Buchrezension: „Wo Du Bist“ von Sven-André Dreyer

581073_211921935640646_1839757885_nTitel: Wo Du Bist
Autor: Sven-André Dreyer
Verlag: michason & may
ISBN: 978-3-86286-031-9
Seitenzahl: 100
Preis: € 9,90 (Taschenbuchausgabe, 1. Auflage 2013)

 

Zum Inhalt:
Sie spielten die ersten Akkorde, als die Tür hinter dir ins Schloss fiel.

Erneut erweist sich Sven-André Dreyer als Virtuose des verdichteten Prosa-Pop. Konzentrierte Worte und Töne schaffen Bilderwelten, fangen den Leser ein, bis man sich fast verliert zwischen den Zeilen, zwischen den Buchstaben.

Rezension:
Die neuen Erzählungen von Sven-André Dreyer zu rezensieren, ist gar nicht so einfach, den Inhalt zu vermitteln, weil es in seiner gesamten Art so einzigartig ist. ‚Wo Du Bist‘ sind kurze Erzählungen des Autors, in der  jede Erzählungen in einer Form des Abschieds handelt.
So handelt beispielsweise die namensgebende Geschichte ‚Wo Du Bist‘ von einem Sohn, der seinen Vater auf den letzten Wegen seiner Erinnerung in die Demenz begleitet, bis hin zum Auszug aus der Wohung und Einzug in ein Pflegeheim.
Eine wetiere Erzählung wäre ’06h05′ die in wenigen Sätzen und auf 2 1/2 Seiten eine Trennung eines Paares schildert. Ein Paar, was sich nach vielen Jahren auseinandergelebt hat, jeder mit seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen einer Beziehung, die nicht erfüllt wurden und einfach geht, um nicht mehr zurückzukommen.
Eine weitere Geschichte, die mich sehr berührt hat, ist ‚Das Wort für Schwarz‘. Nun wird sicherlich das Herz des Leser einen Hüpfer machen, doch handelt diese Erzählung nicht von unserer schwarzen Gesinnung, sondern von dem langsamen Verlust des Augenlichts.
So handeln auch die weiteren neun Erzählungen immer von einer Art Abschied aus dem Leben, was jeden betreffen kann.
Wie auch schon der erste Band von Sven-André Dreyer ‚Die Luft anhalten bis zum Meer‘, der dem gleichen Schema folgt, ohne gleich zu sein, schafft der Autor mit seiner Begabung, einen ruhigen und sehr minimalistischen Erzählstil, den Leser sehr tief zu berühren. Er schildert das tiefe Innere seiner Protagonisten, die hier die ‚Erzähler‘ sind, ohne diese dem Leser nahe zu bringen und doch verbindet man sich mit dem Erzähler, denn man findet sich auf gewisse Weise in den Erzählungen wieder oder man kennt jemanden oder Situationen, wie Sven-André Dreyer sie schildert. Jede Erzählungen kommt mit wenigen Sätzen aus, sowie mit sehr wenigen Kapiteln. Es sind Geschichten, die man nicht eben so liest. Es sind Geschichten, die einen innerlich aufhorchen lassen. Nach dem Lesen eines Kapitels oder einer Erzählungen (manche Erzählungen kommen mit nur einem Kapitel aus), schaut man auf, denkt drüber nach, spürt die dichte Atmosphäre, die Betroffenheit, manchmal auch die Verzweiflung und das Mitgefühl des Erzählers, denn durch Sven-André Dreyer lässt uns der Erzähler an seinen inneren Gedanken, Ängsten und Gefühlen teilhaben. Gedanken, Ängste und Gefühle, die jeder von uns kennt.
‚Wo Du Bist‘ ist ein kleines Buch, wenn man schon den ersten Satz, des ersten Kapitels aus der „Playlist“ ‚Wo Du Bist‘ liest, direkt in die Erzählungen reingezogen wird.
Zitat:
Eins | Donnerstag
Es war ein Donnerstag, als Vater Frank zu mir sagte. Mein Bruder heißt Frank.
Man stellt sich schon bei diesen beiden Sätzen des ersten Kapitels die Frage: Warum sagte der Vater Frank zu ihm, wenn doch der Bruder Frank heißt?
Mit ‚Wo Du Bist‘ hat Sven-André Dreyer ein weiteres Buch geschaffen, was man gerne gelesen hat und immer wieder liest, ein Buch, was man auch gerne jemandem schenken möchte, der einem sehr nah steht. Ein Buch, was auch sein eigenes Handeln beeinflusst, weil es um menschliche Gefühle geht, weil man sich die Frage stellt, wie man selbst mit den erzählten Situationen umgehen würde.
Mir hat auch das zweite Buch, wie auch schon der Vorläufer, sehr gut gefallen und kann auch diese Erzählungen jedem empfehlen, der sich nicht davor scheut, vielleicht auch seinen eigenen Ängsten und Gefühlen zu begegnen.
Wer ‚Wo Du Bist‘ nun neugierig geworden ist und mehr zum Inhalt vorgelesen bekommen möchte, hat in Düsseldorf die Chance, an der Premierenlesung teilzunhemen.
Dienstag, 05.11.2013 ab 20:00 Uhr
Buchhandlung BiBaBuZe
Aachenerstr. 1
40223 Düsseldorf
Eintritt: kostenlos
Über den Autor:
Sven-André Dreyer, geb. 1973 in Düsseldorf, Germanist, Redakteur und freier Autor. Mitglied des Vereins Literaturhaus Nordhessen e.V., Initiator und Veranstalter der Lesereihe „Lesen in der KLAUSE“ in Düsseldorf, Ensemble-Mitglied der Lesereihe „Sonny Wenzel & Freunde“. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften.
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Autorenhomepage: www.sven-andre-dreyer.de
Verlagshomepage: http://www.michason.de/
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sven-André Dreyer

Anbei auch der Hinweis auf das erste Buch der Erzählungen von Sven-André Dreyer ‚Die Luft anhalten bis zum Meer‘

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Titel: Die Luft anhalten bis zum Meer
Autor: Sven-André Dreyer
Verlag: michason & may
ISBN:  978-3-86286-015-9
Seitenzahl: 100
Preis: € 9,90 (Taschenbuchausgabe, 1. Auflage 2012)

 

 

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