Brillig – The Red Coat (Review und Kritik)

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Brillig - The Red Coat

Lewis-Carroll-Freaks aufgepasst: Brillig sind wieder da und haben mit ihrer neuen CD „The Red Coat“ ihre kleinen Visionen des Wunderlands vertont. Das weiße Kaninchen, die Grinsekatze und natürlich Alice sind gespannt: Ob es ihrer irgendwie seltsamen, geradezu schizophrenen Welt gerecht wird? Zumindest die Instrumentierung treibt einem schon mal schwer irritierte Ausdrücke ins Gesicht: Mit so exotischen Instrumenten wie Ukulele, Autoharp, Viola, Harmonica und Banjo, kombiniert mit der Band-Grundbesetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug ist man nicht unbedingt Mainstream und ordentlich schräg. Doch eine Richtung ist hier schon mal erkennbar: Am ehesten mit Chamber oder dem wenig bekannten Frank the Baptist-Ableger Telegram Frank vergleichbar, wird hier düstere Songwritermusik mit diversen Einflüssen aus Seemannsliedern, Country, Folk und Kammermusik dargeboten.

Hier gilt: Wer kein offenes Ohr für etwas abgedrehtere Sounds hat, sollte hier besser probehören. Denn obwohl Brillig immer viel Wert auf Eingängigkeit zu legen scheinen, ist der Sound doch gewöhnungsbedürftig – Wobei ich ziemlich sicher bin, dass gerade Carroll- oder Alice-Freaks, nicht nur wegen der immer wieder um der sich immer wieder um Sinneserweiterung oder brillig_promofoto1Parallellwelten drehenden Texte. Besonders erwähnenswert ist eines der Highlights des Albums, „Absinthe Makes Her Heart More Fonder“. Aus dem Titel lässt sich in in etwa herauslesen, wie die Band zur Wirklichkeit steht. Darum schafft sie sich persönliche Wunderländer. Und das alles andere als schlecht.

Denn hat man Brillig erst einmal komplett für sich erschlossen, entdeckt man immer neue Details in den nur vordergründig eingängigen Songs. Nicht nur wegen der exotischen Instrumentierung, sondern auch wegen der guten Stimmen von Matt Swayne und Elizabeth Reid ist ein weghören nur schwer möglich – Wenn man denn das berühmte offene Ohr für die kleinen Seltsamkeiten hat. Wer also Übung mit Bands wie Chamber, Persephone und diversen Singer-Songwriter-Projekten hat, sollte hier seine helle Freude haben: Songs wie das schöne „The Red Coat“ oder das Schunkelstück „The Old Captain“, das stilistisch sehr an Akkordeonspieler am Hafen erinnert, die von phantastischen Abenteuern auf See singen, prägen das Gesamtbild. Und schaffen eine Gegenwelt, aus der man nur schwer fliehen kann. Wenn man es denn will.

Fenriz
Fenriz

Fazit:

Brillig liefern mit „The Red Coat“ ein wunderschönes Stück Musik, das nicht nur die Grinsekatze, das weiße Kaninchen und Alice lieben werden. Ich erwarte die 4 beim nächsten Brillig-Gastspiel im Wunderland: Die Katze wird ausgelassen mit dem Kaninchen schunkeln und Alice sicher ihre Anerkennung in Form von Titten zeigen. Insgesamt eine Empfehlung für Fans von sickem Shit. Katzenjammer Kabarett- und Dresden Dolls-Fans sollten mit dem Album ebenso gut klarkommen wie Chamber- oder Persephone-Anhänger. Die ständig vorherrschende, latente Lagerfeueratmosphäre macht das ganze aber ungleich simpler zu erschließen. Ein wirklich bewusstseinserweiterndes, reifes und gut auskomponiertes Gebräu auf dem Weg zum nächsten Trip ins Wunderland.


Tracklist:

  1. Death at Sea
  2. The Red Coat
  3. Bird from the Ashes
  4. Assorted Fate
  5. The Old Captain
  6. The Frozen Lake
  7. Intermission
  8. Absinthe makes her Heart go Fonder
  9. Jack Davey
  10. Springtime in Kyoto
  11. Phantom’s Theme
  12. Emily of the Grace
8/10
(8 / 10)


www.brillig.com.au
www.myspace.com/brilligacoustic

VÖ: Bereits veröffentlicht

Anspieltipps:

– The Red Coat
– Absinthe makes her Heart go fonder
– The Old Captain

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