Zwischen Satire und Wahnsinn: Edie Calies Debütroman 3 a.m.

Quelle: http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783939459736.jpg
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Liest man den Klappentext und das erste Kapitel dieses Buches, so ist der erste Eindruck am Ehesten: What the fuck?! Was für ein gestörtes Zeug… Allerdings sind schon im ersten Kapitel derart gelungene Anspielungen auf die moderne Gesellschaft verarbeitet, dass man es nicht aus der Hand legen kann und je weiter man liest, umso mehr offenbart sich, wie anspruchsvoll dieses Werk eigentlich ist.

Eine Geschichte wird hier nicht wirklich erzählt. Es sind Handlungsstränge verschiedener Personen(gruppen), die nichts miteinander zu tun haben und sich erst im späten Verlauf des Romans teilweise überschneiden. Auf eine ausführliche Charakterisierung der Figuren wird ebenfalls verzichtet. Sie scheinen mehr Stereotypen für bestimmte Ansichten o. ä. zu sein.

Da hätten wir einen dunkelhäutigen Mann namens Jesus, der für Aufsehen sorgt und aufgrund eines Beschlusses des Vatikan gekreuzigt werden soll. Die Welt da draußen hat da aber auch noch ein wenig mitzureden: Per Online-Abstimmung, an der alle über ihr GurkenPhone teilnehmen, wird entschieden, ob Jesus im pinken Anzug von Dolke & Kabbana oder in einer Disel-Jeans gekreuzigt werden soll. Oder den Weltverbesserer Johnny, der nach einer Begegnung mit einem geheimnisvollen Mann sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Eine der vier Musikerinnen der Band Yoko Ono Syndrom trifft sich mit einer älteren Dame, um von ihr Enochisch zu lernen und das Publikum beim nächsten Konzert damit in orgiastische Zustände zu versetzen, während die Okkultisten um Frater Eremit ein thelemitisches Ritual zelebrieren…

Nicht zu vergessen, dieses komische Symbol, das plötzlich überall in der Stadt auftaucht, verbunden mit

Autorin Edie Calie (Quelle:
Autorin Edie Calie (Quelle: https://www.facebook.com/edie.calie?fref=ts)

Geheimbotschaften und Numerologie – vielleicht…. Und die namenlose Romanfigur, die zwischendurch mit dem homosexuellen männlichen Autor diskutiert. Das Ganze hat die Atmosphäre eines Traums – oder eines LSD-Trips…

Alle Figuren und Handlungen hier gesondert aufzuführen, würde hier den Rahmen sprengen, daher eher ein allgemeiner Eindruck: Zum Einen ist dieser Roman eine ebenso gelungene wie bitterböse Satire auf den Zeitgeist, zum Anderen eine skurrile Ansammlung von Anspielungen auf okkultistische und philosophische Themen. Beides unterlegt mit einem herrlich ironischen Humor der Autorin, die sich auch die eine oder andere bissige Bemerkung zwischendrin nicht verkneift.

Wer eher leichte Lektüre mit linearen Handlungssträngen bevorzugt, sollte von diesem Roman die Finger lassen. Freunden von verrückter, anspruchsvoller und sarkastischer Literatur hingegen sei dieses Meisterwerk wärmstens empfohlen!

Das Buch ist im Verlag „Edition Roter Drache“ erschienen.

About Mustaveri

Alter: 28 Beruf: Übersetzerin (freiberuflich) Lieblingmusik: Metal (Death, Dark, Black, Thrash, Symphonic, Gothic) Hobbys: Musik, Sport, Schreiben, Kunst, Kochen

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