Britney Spears – Bald(er) Rain of Acid Piss (Review und Kritrik)

Its Britney, Bitch!
Its Britney, Bitch!

Manche Menschen entschließen sich irgendwann zu einem Imagewechsel. Ein bisschen Badgirl hier, eine kleine Affäre dort, aber immer medienwirksam und Kinderzimmergerecht präsentiert. Man will ja niemanden vor den Kopf stoßen.

Neuester Trend unter U.S. amerikanischen Trällertussis scheint es wohl zu sein, in Szenen einzubrechen, in denen sie und ihre Anhänger eher belächelt als angebetet werden. Aber lest mehr zur obskuren Verwandlung der Britney S.

Blastbeats, Corpsepaint, Blutorgien, Riffs, Soli, alles Begriffe, die dem geneigten Metaler geläufiger sind als sonst jemandem. Aber seid neuestem kann man sich auch auf dem Schulhof köstlich über diese Themen unterhalten. Denn durch Britney Spears neustes Fabrikat „Bald(er) Rain of Acid Piss“ ist der Norsk Arisk Black Metal endgültig verkommerzialisiert worden. Allerdings wird sich die Zielgruppe – Langhaarige, infantile Menschen mit treuer Heldenverehrung – nicht ändern. Nun dürften diese sich eigentlich einen neuen Führer in Satans Reich suchen.

Das Problem bei der Sache ist aber, dass man Britney, trotz ihrer denkbar untrven Vergangenheit, nicht böse sein kann, denn die Scheibe ist wirklich gut – in dem Sinne, dass sie eigentlich scheisse ist, aber dann doch wieder gut, weil KVLT, ihr Wichsääääääär!.

Das Intro „Damnation in Lipgloss“ (vermutlich ist der Titel eine Art Immortal-Tribut) sollte schon für Nackenrotieren und Baumkuscheln in allen Kinderzimmern sorgen. Stein des Anstoßes ist die Soundcollage aus Hitler-Ansprachen und dem entrückten Gekreisch von Kleinkindern, welche durch Mark und Bein geht und schon Horden von fundamentalistischen Christen auf die Barrikaden gerufen hat. Das danach der Satz „Hit me Baby, One More Time“ aus den Boxen gegrowlt wird, grenzt schon an perverse Ironie. Der danach folgende erste Track „I piss the Makeup from your Face, Bitch!“ (Wie jetzt, Madame, biste nun für oder gegen Immortal?) erinnert in seiner Angepisstheit an einen bitterbösen Bastard aus „Anal Cunt“ und „Sylvester Staline“. Hasserfüllt tropfen die gekeiften Sätze langsam aus den Boxen, während die Drums unmenschlicher und grimmiger nicht sein könnten, die Gitarristen scheinen Kettensägen zu benutzen, die selbst das härteste Brett der vergangenen 20 Jahre der Metalgeschichte zu zersägen versuchen und es dank der Dieter Bohlen-Produktion auch schaffen – niemand sonst kriegt einen so verwaschenen Sound hin, dass sogar Kanwulf, Mr. Nargaroth und Make-Up-Model aus Brits neuem Dunstkreis, es gut findet. Mancher mag nun schimpfen, „Kvlt“ sei der kleine Bruder von „Scheisse“, aber da es sich hier um Trve Norwegian Black Metal handelt, ist das erlaubt, es soll sogar so sein. Die Musik ist genauso handgemacht wie der Sex der Zielgruppe, das hört man jederzeit.

Anscheinend hat da jemand seine Hausaufgaben gemacht und thrasht munter durch die weltweite (Lolli)Pop-Welt.

Der zweite überlange (wahnwitzige eineinhalb Stunden) Track „I’m a dirty, cheap Whore for Satans Legions“ ist ein Feuerwerk aus progressivem Doom Metal gemischt mit Jazz Passagen und donnert wie Pan.Thy.Monium auf einem bösen Acid-Trip durch die eigenen vier Wände. Das eine oder andere Bild wackelt schon mal, wenn die Tieftöner vom Saxophon abgelöst werden. Da gibt sich auch gerne mal Sunn O))) die Ehre und lässt die Gitarre heulen.

Als drittes und letztes tönt der Song „Fuck Pro Life, Fuck Hair, Fuck Yourself“ und ruft die getreuen PopLemminge geschmeidig in den Selbstmord. Am liebsten würde man dem monotonen Sog aus Spoken Word und einem Waschmaschinenchorus sofort Folge leisten, wäre da nicht das Quäntchen Selbstachtung und Lebensfreude von der man eben so erfüllt ist.

Johannes
Johannes

Fazit:

Es ist kaum zu fassen welch krasses Gegenteil sich hier darbietet, im Vergleich mit den bisweilen ebendso belanglosen wie talentfreien Auswürfe der Miss S. wirkt „Bald(er) Rain of Acid Piss“ wie ein funkelnder kleiner Stern am lichterloh in Flammen stehenden Pop Himmel.

Total Work of Fiction steht hier ebendso im Vordergrund wie erhöhter Alkoholpegel, sägende Gitarren und kreischende Vokals. Sogar Sex gibt es hier. Handgemacht und ehrlich, wie es die wohl ausgesuchten Zielgruppen- Sowohl die alten als auch die Neuen- gar nicht anders kennen.

666/10
666/10










Tracklist:

  1. Damnation in Lipgloss
  2. I piss the Makeup from your Face, Bitch!
  3. Im a dirty, cheap Whore for Satans Legions
  4. Fuck Pro Life, Fuck Hair, Fuck Yourself


About Kettenhund

Mir wurde hier erlaubt meine bescheidene Meinung über Musik zu äussern, dieses geniesse ich auch freudestrahlend und ich vollsten Zügen. Ich bin 22 Jahre jung und lebe im schönen Emsland in einem abgeschiedenen und weltfremden Dorf das ich hier nicht näher beschreiben muss.

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