Vryre – The Initial Frontier Pt. 1 (Progressive Black Metal)

 

Nachdem es 2010/11 im Lineup der Black Metal Band Eïs eine Umformung gab, fragten sich viele, was die Ex-Eïs-Musiker denn in naher Zukunft so treiben würden. Insbesondere Cypher D. Rex prägte mit seiner markanten Stimme das Schaffen von Eïs (als sie noch Geïst hießen). Und nun verkünde ich die frohe Botschaft: Drei dieser Ex-Mitglieder haben eine Band gegründet! Es handelt sich hierbei um Cypher D. Rex, Faruk und Hedrykk F. Gausenatt; komplettiert wird die Formation durch Pariah G. und Android. Außerdem bekommen die Jungs Unterstützung durch die Gastmusiker Nostarion (Dämmerfarben) und Martin Wiese (Enid). Eine Demo wurde schnell eingespielt, dies führte zu einem Vertrag mit dem Label Supreme Chaos Records.

Doch wie schaut es musikalisch auf ihrem Debüt The Initial Frontier Pt. 1  aus? Vyre spielen Black Metal, unterstützt von dezenten Synthies und Sprachsamples. Im Grunde genommen dominieren zwei  Spielweisen die Full-length: Die atmosphärisch-ätherisch klingende auf der einen Seite, die straight-rockig-verspielte auf der anderen Seite. Auch vor jazzigen Einflüssen schreckt man nicht zurück (Fragile Equilibrium).  Die Songs dauern im Schnitt 9 Minuten (ausgenommen das Intro) und befinden sich somit im Überlängebereich.

Vyre bezeichnet sich selbst als ‚interstellarer Neuzeit Black Metal‘. Bei Black Metal und Weltall denkt man spontan an Darkspace, doch im Gegensatz zu der Band, welche die Leere des Alls vertont, widmen sich Vyre der ‚Tristesse von Weltraumreisen‘. Genau darin liegt der Reiz des Albums. Auch wenn die straighten Riffs augenscheinlich dominieren, klingt die im Gesamteindruck absolut atmosphärisch. Der Clou sind nämlich die Synthesizer: Während viele Bands meinen, diese in den Vordergrund stellen zu müssen und somit zumeist einen kitschig-künstlichen Klang erreichen, schafft es Faruk diese immer im rechten Moment effektvoll, aber zugleich dezent, einzusetzen. Abgerundet wird dies durch die fantastischen Mid-Tempo-Parts, die öfters durch wundervolles elegisches Riffing unterstützt werden (erinnert zeitweise an Drudkh).

Kurzes Track-by-Track

1. Small Bang Theory (introduction)

Teleporterartiges Geräusch, welches den Hörer auf den Schlachtkreuzer ‚Vyre‘ beamt.

2. The Initial Frontier

Der Opener klingt vielversprechend und macht Lust auf mehr. Allerdings sind die Übergänge teils nicht ‚weich‘ genug.

3. Fragile Equilibrium

Sehr schöner, melancholischer Track mit einem Blues-Rock-Part. In der zweiten Hälfte erfolgt ein kurzer Ausbruch, dieser wirkt auf mich etwas deplatziert. Da ich allerdings viel Drudkh höre und dementsprechend gerne in der Melancholie schwelge, bin ich wahrscheinlich zu befangen, um dies objektiv zu kritisieren. Auf jeden Fall ist der Song zugleich mein Anspieltipp für Euch.

4. Coil of Pipes

Fängt gemütlich an, wandelt sich nach wenigen Sekunden zum dissonantesten und fiesesten Track des Albums. Gegen Ende wird wieder Gemütlichkeit evoziert.

5. Digital Dreams

Beginnt mit einem englischen Sample, mit einem sehr teutschen Akzent gesprochen. Auch hier ist wieder Melancholie angesagt, das Songwriting wirkt hier ausgesprochen ausgereift.

6. Miasma

Verdammt psychodelisch, unterstreicht den Facettenreichtum des Albums. Auffallend sind die teilweise deutschen Lyrics.

Spielzeit 48:54

 

Fazit: Wem der progressive Ansatz lieber als der avantgardistische ist, wer Eïs schon mochte und zudem auf symphonische sowie elektronische Einschläge abfährt, wird mit „The Initial Frontier Pt. 1“ eine Platte erhalten, die selbst nach dem x-ten Durchgang noch Freude bereitet.

Wem die erste frohe Botschaft zugesagt hat, dem verkünde ich noch eine Zweite: 2014 erscheint The Initial Frontier Pt. 2!

Wertung: 8/10

 

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About Arrheton

Ich bin derzeit Student in der ältesten Stadt Deutschlands. Zu meinen Leidenschaften zählen der Black Metal und die Literatur.

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