeln?

Wer kennt dieses Schild hier nicht?

 youtube_gema_hinweis-271ef72cfa638f85

Häufig hört man dazu sehr diskreditierende und wütende Kommentare der YouTube Nutzer, die einmal wieder ein Video nicht ansehen können oder deren eigenes Video wegen angeblich urheberrechtsverletzender Inhalte nicht veröffentlicht werden kann.  Was viele nicht wissen: Es ist nicht die GEMA, die die Videos sperrt. Es ist YouTube. Nur warum? Zeit den Streit einmal genauer darzulegen:

Der Grund für den Streit zwischen der GEMA und YouTube ist die Uneinigkeit über die Vergütung eines Userklicks. Die GEMA ist eine non-profit Gesellschaft, die dafür zuständig ist, dass jedes seiner Mitglieder, welche vornehmlich Musiker, Komponisten und Songtexter sind, eine Vergütung enthalten, sobald irgendwo öffentlich ihre Werke gespielt werden.

Im Fall von YouTube verlangt die GEMA, dass für jeden Klick 0,00375 € gezahlt werden sollen. Das klingt erst mal wenig, doch sind das z.B. bei 100 000 Klicks 375 €. Keine Verwertungsgesellschaft der Welt verlangt so hohe Summen für seine Künstler. Da sich beide Parteien bislang nicht einigen konnten, sperrt YouTube in Deutschland auf Verdacht alle Videos, die geschützte Inhalte enthalten könnten. Es findet kein Abgleich mit tatsächlich geschützten Titeln statt. YouTube kritisiert, dass die GEMA keine entsprechenden Listen herausgibt. Doch müsste man sich einmal den Papierkrieg vorstellen, der entbrennen würde, würden sich YouTube und GEMA permanent abgleichen.  Kosten, die die kleine non-profit Organisation in ihrer heutigen Struktur gar nicht tragen kann. Die GEMA möchte sich anderseits in ihren Forderungen nicht deutlich herunterhandeln lassen. Und solange dieser Konflikt tobt, werden weiterhin Videos willkürlich gesperrt.

Die GEMA selbst sagt, sie selbst sperre definitiv keine Videos, außer in der Vergangenheit einmal während eines Prozesses zwölf unpopuläre Titel, wie z.B. „Zwölf kleine Italiener“.

Das Hamburger Landgericht entschied im Jahre 2012 zu dem Thema, dass bei YouTube hochgeladene Titel auf Verlangen der GEMA gelöscht werden müssen, jedoch YouTube selbst diese Titel nicht prüfen oder gar vorläufig sperren muss. Prinzipiell sind die von YouTube eingeblendeten Tafeln gesetzlich unnötig, sie unterliegen keiner Rechtsgrundlage. Auch der aktuelle Text der Tafeln spricht nicht von tatsächlicher Urheberrechtsverletzung, sondern nur von der „Möglichkeit“. Von der GEMA wird es als Kampagne gegen sie angesehen. Das hamburger Urteil ist noch nicht das Entgültige, aber ein erster, wegweisender Schritt.

Das genaue Urteil kann hier im Detail nachgelesen werden:

LG Hamburg, 20.04.2012 – 310 O 461/10

http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LG%20Hamburg&Datum=20.04.2012&Aktenzeichen=310%20O%20461/10

 

Ein treffenderer Hinweis für die YouTubenutzerwäre wohl dieser hier:

youtube gema

Man kann festhalten- nicht die GEMA sperrt Videos, sondern YouTube, um die GEMA auch durch die Verbraucher unter Druck zu setzen. Rechtlich betrachtet ist diese Maßnahme nicht nötig. Es wäre noch hinzuzufügen, dass die GEMA einen ganz wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Musiklandschaft beiträgt und dafür sorgt, dass die Arbeit von den Künstlern, die wir so schätzen, wenigstens geringfügig vergütet wird. Dies ist das Ziel der GEMA und sie selbst verdient als non-profit Organisation nicht selbst daran. Und auch wenn es Tatsache ist, dass manche Bereiche der GEMA durchaus eine Umstrukturierung vertragen könnten und den Weg ins digitale Zeitalter finden müssen, so ist sie dennoch eine sehr wichtige Einrichtung für alle Musikschaffenden und kämpft ausdauernd für deren und somit auch unserer Interessen als Musikfans.  

About Juno

Alter: 27 Beruf: Magister in Orientwissenschaften mit Jura und Politik, derzeit Zweitstudium Kunst-Musik-Medienwissenschaften, arbeite nebenher in einem Programmkino. Hobbies: Schreiben, schneidern, Klamotten entwerfen, orientalischer Tanz und Modern Dance, uvm. Lieblingsmusik: Von Metal und Rock bis hin zu Elektronischem sehr vieles. :)

Check Also

NCN12 - Nocturnal Culture Night 2017

Preview: NCN 12 – Nocturnal Culture Night 2017

Round 12! Vom 8. bis 10. September 2017 lockt das 12. NCN Festival wie gewohnt …

  • Marius

    Klasse Beitrag!

  • Dar Klord

    Wäre jemand von Euch der Boss von „YouTube“ hätte er in der Vergangenheit sicherlich auch gesehen wie viele „Milliönchen“ ob nun Euro, Dollar oder Pfund da Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr an ihm vorbei fließen ohne das er die Chance hat danach zu greifen und es ihm nicht als Gier angelastet würde.

    Da spielt es ihm doch mehr als in die Karten, wenn plötzlich eine andere Interessensgemeinschaft daher kommt und die Belange Ihrer Mitglieder vertritt und sicher stellen möchte das diese ihren gerechten Anteil bekommen.

    Nun könnte man, spitzfindig wie man als User/Verbraucher auch immer ist, weil eben auch nie bereit einen Cent mehr auszugeben als unbedingt notwendig, das ganze veröffentlichen von Songs auf Youtube auch als eine Art Werbung für den jeweiligen Künstler sehen, die paar „Downloads“ von Leuten die ganze CD-Sammlungen nachgebrannter Orginale ihr Eigen nennen sind doch nichts gegen den Wert einer ständigen Präsenz rund um die Uhr die den Künstlern mit YouTube geboten wird, warum soll Youtube das jetzt zahlen, schließlich bekommen die doch auch kein Geld von den Nutzern / Besuchern / Konsumenten der Video’s, aber man könnte jetzt schon kassieren – nur da ist dann immer noch dieser fade Beigeschmack von 0,00375 € je Klick, wie will man das einem Kunden in Rechnung stellen, wo man doch dessen Daten eh schon für hohe Einnahmen an den Interessenten verkauft ohne das der da tatsächlich einen Überblick gewinnt um was für Summen es sich da handelt und nachher weckt man noch schlafende Hunde und der User will das verrechnet sehen!

    Was also tun? Die Lösung ist, es sich nicht mit dem Kunden zu verderben, Schuld sind ja nicht wir, Schuld sind ja die da, die von der GEMA weil die Forderungen einfach überzogen sind, egal ob das stimmt oder nicht, aber für das Unternehmen ist sowas nicht tragbar, von den Kosten her – versteht sich!

    Also lässt man sich, die Kunden erstmal schön darüber ärgern und irgendwann kommt der erste und sag: mein Gott dann soll Youtube doch den 1Cent (aufgerundet versteht sich) eben in Rechnung stellen, Hauptsache ich kann meine Video’s wieder anschauen und woanders kostet das Downloaden schließlich auch mehr, da ist 1 Cent pro Klick doch sowas von lächerlich niedrig das zahle ich doch gerne! Und schon hat man die Akzeptanz und weil es dann auch noch quasi 2/3 an Restgeld für Youtube abwirft ist das doch schon mal ein Bomben-Geschäft und wer weis, vielleicht kann man den Verbrauchern auch noch ein wenig mehr aus der Tasche ziehen für jeden Klick, z.B. statt 0,01 € – 0,10€ dann lohnt es sich doch richtig. Der Kunde wird schon für die nötige Akzeptanz sorgen, er will ja schließlich wiederhaben was ihm genommen wurde!

    Schenk mal einem kleinen Kind ein Spielzeug und nimm es ihm dann wieder nach einiger Zeit weg! Was bietet Dir das Kind alles an damit es das Spielzeug wieder bekommt ??? Nichts anderes macht der Boss von Youtube im Moment mit den Verbrauchern die danach lechtzen Ihre Video’s zurück zu bekommen – die werden schon zahlen, früher oder später! Die GEMA Kosten sind nur eine schmierige Ausrede!